Martin Waldseemüller: Amerika kommt aus Freiburg

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, dass eine einfache Verwechslung durch einen Freiburger Studenten einen ganzen Kontinent beeinflusst hat? Der Kartograph und Magister Martin Waldseemüller gab 1507 eine Weltkarte in zwölf Holzschnitten und zwölf Globusstreeifen zum Aufkleben auf eine Kugel heraus, auf der als einer der ersten die neue Welt eingezeichnet war.

Fälschlicherweise nahm er an, der Kontinent wäre nicht von Christopher Kolumbus, sondern vom Florentiner Seefahrer Amerigo Vespucci entdeckt worden.

Bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts war das allerdings die am weitesten verbreitete Meinung: Vespucci hatte 1504 einen Brief namens Mundus Novus verfasst, der in fast alle europäischen Sprachen übersetzt wurde und in dem er recht genaue geographische Beschreibungen der neu entdeckten Länder ablieferte. Tatsächlich war er auch auf mindestens zwei Expeditionen dabei und verwendete als erster den Begriff "Neue Welt". Erst 50 Jahre später wurde gerichtlich festgestellt, dass Columbus der offizielle Entdecker war. Der Kläger war ein Enkel des Genuesers.


Waldseemüller las diese Briefe und fertigte danach Karten an, auf denen er den neuen Kontinet mit der lateinisierten Namensvariante des vermeintlichen Entdeckers Americus bezeichnete- schließlich waren schon Asien und Europa nach Frauen benannt worden, deshalb sei ein männlicher Vorname für den neuen Kontinent adäquat. Durch sehr viele Raubkopien dieser Karte fand der Name in Europa Verbreitung.

Martin Waldseemüller wohnte zu Studienzeiten in der Löwenstraße, wo heute das Kollegiengebäude III der Uni Freiburg steht. Dort ist eine Gedenktafel, die an den einflussreichen Kartographen erinnert. Und in diesem April, zum 500. Jahrestag der Veröffentlichung der Weltkarte, gibt das Bundesfinanzministerium eine Sonderbriefmarke heraus, die am 17.4. im Freiburger Uniseum feierlich präsentiert wird.