OB-Wahl in Freiburg

Martin Horn wird neuer Oberbürgermeister von Freiburg – Dieter Salomon abgewählt

Oliver Huber

Die Überraschung ist perfekt: Der von der SPD unterstützte Martin Horn wird neuer Chef im Freiburger Rathaus. Im zweiten Wahlgang legte der 33-Jährige noch einmal deutlich zu. Oberbürgermeister Dieter Salomon ist abgewählt.

Im zweiten und entscheidenden Wahlgang der Freiburger Oberbürgermeisterwahl kann der 33 Jahre alte parteilose Sozialwissenschaftler mit 44,2 Prozent der Stimmen den Sieg für sich verbuchen. Im Vergleich zum ersten Wahlgang legt der politische Newcomer mit einem Plus von 10 Prozentpunkten deutlich zu. Er tritt das Amt am 1. Juli an (Kommentar).




Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis verliert Dieter Salomon leicht und kommt auf 30,7 Prozent. Monika Stein kann das Ergebnis des 1. Wahlgangs fast halten und erreicht 24,1 Prozent. Der parteilose Unternehmer Anton Behringer schafft es abgeschlagen auf 0,9 Prozent, die Sonstigen kommen zusammen auf 0,1 Prozent. Der Amtsinhaber kann nur wenige Bezirke für sich entscheiden. Auch in den ländlichen Bereichen haben sich die Wähler für den Wechsel entschieden. Die Wahlbeteiligung liegt mit 51,7 Prozent 0,7 Prozentpunkte höher als beim ersten Wahlgang, so das Rathaus. Rund 170.000 Bürgerinnen und Bürger waren zur Stimmabgabe aufgerufen.



Sieger Martin Horn lässt sich auf dem Rathausplatz feiern. "Ich bin überwältig. Heute ist der internationale Tag des Lachens - und das mache ich jetzt auch." Er sei sehr dankbar. Sein Wahlkampf sei authentisch gewesen. Er selbst habe sich schwer getan, in Freiburg eine Wohnung und einen Kita-Platz zu finden. "Ich bin hochmotiviert, die Probleme der Stadt zu lösen." Bei der Wahl habe es sich nicht um einen Denkzettel gehandelt, sie sei eine Wahl der Freiburger gewesen. "Das, was wir jeden Tag zurückbekommen haben, war klasse. Einfach nur Wahnsinn", sagt Horn.

"Ich bin hochmotiviert, die Probleme der Stadt zu lösen." Martin Horn
Er habe im Wahlkampf die Nachhaltigkeit und das Grüne betont. Mehr Bürgernähe sei eines seiner Ziele. "Auch bei einem vollen Terminkalender will ich jeden Monat einmal in einem Stadtteil präsent sein." Er habe kein Parteibuch, wolle Brücken schlagen – auch im Gemeinderat.



Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Maria Viethen, zeigt sich in einer ersten Reaktion enttäuscht. Mit dieser Wechselstimmung habe niemand in der Stadt gerechnet. Es gäbe aber Dinge in Freiburg, mit denen Dieter Salomon in Erinnerung bleiben würde. Sie gratuliert Martin Horn für seinen Erfolg und dankt Monika Stein für ihren fairen Wahlkampf.

Michael Moos, Stadtrat der Linken Liste, würdigt die Entscheidung von Monika Stein, im zweiten Wahlgang noch einmal anzutreten. Als Drittplatzierte sei es nicht leicht gewesen. Viele Menschen hätten das Gefühl, das Soziale würde leiden. Die Linke werde Martin Horn an seinen Versprechen messen. "Es ist eine politische Zäsur", sagt Moos auf der BZ-Bühne vor dem Rathaus.



Wendelin Graf von Kageneck, Fraktionsvorsitzender der CDU, gratuliert dem Sieger. Nach dem ersten Wahlgang sei klar gewesen, dass es für Dieter Salomon schwer werden würde. Viele Menschen hätten nicht klar gesagt, wen sie wählen werden. Trends würden sich wiederholen, ganz unabhängig davon, ob die Politik des Amtsinhabers gut gewesen ist oder nicht.



Unmittelbar nach Bekanntwerden des Ergebnisses kommt Dieter Salomon, der erste Grünen-Oberbürgermeister einer deutschen Großstadt, auf die Bühne der BZ vor dem Rathaus. "Die bittere Stunde war vor zwei Wochen. 3,5 Prozent kann man einholen, habe ich damals gesagt. Viele Menschen wollen aber beim Sieger sein. Martin Horn ist der Sieger", sagt der nach 16 Jahren abgewählte Amtsinhaber.

"Martin Horn ist der Sieger" Dieter Salomon
Er wünsche Horn und der Stadt alles Gute. "Die Menschen wollten einen Wechsel. Das ist ein ganz normaler Vorgang", sagt Salomon. Er dankt seinen Unterstützern und freue sich auf einen neuen Lebensabschnitt nach vielen Jahren als Berufspolitiker. Seine Amtszeit ende am 30. Juni.

Die linke Kandidatin Monika Stein freut sich über ihr Abschneiden, es sei mehr als respektabel. "Mein Wahlziel war, dass unsere Inhalte in der Stadt präsent bleiben". Deshalb sei sie noch einmal angetreten. "Ich stehe für ein völlig anderes Wahlprogramm als die anderen beiden Kandidaten. Wir haben zu den beiden nur wenige Schnittmengen", sagt die 48-Jährige. Ihr Dank gelte den vielen Menschen, die sie im Wahlkampf unterstützt haben. Sozial und grün gehe gemeinsam. Es gehe um den Wohnungsbau, den Verkehr und das Klima. Man müsse es das zusammen denken.

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Kerstin Andreae sieht grüne Themen insgesamt in Schwierigkeiten. Wahlkämpfe würden sich zudem verändern. Deshalb hätte der Präsenzwahlkampf von Martin Horn so großen Erfolg gehabt. Es hätte in Freiburg ein schwieriges Momentum gegeben. Auf der einen Seite der Wunsch nach neuen Wohnungen und auf der anderen Seite der daraus resultierende Flächenverbrauch – mit einem "hier bitte nicht". Die Themen seien komplex.



Horns Kandidatur wurde von der Freiburger SPD, der FDP, der Kulturliste und dem Verein Freiburg Lebenswert unterstützt. Im ersten Wahlgang am 22. April lag Martin Horn mit 34,7 Prozent überraschend vorn. Dieter Salomon kam mit 31,3 Prozent der Stimmen auf Platz zwei. Hinter dem Amtsinhaber platzierte sich mit 26,2 Prozent die linke, parteilose Kandidatin Monika Stein.

Mehr zum Thema: