Markennamen selbstgemacht

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, dass es auch mal Zeiten gab, in denen neue Produkte und Firmen ihre Namen nicht von irgendwelchen Marketingfachleuten bekamen? Der Karstadt-Quelle-Konzern heißt jetzt zum Beispiel bedeutungsschwanger Arcandor. Doch früher wurden Firmen danach benannt, was sie herstellten oder wie der Gründer hieß, und Produkte hießen wie ihre wichtigsten Eigenschaften.

Inzwischen mussten diverse Firmen feststellen, dass von ihnen mit viel Mühe und Beratung ausgewählten Produktbezeichnungen nicht überall auf die gehoffte Akzeptanz stoßen. Die bekanntesten Beispiele dafür legten die Autobauer Nissan und Toyota hin, die sich für ihre Modelle Pajero (in spanischer Vulgärsprache heißt das so viel wie "Wichser") und MR2 (auf französisch ausgesprochen klingt das wie "merde", also Scheiße) in manchen Ländern neue Namen ausdenken mussten.


Doch in vergangenen Jahrzehnten und -hunderten benutzte man einfachere Wörter: Nivea wurde aus dem Lateinischen geholt und bedeutet einfach "die Schneeweiße". Und besonders in der ehemaligen sozialistischen Musterrepublik DDR waren Abkürzungen beliebt: Aus einem Betrieb, der in sachsen-anhaltinischen Zeitz Kinderwagen herstellte, wurde einfach ZEKIWA.

Ein besonders kurioses Beispiel für diese Art der Namensgebung ist ein Kräuterlikör aus einem kleinen Ort am Fuße des Harz. Dessen Zutaten sind: Ein Extrakt aus mehreren Kräutern namens Stichos, Pimpernüsse, das mexikanische, aus vergorenem Agavensaft hergestellte Pulque, Liebstöckel, Ligusterstrauch, Bocksdorn, Bockshornklee, der Saft junger Kiefern, genannt Forle, für den Alkoholgehalt Getreide, das man auch als Cerealien bezeichnen kann, dazu noch ein bisschen Lotus und einen Schuss Rum.

Zuviele Zutaten für einen Markennamen? Keineswegs! Das magenaufräumende Getränk heißt seit 1893 Stichpimpulibockforcelorum und ist noch in diversen Ostalgie-Shops erhältlich. Das Gute an dieser Bezeichnung ist, dass man auf keinen Fall zu viel davon trinken kann. Spätestens nach dem zweiten Gläschen ist es unmöglich, noch ein weiteres zu bestellen.