Mario Held (Crash): "Der Wave-Abend darf nicht sterben"

David Weigend

Mario Held ist der Vater des Wave-Abends, der seit Anfang der 1990er Jahre jeden Donnerstag im Crash stattfindet. Diese Freiburger Party-Institution, so hieß es, stehe auf der Kippe. Wie und warum sie Held doch am Leben erhalten will, erklärt er im fudder-Interview.



Herr Held, der gestrige Wave-Abend lief, mit Verlaub, beschissen.

Leider, ja. Es waren 40 Leute da. Stammpublikum. Neue Gäste kommen kaum dazu. Frustrierend, wenn du merkst, ein Abend plätschert so vor sich hin und keiner hat so richtig Lust. Es wäre für mich eine Katastrophe, wenn ich den Donnerstag aufgeben müsste. Aber soweit ist es noch nicht. Ich habe das bisher ja nur in den Raum gestellt.

Der Wave-Abend am Donnerstag im Crash gilt als Institution im Freiburger Nachtleben. Wie lange gibt’s die eigentlich schon?

Mindestens seit 18 Jahren. Anfang der 1990er Jahre gab es in dieser Richtung eine große Szene mit famosen Bands: Bauhaus, Das Ich, Deine Lakaien. Wenn solche Bands bei uns gespielt haben, hatten wir ausverkauftes Haus. Da standen 700 Grufties im Crash. Auch bei weniger bekannten Gruppen wie Cat Rapes Dog oder Vomito Negro kamen 400 Leute, auch an einem Mittwoch. Das Crash war sehr wavelastig zu dieser Zeit. „Our Darkness“ von Anne Clarke, das war ein Gassenhauer damals. Da war die Tanzfläche voll.



So kam also der Wave-Donnerstag zustande.

Genau. Dafür lief am Wochenende weniger Wave, es gibt ja auch noch andere Szenen. An den ersten Donnerstagen kamen regelmäßig 150 Leute. Das ist im Laufe der Zeit immer weniger geworden. Klar, die Fans werden älter. Auch bei den Wave-Abenden haben wir inzwischen eher älteres Publikum. Und da spaltet sich der Musikgeschmack: Die Älteren mögen Bauhaus und The Cure, die Jüngeren fordern EBM.



Die Dark Dance Treffen in Lahr sind stets gut besucht. Ist es wirklich so, dass sich die Szene verkleinert?

Das letzte Dark Dance Treffen am 13. Juni war jedenfalls schlecht besucht. Die sind weit hinter ihren Besuchererwartungen zurückgeblieben. Und für meinen Geschmack läuft da zuviel EBM-Zeug: Covenant, Diorama, VNV Nation, solche Sachen.

Sie legen Samstagabends im kleinen Raum ja auch manchmal Artverwandtes auf. Was geht da besser: Die alten oder die neuen Sachen?

Die alten Cure-Hits, das zieht halt. Zack, fertig, aus. Wenn ich EBM spiele, ist nach zwei Minuten die Tanzfläche leer. Was nicht heißt, dass ich mir die neuen EBM-Sachen nicht auch gern anhöre. Das Problem ist, dass die Fans dieser beiden Richtungen ihre Vorlieben nur schwer mit den anderen vereinbaren können.



Es gibt ja vier verschiedene DJs, die an den Donnerstagen im Crash auflegen.

Ja, und jeder hat seinen eigenen Stil. Das finde ich auch gut so. Aber es gibt eben Leute, die sind beleidigt, wenn nicht fünf Stunden lang ihre Lieblingsmusik läuft. Also: NUR Batcave oder NUR Wave. Die entsprechenden Reaktionen kann man im Forum unserer Website beobachten. Es liegt nun auch an uns, den Leuten ihre gemeinsamen Interessen aufzuzeigen – dass die Waver ein wenig EBM akzeptieren und umgekehrt.

Manchmal organisieren Sie auch Wave-Partys, die nicht an Donnerstagen stattfinden. Wie sind diese Veranstaltungen besucht?

Die sind voll. Bei der letzten Party dieser Art hast du gemerkt: Da waren 350 Leute, die genau deswegen gekommen sind.



Wieviele Leute müssten denn in den nächsten Wochen donnerstags ins Crash kommen, dass der Abend erhalten bleibt?

Ich würde das weniger an einer Zahl festmachen, sondern eher an der Stimmung. Wenn von 50 Leuten 40 auf der Tanzfläche sind, ist das super.

Angenommen, die Party dümpelt weiter vor sich hin – ist das dann das generelle Aus für den Donnerstag im Crash?

Nein. Dann werden wir eine andere Idee einführen. Das könnte zum Beispiel sein, dass nicht mehr ausschließlich Wave und Gothic läuft, sondern auch noch andere Richtungen. Indie Rock. Mehr Mischung.



Wie lange wird es den Wave-Abend definitiv noch geben?

Es wird dieses Jahr alles beim Alten bleiben. Wir wollen versuchen, der Freiburger Szene wieder ein Gesicht zu geben. Und wir werden im November an einem Samstag eine richtig große Wave-Party machen.

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