Marine ohne Meer

Lorenz Bockisch

Dass so manche militärische Einheit keinen wirklichen Sinn hat, dürften nicht nur eingefleischte Pazifisten bestätigen. So gibt es in Südamerika ein Land, das seit einem verlorenen Krieg vor über 120 Jahren keinen Zugang mehr zum Meer hat. Doch warum sollte man deshalb die Marine abschaffen? Mit nicht wirklich vielen Schiffen und Seeleuten hofft Bolivien weiter auf einen neuerlichen Zugang zu den Weltmeeren.

Nach dem verloren gegangenen Salpeterkrieg im Jahre 1884 gegen Chile ist Bolivien ein Binnenland. Die heute über 1800 Mann der bolivianischen Marinestreitkräfte beschäftigen sich seitdem mit der Sicherung der Gewässer innerhalb des Landes – wovon es mit dem Titicacasee und diversen zum Amazonas fließenden großen Flüssen auch genug zu überwachen gibt. Dort patrouillieren ein paar dutzend Boote mit dem größten Teil der Marineangehörigen.


Doch nach wie vor gibt es die politische Hoffnung, wieder durch einen Korridor Zugang zum Pazifik zu erlangen. Deshalb unterhält der bolivianische Staat ein Frachtschiff, auf dem Angehörige der Marine dienen, damit die nautischen Kenntnisse der Hochsee nicht verloren gehen mögen. Dieser Frachter, die Libertador Bolivar, war ein Geschenk von Venezuela, hat seinen Heimathafen in Argentinien und verdient nebenher mit Warentransport ein paar Staatseinnahmen.

Eigentlich ist also die militärische Abteilung der "Marine" nicht wirklich sinnvoll. Nur drückt das Beibehalten dieser Institution (und auch der Besitz eines Hochseeschiffes) eben den unbedingten politischen Willen aus, irgendwann doch wieder direkt an die Weltmeere angeschlossen zu sein.

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