Maria Taylor im White Rabbit: Milka Vollmilch für die Ohren

Alexander Ochs

An einem kühlen Frühherbstabend den warmen Klängen von Maria Taylor zu lauschen – da kann man eigentlich nichts falsch machen. Eigentlich. Alex war gestern Abend im White Rabbit.



Richtig gut ist der Nicht-Hase im Stall: Unbunnys Mastermind Jarid del Deo, der einen sympathischen Wohnzimmer-Gig absolvierte. „This is one of a troika of songs that will surely put you to sleep.“ Im rötlichen Dämmerlich ist nicht viel von ihm zu sehen, aber was er stimmlich und mit Akustikgitarre präsentiert, ist allemal hörenswert: filigrane Songminiaturen in bester Singer/Songwritermanier, lo-fi-folkig, treffende Texte, mit zerbrechlicher Stimme vorgetragen, ganz Neil Young. Viel Melancholie. „I gonna play one more song and then I’m gonna go back there and cry”. Und viel Humor. Mehr Unbunny, bitte!


Anders Maria. Aus dem Meer von Singer/Songwriterinnen ragen nur wenige heraus. Und wer am Sonntagabend im White Rabbit bei Maria Taylor war, weiß auch warum. Nur wenige bringen tolles Songwriting, ansprechende Texte, musikalische Finessen und Bühnenpräsenz so unter einen Hut, dass das sprichwörtliche weiße Kaninchen in den Hasenstall herunterhoppelt und für einen Aha-Effekt sorgt. So war es eher der Aha-Affekt: Aha, statt Emotionen eher Affekt. Und alles sehr glattgebügelt.

Doch nicht beim Bügeleisen, sondern mit dem Händetrockner fängt alles an. Er rauscht in aller Seelenruhe, als das Duo Maria Taylor und Andy LeMaster startklar auf der Bühne steht. Erst als das ächzende Dröhnen verhallt ist, legen die Beiden los. Sehr verhalten mit einem ruhigen, fast intimen Song im Wohnzimmer White Rabbit, wo 50 bis 75 Zuschauer Sit-in-Atmosphäre verbreiten. Der Titelsong der für Januar 2009 zur Veröffentlichung anstehenden CD, „Ladyluck“, fängt einen in Zeitlupe ein (auf schlecht Deutsch: slow-mo-catchy), Andy haucht immer wieder ein zartes „Uhuhuuuuh“ zu den ohnehin sanften Klängen der zwei Gitarren. Kein Schmalz, sonder eher zarter Schmelz. Eine Packung Milka Vollmilch für die Ohren.

Im sehr ruhigen White Rabbit verbittet sich das niedliche, gecastet wirkende und reihenweise Ami-Klischees erfüllende Girlie die Gespräche, um den Song „A good start“ mit Konzentration rüberzubringen. Eigentlich komisch, heißt es doch im Song: „You're one with the echoes of conversation / You're one with the strangers you overheard.”



Es sind keine Indie-Folk-Pop-Perlen, sondern leichte und doch sehr ruhige Songs, die Maria Taylor und Andy LeMaster an diesem Abend etwas blutleer präsentieren. Das Runterbrechen der Songs auf das Allernötigste tut ihnen nicht gut, es ist kaum Fleisch am Knochen. Vor allem Miss Taylor geht einfach die Bühnenpräsenz ab. Da wünscht man sich mehr Nummern von Andy – oder gleich den Kristofer Åström dazu. Von dessen Qualität ist Maria Taylor, zumindest an diesem Abend, Lichtjahre entfernt.

Aus dem Meer der Melancholie ragt hin und wieder ein Anflug von Leben, Lebendigkeit und Lebhaftigkeit heraus, insbesondere bei den von Andy geschriebenen Songs. Auch stimmlich überzeugt er, der körperlich ein einziges dauerhaftes Wippen ist, wesentlich mehr als seine Partnerin. Aah, ein Hauch wonniger Wärme durchflutet den Hasenstall. Oder..? Ach, nein. Das war wieder nur der Händetrockner.

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