Mordfälle Freiburg/Endingen

Maria L. und Carolin G.: Ermittler prüfen Zusammenhang

Joachim Röderer

Auch drei Wochen, nachdem die Polizei den Tatverdächtigen festgenommen hat, schließen die Fahnder weiterhin nicht aus, dass Hussein K. auch im Fall der getöteten Carolin G. aus Endingen als Täter in Frage kommt.

Die Soko Erle sucht weiter nach dem Mörder von Carolin G. – die Ermittler werden dabei auch über die Weihnachtsfeiertage weiterarbeiten. Noch immer gibt es eine entscheidende Frage: Besteht zwischen den Mordfällen in Endingen und Freiburg ein Zusammenhang? Eine klare Antwort kann die Kripo noch nicht geben. Bei der Ausführung der Taten gibt es offenbar Parallelen. BZ-Informationen, dass der im Freiburger Fall Tatverdächtige Hussein K. Kontakte nach Endingen gehabt haben soll, dementiert die Polizei. Es gebe bislang keine entsprechenden Hinweise.


Der mutmaßlich 17 Jahre alte Afghane befindet sich seit drei Wochen in Haft, mittlerweile wurde er von der Justizvollzugsanstalt Freiburg ins Gefängniskrankenhaus Hohenasperg verlegt. "Er schweigt nach wie vor", sagte am Freitag auf Nachfrage die Freiburger Polizeisprecherin Laura Riske. Hussein K. gab der Kripo im Verhör auch keine Auskunft zu der Gewalttat in Griechenlande.

Ermittlerkreise: Parallelen bei der Tatausführung

Mit Hochdruck wird weiter ermittelt, ob der junge Flüchtling auch als Täter im Mordfall Carolin G. in Frage kommt. Die Fahnder schließen weiter nicht aus, dass sowohl die 19 Jahre alte Maria L. an der Dreisam in Freiburg als auch drei Wochen später die 27-jährige Joggerin in Endingen vom gleichen Täter vergewaltigt und getötet worden sind. Es gebe, so hört man aus Ermittlerkreisen, durchaus Parallelen bei der Tatausführung.

Und mehrere Quellen sprechen gegenüber der BZ davon, dass es auch eine Verbindung von Hussein K. nach Endingen geben würde und er dort eine Sprachschule besucht habe – dies wird aber von der Polizei deutlich dementiert. "Zum jetzigen Zeitpunkt liegen uns keinerlei Hinweise vor", sagte Polizeisprecher Walter Roth. Mittlerweile sei ja das Foto des Verdächtigen in vielen Medien abgebildet gewesen, trotzdem habe es keine Zeugenmeldungen aus Endingen gegeben, denen Hussein K. im Bereich der Kaiserstuhlstadt aufgefallen wäre.

Noch keine Täter-DNA

Nach wie vor konnte im Fall Carolin G. keine Täter-DNA sichergestellt werden. Aber ähnlich wie beim Dreisam-Mordfall sind jedoch am Fundort der Leiche Gestrüpp, Zweige und Erdreich abgetragen und ins LKA nach Stuttgart gebracht worden: "Und zwar Unmengen an Material. Viel mehr als in Freiburg, weil die Fläche ja auch viel größer ist", sagt Polizeisprecher Roth.

Entsprechend aufwändig seien die Untersuchungen und entsprechend lange könnten sie dauern. Zur Erinnerung: In einem Brombeerbusch, der am Tatort an der Dreisam abgeschnitten und im Labor untersucht wurde, hatten die Kriminaltechniker ein einzelnen Haar gefunden, das zum Tatverdächtigen führte.

Profiler unterstützten die Soko mit einer Fallanalyse

Die Ermittlungen gehen in der Soko Erle weiter, selbst über die Feiertage. Ein Teil des 40-köpfigen Ermittlerteams wird zwar über Weihnachten eine Pause bekommen, ein Teil aber durcharbeiten, so Walter Roth. Die Polizei lässt nichts unversucht.

So ist bei beiden Fällen längst auch die Operative Fallanalyse des Landeskriminalamtes eingeschaltet worden. Diese Profiler sind Spezialisten, die beim Ermitteln zu Kapitalverbrechen langjährige Erfahrung aufweisen. Auch Psychologen gehören zum Team. Die Profiler versuchen den Tatort zu "lesen", um daraus wiederum Fallhypothesen zu ziehen. Parallel dazu gibt es eine Beratergruppe aus erfahrenen Soko-Leitern und Kriminaltechnikern, die von außen auf die Soko und deren Arbeit schaut und diese berät.

Hilfe aus der Bevölkerung

Die Ermittler sind zur Lösung des Falls weiter auf die Hilfe der Bevölkerung angewiesen. Im Fall Carolin G. hatte die Polizei zuletzt nach einem silbernen Auto, das am Tattag mit offener Heckklappe in der Nähe des Bestattungswaldes stand, gesucht – und nach einem jungen Mann, der in Baggyjeans und Hoodie zwischen Bahlingen und Endingen unterwegs war. Sowohl zum Auto als auch zu dem jungen Mann gab es einige Hinweise. Im Freiburger Fall hatte die Polizei noch zwei Radfahrerinnen als Zeugen gesucht, die sich aber bislang noch nicht gemeldet haben.

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