Langzeit-Vermisstenfall

Maria H. war wohl mehrere Jahre alleine unterwegs

Joachim Röderer

Die am Freitag nach mehr als fünf Jahren wieder aufgetauchte Maria H. könnte mehrere Jahre alleine unterwegs gewesen sein – ohne ihren Begleiter Bernhard H., nach dem weiter gefahndet wird.

In dieser Woche will die Polizei Maria H. erstmals vernehmen. Die heute 18-Jährige war am Freitag überraschend wieder aufgetaucht, nachdem sie sich zuvor aus Mailand bei ihrer Familie gemeldet hatte. Die junge Freiburgerin war im Mai 2013 mit dem 40 Jahre älteren Familienvater Bernhard H. untergetaucht, mutmaßlich freiwillig. Nach H. wird weiter europaweit per Haftbefehl wegen Kindesentziehung und sexuellem Missbrauch von Kindern gesucht.


Nach ersten Erkenntnissen der Polizei ist es aber möglich, dass sich Maria H. und ihr Begleiter schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt getrennt haben und das Mädchen danach mehrere Jahre alleine unterwegs gewesen ist. Genauere Informationen, auch zu dem gesuchten Mann, erhofft sich die Kripo aus den weiteren Aussagen, die in den kommenden Tagen erwartet werden.
Die Mutter der vor fünf Jahren verschwundenen Maria hat den Glauben an eine Rückkehr nie aufgegeben – jetzt ist die inzwischen 18-Jährige wieder aufgetaucht. Ihr 58-jähriger Begleiter wird weiterhin per Haftbefehl gesucht. Mehr dazu

Marias Vater Markus H., der in der Ortenau lebt, hat der Lippischen Landes-Zeitung in Detmold gesagt, dass er vergangene Woche nach fünfeinhalb Jahren das erste Lebenszeichen seiner Tochter erhalten habe. Maria habe sich bei ihm über Facebook gemeldet. "Wir haben drei Tage hin und her gemailt - und dann schrieb sie, dass sie nach Hause kommen möchte", berichtet Markus H. der Zeitung.

Weil es ihm gesundheitlich schlecht ging, hätten gute Freunde von ihm Maria in Mailand abgeholt. Sie hatte dort dann wie vereinbart am Busbahnhof gewartet. Die 18-Jährige ist seit Freitag bei ihrer Mutter Monika Beisler in Freiburg.

Monika Beisler hatte am Freitagvormittag die Rückkehr der Langzeit-Vermissten mit einer Nachricht bei Facebook öffentlich gemacht. Am Montag bedankte sie sich an gleicher Stelle für die große Anteilnahme. "Maria liest hier mit und ist zu Tränen gerührt", schrieb sie. Und weiter: "Es geht ihr gut, seid unbesorgt. Auch wenn die letzten fünf Jahre Spuren auf ihrer Seele hinterlassen haben." Sie bittet um Zeit, damit die Familie wieder den Boden unter die Füße bekomme.

Sie warnte auch vor falschen Nachrichten, die verbreitet würden – von "eingebildeten, oder nur dem Namen nach Angehörigen", von vermeintlichen Freunden. Informationen und Interviews würden ausschließlich durch die Kripo und, in Absprache mit Maria, durch sie als Mutter öffentlich gemacht, so Beisler.