Marcel-ist-reif.de: Der Kommentator im Wohnzimmer

Martin Herceg

Wen bei einem Fußballspiel der Kommentator nervt, der kann ihn jetzt austauschen - oder gleich mit sich selbst ersetzen. Auf der Website Marcel-ist-reif.de darf jeder in die virtuelle Kommentatorenbox und beweisen, dass er besser ist als Reif, Réthy oder von Thurn und Taxis:



Der konkrete Ablauf ist simpel: Fußballspiel im TV auswählen und den Fernseher auf lautlos stellen. Danach auf Marcel-ist-reif.de klicken, kurz registrieren und entscheiden: selber kommentieren oder nur zuhören. Wählt man „Zuhören“, kann man auf ein reichhaltiges Angebot an Live-Kommentaren zugreifen.


„An Champions-League-Tagen haben wir derzeit um die 30 Kommentatoren und weit über 1000 Hörer“, erklärt Moritz Eckert, der die Seite zusammen mir Wendelin Hübner vor einem Jahr ins Leben gerufen hat. Live-Kommentare werden in verschiedenen Dialekten angeboten – von Sächsisch über Fränkisch bis hin zu Schwiizerdütsch ist alles vertreten.

Nur wenigen Hobby-Reportern auf Marcel-ist-reif.de gelingt jedoch dabei der Spagat zwischen Humor und Fachwissen. Oft ist nur Gestotter, hysterisches Gekreische oder das große Schweigen zu vernehmen. Deshalb gilt die Regel: entweder richtig witzig oder richtig seriös. Auf der Suche nach richtig seriösen und wortgewandten Kommentatoren, die eine gute Show abliefern, helfen die Bewertungen anderer User und die Anzeige der bisherigen Zuhörer.

Wer den Kitzel einer Live-Kommentierung am eigenen Leib spüren will, muss auf jeden Fall selbst einmal kommentieren. Was simpel erscheint, ist dann, wenn die Übertragung beginnt, plötzlich gar kein leichtes Unterfangen mehr. In Sekundenschnelle zu erkennen, wer gerade den Ball wem zugespielt hat, wie die taktische Ordnung auf dem Spielfeld aussieht oder wie der Name des litauischen Verteidigers richtig ausgesprochen wird, ist ohne Vorbereitung ein Knochenjob.

Auf die Grimme-Award-Nominierung in der Kategorie Kultur und Unterhaltung ist man bei Marcel-ist-reif.de besonders stolz. „Wir sind ja nur indirekt publizistisch aktiv, stellen eine Plattform ohne viel Redaktionelles, da ist eine Grimme-Nominierung schon eine fette Sache“, sagt Eckert.

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[Bild: Promo]