Marc Wilkins, der Palastretter

Markus Hofmann

Zu DDR-Zeiten war der Palast der Republik in Berlin Erich Honeckers Empfangstube für die Politik- und Kulturprominenz aus aller Welt. Hier hat seinerzeit auch die Volkskammer getagt. Mitte Januar soll das asbestverseuchte Prunkgebäude abgerissen werden. Der Freiburger Filmregisseur Marc Wilkins will das verhindern. Er hat eine Initiative ins Leben gerufen, die den Palast vor dem Abriss retten möchte.



Wie kommt's, dass ausgerechnet ein Freiburger ein DDR-Denkmal in Berlin vor dem Abriss retten will?



Marc Wilkins:
Ich bin in Freiburg zur Schule gegangen und im Herzen Freiburger. Inzwischen lebe ich aber in Berlin und fühle mich dort zu hause. Dort ist Geschichte an jeder Ecke zu spüren. Ich persönlich liebe Geschichte, vor allem wenn sie unbequem ist. Und der Abriss des Palasts der Republik wäre ein Schlag gegen die Identität meiner Heimat.

Wofür steht der Palast der Republik?

Marc Wilkins: Der Palast ist ein Zeitzeugnis für die junge deutsche Geschichte, in der Berlin immer ein zentraler, oft auch düsterer Mittelpunkt war: während der beiden Weltkriege, als absolute Symbolisierung des kalten Krieges durch den Mauerbau, aber auch als Symbol für das Ende des kalten Krieges mit dem Fall der Mauer. Dafür steht Berlin. Der Palast ist dabei für mich ein ganz wichtiges Zeitdokument...

...das aber auch eine kommunistische Diktatur symbolisiert.

Marc Wilkins: Jede Stadt hat ihr Gesicht, ihre Falten und Narben, aber auch ihre strahlenden Augen. Das sind die Gebäude dieser Stadt, die von ihrer Geschichte zeugen. Der Palast der Republik ist ein ganz wichtiger Teil dieser Teilungsvergangenheit. Ich finde: Deutschland darf seine junge Vergangenheit nicht vergessen. Keine Frage: Der Palast war das Propagandainstrument eines diktatorischen Regimes, das ganz viel Geld verschlungen hat. Deswegen hat man ihn ja auch Ballast der Republik genannt. Ich möchte das überhaupt nicht verharmlosen.

Wie sieht der Palast aus? Beschreibe ihn!

Marc Wilkins: Der Palast der Republik ist ein kubischer 70er-Jahre-Bau. Eigentlich ziemlich geil, komplett aus goldenem Glas. Die umliegenden Gebäude haben sich in diesem Glas gespiegelt, ebenso die Sonne, die hinter dem Brandenburger Tor untergegangen ist. Heute aber ist der Palast eine herunter gekommene Ruine. Trotzdem wäre der Abriss astronomisch teuer, weil 22.000 Tonnen Stahl auseinandergeschweißt werden müssten. Für dieses Geld könnte man das Gebäude richtig schön sanieren, so dass es wieder richtig frisch aussieht.



So wie du den Palast beschreibst, könnte er eine tolle Location sein für die Berliner Klub- und Szenekultur.

Marc Wilkins: Da kann alles rein! Wir haben im Palast so tolle Partys gefeiert. Es sind dort so tolle Theaterstücke performt worden, und es gibt so viel Galeriefläche. Der Palast der Republik könnte eine ganz wichtige Ausstellungshalle für die internationale Kulturszene sein. Du könntest darin aber auch ein Restaurant einrichten oder ein Jugendhotel. Meine eigene Vision ist: Der Palast der Republik soll ein Ort für junge Kultur sein, und zwar bewusst international ausgerichtet. Eine Art Antenne in der internationalen Kulturszene.

Welche Chancen habt ihr mit eurer Initiative?

Marc Wilkins: Das ist eine Berg und Talfahrt. An manchen Tagen denken wir: So eine Scheiße, die anderen sind einfach übermächtig. An anderen Tagen jubeln wir und denken, wir haben es geschafft. Mitte Januar wird der Bundestag nochmals das Palastthema besprechen. Entweder wird er dann ein Moratorium aussprechen und den Abriss verschieben. Oder es wird dann sofort mit dem Abriss begonnen.

Mehr dazu:

  • Marc Wilkins (29) ist in Freiburg aufgewachsen und hat dort die Freie Walorf Schule in St.Georgen besucht. Heute lebt und arbeitet er als Regisseur und Werbefilmer in Berlin.
  • Als Regisseur hat Marc zwei Videos für DJ Thomilla produziert. Die Videos sind im Netz zu finden auf der Homepage von Marc Wilkins (unter "Film").