Mann wegen Mord an Stieftochter zu lebenslanger Haft verurteilt

Peter Sliwka

Lebenslange Freiheitsstrafe – so lautet das Urteil des Freiburger Landgerichts für einen 43-Jährigen. Der Mann hatte im Herbst seine Stieftochter in einem Kosmetikgeschäft in Freiburg erschossen.



Den gewaltsamen Tod einer 21-Jährigen durch drei Schüsse ihres Stiefvaters hat die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Freiburg am Donnerstagnachmittag mit einer lebenslangen Freiheitsstrafe für den Täter geahndet.


Heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen, so die Vorsitzende Richterin Eva Kleine-Cosack in ihrer knapp 45 Minuten dauernden mündlichen Urteilsbegründung, habe der 43-jährige Angeklagte an jenem Spätnachmittag des 11. September 2015 gehandelt. Seine Stieftochter habe er wie ein Objekt benutzt, um sein verletztes Selbstwertgefühl zu heilen.

Der Rauswurf aus der Wohnung soll den Täter traumatisiert haben

Der Tat vorausgegangen war am 29. Juli 2015 ein Platzverweis durch die Polizei. Danach durfte der Angeklagte nach einem heftigen Streit, bei dem es auch zu Gewalttätigkeiten gekommen war, für vier Tage nicht mehr in die Familienwohnung in Herbolzheim. Dieser Rauswurf, so die Urteilsbegründung, habe beim Angeklagten ausweislich einer ärztlichen Untersuchung kurz nach den tödlichen Schüssen das Ausmaß einer posttraumatischen Belastungsstörung angenommen.

Für den Angeklagten, dem der psychiatrische Gutachter unter anderem eine narzisstische Persönlichkeitsstörung attestiert hatte, sei dieser Rauswurf eine enorme Kränkung gewesen. Hinzu komme, das er sich aufgrund seines kulturellen Hintergrunds - der 43-Jährige wurde in eine in Lörrach wohnenden türkische Familie geboren - in seiner Ehre verletzt gefühlt habe.

Seit dem Platzverweis, dem eine einstweilige Anordnung nach dem Gewaltschutzgesetz für ein halbes Jahr folgte, sei dem Angeklagten klar gewesen, dass sich seine Frau von ihm trennen wollte. Er habe jedoch in seiner Stieftochter fälschlicherweise die treibende Kraft für die Trennung gesehen. Eine Frau, darauf wies Eva Kleine-Cosack ausdrücklich hin, habe das Recht, sich von ihrem Mann zu trennen. Selbst dann, wenn sie dafür keine nachvollziehbaren Gründe nenne.

Mord aus Rache an der Ehefrau, die sich trennen wollte

Der Angeklagte aber, der sich im Gerichtssaal noch als prahlender Berufskrimineller auszugeben versuchte, habe diese Entscheidung seiner Frau nicht akzeptieren wollen. Er habe sich rächen wollen und aus Wut und Verärgerung über seine Situation seine Stieftochter töten wollen.

Im Wissen um die Wehr- und Arglosigkeit seiner Stieftochter, die nicht damit gerechnet hatte, dass er sie an ihrem Arbeitsplatz angreifen werde, habe er das Geschäft betreten und innerhalb von 30 Sekunden zielgerichtet aus nächster Nähe drei Schüsse auf ihren Oberkörper abgefeuert. "Wer das tut will töten", begründete Kleine-Cosack den direkten Tötungsvorsatz des 43-Jährigen. Für eine irgendwie geartete Verminderung der Schuldfähigkeit hat das Gericht, wie auch der psychiatrische Gutachter, keinerlei Anhaltspunkte gefunden.

"Der Anlass und die Tat stehen in einem krassen Missverhältnis. Der Angeklagte wollte seine Stieftochter bestrafen. Es war eine reine Machtdemonstration." Mit diesen Worten begründete die Vorsitzende Richterin das Mordmerkmal der niedrigen Beweggründe aus, deren Vorliegen die Richter am Ende der fünftägigen Beweisaufnahme angenommen haben.

Die vom Staatsanwalt geforderte besondere Schwere der Schuld hat das Gericht nicht bejaht. Die sei zum Beispiel auszusprechen, wenn mehrere Menschen ermordet worden wären, oder ein Wohnhaus zur Verdeckung einer Straftat angezündet worden wäre. Allein die Motivation eines Täters dürfe als Begründung für die besondere Schwere der Schuld nicht herangezogen werden. Gegen das Urteil kann binnen einer Woche Revision eingelegt werden.

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[Archivfoto: Rita Eggstein]