Mann schlägt Alpha-Schwänin Emma im Seepark tot

Simone Lutz

Er packte sie am Hals und schlug ihr mit der Faust gegen den Kopf: Anfang Juli hat ein Mann eine Schwänin im Seepark so schwer mißhandelt, dass das Tier danach verendete.



Emma, die Schwanendame vom Flückigersee, lebt nicht mehr. Ihr Schwanengefährte Papa und die drei Jungschwäne müssen jetzt allein klarkommen. Emma starb Anfang Juli – nachdem ein Besucher des Seeparks sie am Hals gepackt und mit der Faust auf den Kopf geschlagen hatte.


Der Vorfall soll sich am 4. Juli ereignet haben

"Erst dachten wir, sie sei an Bakterien gestorben", sagt Sonja Thomas, die zum Freiwilligen-Team der Schwanenbetreuung am Flückigersee gehört. Zusammen mit der Feuerwehr hatte sie den leblosen Tierkörper aus dem See geholt. "Doch im Tierhygienischen Institut stellte man nichts fest. Dann hat sich eine Augenzeugin gemeldet." Die hatte beobachtet, wie am 4. Juli ein Mann mit einem Kind am Ufer auf Höhe der Gaststätte "Lago" saß. Als die Schwanenfamilie sich näherte, griff der Mann die Schwänin brutal an. Höchstwahrscheinlich ist sie einen Tag später an den Verletzungen verendet.

Dem Schwanenbetreuungsteam macht Emmas Tod zu schaffen. Sie sei sanft gewesen, habe nicht gebissen oder gefaucht. "Ich bin gespannt, ob sich Papa ein neues Weibchen nimmt", meint Brigitte Hilpert, die schon lange als Freiwillige hilft. Die acht Betreuerinnen und Betreuer kümmern sich zum Teil seit Jahren um die Schwäne.
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Schwäne auf dem Flückigersee, das ist eine Geschichte für sich. Zur Landesgartenschau 1986 hatte die Stadtverwaltung zwei Schwanenpaare auf dem See angesiedelt, die sich unkontrolliert vermehrten. Das tat weder dem See noch den Tieren gut: Vor der Jahrtausendwende zählte man bis zu 40 teils abgemagerte Schwäne auf dem zehn Hektar großen See – viel zu viele, da die Tiere wegen ihres Revierverhaltens fünf Hektar für sich brauchen. Und: Der See war völlig überdüngt, auch vom Brot, das mitleidige Seeparkbesucher den Tieren zuwarfen.

Die "Alphaschwäne" auf dem See werden gezielt gefüttert – damit sie andere Schwäne vertreiben

Daraufhin gründete sich im Rahmen des Bürgerprojekts Flückigersee die Arbeitsgemeinschaft Wasservögel, die das "Modellprojekt Alphaschwäne" in Angriff nahm: Ein oder zwei Schwanenpaare werden mit gesundem Futter versorgt, das sie so stark macht, dass sie alle anderen Schwäne vertreiben. "Das funktioniert bis heute", sagt Ralf Hufnagel von der Ökostation. Stadt und Ökostation leisten dem Erfolgsprojekt dabei organisatorische und finanzielle Unterstützung.

In diesem wie in den vergangenen Sommern waren Emma und Papa die Alphaschwäne, die mit ihren Jungen auf dem See lebten. Sie hatten mehr Stress als sonst, denn es kamen wegen des heißen Wetters enorm viele Badegäste. Auch das Äsen in den Wiesen am Uferrand wurde fast unmöglich. Sonja Thomas appelliert deshalb an alle Seepark-Besucher: "Man sollte Abstand von den Schwänen halten, auf Kinder aufpassen, die Tiere nicht füttern und Hunde anleinen – einfach Rücksicht nehmen."

Jetzt hat die tödliche Attacke auf Emma die Schwanenbetreuer erzürnt. Sie haben Anzeige erstattet.

Schwanenbetreuung

Wer den Vorfall beobachtet hat oder aber bei der ehrenamtlichen Betreuung der Schwäne helfen will, kann die Schwanenbetreuung per Mail kontaktieren unter sonninger@aol.com.

Inzwischen wurde bekannt, dass es eine erneute Attacke auf einen Schwan gab. Den Vorfall schildern die Kollegen der Badischen Zeitung:
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