Mordversuch

Mann für Messerangriff an Ampel zu sieben Jahren Freiheitsstrafe verurteilt

Peter Sliwka

Das Landgericht Freiburg hat einen 50-jähriger Mann wegen versuchten Mordes zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt. Er hatte den Beifahrer eines Autos an einer Ampel mit einem Messer attackiert.

Drei Messerstiche in die Brust des Beifahrers eines Autos, das am 31. Mai 2017 an einer roten Ampel am Rotteckring hielt, waren nicht nur eine gefährliche Körperverletzung, sondern auch ein heimtückischer Mordversuch. Davon ging die Schwurgerichtskammer in ihrem Urteil am Montag aus und hat den Täter, einen 50-jährigen in Freiburg lebenden Kurden, zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt.


Der Angeklagte hatte den Tötungsvorsatz verneint

Zu den Stichen mit einem Springmesser mit einer acht Zentimeter langen Klinge hatte sich der Angeklagte bekannt. Allerdings habe er nicht töten, sondern nur verletzen wollen. Er gab an, von dem Mann zuvor beleidigt worden zu sein. Mehrere Augen- und Ohrenzeugen hatten jedoch keinen Wortwechsel wahrgenommen. Sie hatten vielmehr beobachtet, wie der von hinten an das Auto heranlaufende Mann sofort zugestochen habe, als er das offene Beifahrerfenster erreicht hatte. Sie hatten auch gesehen, wie der Angreifer durch das bei Rot durchstartende Auto vom Fenster weg zur Seite geschoben wurde und sich Richtung Innenstadt trollte.

Passanten hatten die Verfolgung aufgenommen, das Handy am Ohr und mit der Polizei verbunden. Beim Stadtpark wurde der Täter von der Polizei erwartet, er ließ sich widerstandslos festnehmen. Das Messer hatte der Mann zuvor in einem Brunnen gereinigt und in ein Gebüsch geworfen.

Das Opfer war ein Bekannter seiner Ex-Frau

Am Steuer des Wagens hatte die seit Februar 2017 von dem Angreifer in der Türkei geschiedene Frau und Mutter der fünf gemeinsamen Kinder gesessen. Auf dem Beifahrersitz ein 36-jähriger Bekannter, den sie bei der Scheidung in dem türkischen Gericht kennengelernt hatte. Er war bereits am 21. Mai 2017 nach Freiburg gekommen und in eine Ferienwohnung gezogen. Die Richter gehen davon aus, dass die geschiedene Frau des Angeklagten vor der Tat ein Mal dort übernachtet hatte. Die Vorsitzende Richterin Eva-Kleine-Cosack zeichnete von ihr das Bild einer sich sowohl beruflich als auch privat vom Angeklagten emanzipierenden und emanzipierten Frau.

Die Ehe sei vor 25 Jahren in der Türkei vereinbart worden, die Frau habe den Mann vorher nicht gekannt. Ob er sie tatsächlich gekauft habe, habe für das Urteil und die Strafe keine Rolle gespielt, so die Richterin. Ebenso wenig die Frage, ob die Frau und der Bekannte nach der Scheidung eine Beziehung gehabt hätten oder nicht. Beide hatten das verneint. Für das Gericht zählte, dass der Angeklagte davon ausgegangen sei, dass seine ehemalige Frau einen Freund habe. Denn er habe in der Wohnung Notizen mit Flugverbindungen gefunden.

Am Tattag habe der Angeklagte versucht, den Mann ausfindig zu machen. Als er das Auto mit seiner Frau am Steuer und einem Unbekannten auf dem Rotteckring entdeckt habe, sei er ihm "allermindestens 30 Meter in gebückter Haltung mitten auf der Straße hinterhergelaufen". Er habe während des Rennens sein Springmesser aufgeklappt und bei Erreichen des offenen Beifahrerfensters unmittelbar auf den arg- und wehrlosen Mann einzustechen begonnen. Dass der 50-Jährige den 36-Jährigen töten wollte, beweisen für das Gericht die Stiche in die Brust. Tatsächlich habe der Verletzte nur durch eine sofortige Notoperation gerettet werden können.

Gegen das Urteil kann binnen acht Tagen Rechtsmittel eingelegt werden.

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