Manfred Groove hat einen 46 Minuten langen Hiphop-Track gemacht

Marius Notter

Ein Album, das aus einem einzigen Song besteht: Manfred Groove aus Freiburg liefern den 46 Minuten langen Track "Von Nichts" ab - mit 1000 gerapptem Bars, also 1000 gereimten Zeilen. Ein Rap-Monolog, in dem gepöbelt, philosophiert und sinnfrei geflowt wird:



Der 8500 Wörter starke Track teilt sich in zehn Parts auf. Jeder Part orientiert sich an einem  Thema; Rapper Milf Anderson nennt sie unter anderem "Vom Anfangen", "Von der HipHop-Szene", "Vom Wesen des Sein" und "Vom Ichsein".


Der Text dreht sich um alles und nichts - die Krim, Liebe, Geld, Gesellschaft, Hipster und seinen Sack - der 46-Minuten-Track ist praktisch ein Rundumschlag. Damit unterscheidet er sich auch deutlich von ähnlichen Projekten wie den 700 Bars von Eko Fresh, der seine Rap-Karriere in 30 Minuten Revue passieren lässt.

Einmal hören reicht  nicht. Dazu wird zu viel gesagt, mit wenig Pausen. Denn "Von Nichts" ist ein komplettes Rap-Album in einem Track. Praktisch der Versuch, ein thematisches Konzept, das sich um verschiedene Themen dreht, in einen Fluss aus Wort und Beat zu packen. Wer also keinen Bock auf gesellschaftskritischen Rap hat, muss ein bisschen vorspulen.

"Von Nichts" schaltet direkt den Kopfnick-Modus an

Style- und Sound-technisch bewegt sich "Von Nichts" ganz klar im Oldschool-Bereich - und schaltet direkt den Kopfnick-Modus an. "Nichts ist heilig, nur der Schein, / Yeah, back to the Oldies!" Kommentiert ein User auf Soundcloud. Er trifft es damit auf den Punkt. Von Wie-Vergleichen, wechselnden, zum Teil unreinen Reimformen, bis hin zur Wortwahl: Alles erinnert an die gute alte deutsche HipHop-Musik, steht ihr qualitativ aber in nichts nach.

Endlose Mutterfick-Hasstiraden sind hier nicht zu hören. Zum Teil kommt man beim Zuhören hier und da ins Straucheln, denn Milf Anderson drückt sich in einigen Passagen philosophisch und vertrackt aus. Ständige Flow-Wechsel und einige Double-Time-Passagen lassen den Inhalt an manchen Stellen in den Hintergrund und die Rap-Technik des Rappers in den Vordergrund rücken.

Die Oldschool-Beats sind etwas Nostalgie-geladen aber genial, denn die Drumloop, der Rhythmus bleibt durchgehend gleich, während sich der Beat-Sound und die Melodie im Laufe der Dreiviertelstunde verändert. Das macht diesen 46-Minuten-Track erst zu einem Track, denn würde sich die Beat-Struktur zu jedem Part ändern, währe es eher ein Mixtape.

An Komplexität nur schwer zu überbieten

Ansonsten kreiert der Beat-Produzent Yellow Cookies ein abwechslungsreiches Klang-Kunstwerk: Mal eine trockene Kickdrum und knallende Hi-Hat, dann ein brummender Bass, funky Gitarren und Synthie-Samples. Doch egal, wie sich der Beat verändert, er läuft ins Ohr. Man fühlt an einigen Stellen zurückversetzt in die späten 90er, beziehungsweise Anfang der 2000er Jahre. Zu der Zeit feierten HipHopper wie Fettes Brot, Umse und Blumentopf ihre Erfolge.

Dieser Album-Track braucht Zeit; nach zwei-, dreimal hören, findet man sich in ihm gut zurecht. An Komplexität ist dieser Rap-Monolog jedenfalls nur schwer zu überbieten.



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  • fudder: http://fudder.de titel="">Badische Bandnamenkunde: Manfred Groove
[Foto: Promo]