"Man spielt nicht mehr nur zum Spaß", ein Interview mit den Machern hinter Freiburgs größtem E-Sport-Clan

Matej Snethlage

Die Freiburger Jerome Specht, Simon Voss und Stefano Rinaldi wollen mit ihrem Clan "Tigers-Roar" bald ganz oben beim E-Sport mitmischen. fudder hat mit ihnen über die Freiburger Szene und die Professionalisierung des Sports gesprochen.

fudder: Was macht eigentlich ein E-Sport Clan?

Jerome: Ein E-Sport Clan ist wie ein normaler Sportverein, nur im Internet. Manche Teams machen das nur aus Spaß und dann gibt es solche wie uns, die auch Ambitionen haben, an großen Turnieren teilzunehmen und sie zu gewinnen.
Stefano: Wir coachen und unterstützten Sportler um sie erfolgreicher und besser zu machen, dafür spielen sie auf großen Turnieren mit unserem Namen.

Was hat man überhaupt davon, einem Clan beizutreten als Spieler?

Stefano: Man hat dann die Möglichkeit Teil eines großen Ganzen zu sein. Man spielt nicht mehr nur zum Spaß, sondern sieht die Sache ernster an und hat als Ziel E-Sport hauptberuflich zu machen. Das ist dann wie im normalen Job, man trainiert täglich 8 bis 10 Stunden. Ohne Clan muss man alles aus eigener Tasche zahlen und selbst organisieren. Anfahrt, Hotel, das summiert sich alles. Da können die Kosten ganz schnell sehr hoch werden. Ohne reiche Eltern im Rücken wird es ganz schwer das zu finanzieren.

Rentiert sich euer Clan aktuell?

Jerome: Ja, wir finanzieren zwar alles selbst, ohne Sponsor, aber wir kommen grob gesagt bei einer Nullbilanz heraus. Aber wir machen das nicht um Geld zu verdienen, sondern aus Leidenschaft und der ganze Rest kommt dann automatisch. Wenn du keine Leidenschaft hast, kannst du noch so sehr versuchen Geld zu verdienen, du wirst nie vorankommen.

Gibt es in Freiburg noch andere E-Sport-Clans?

Simon: Es gibt noch einen: "Black Forrest eSports". Aber die sind noch nicht in der Größe, die wir aktuell haben; wir sind in Freiburg die größte E-Sport Organisation. Aber das Verhältnis ist sehr kooperativ, wir haben manchmal zusammen Trainings, man gibt sich gegenseitig Tipps.

Die E-Sport Szene erfährt seit einigen Jahren einen extremen Hype. Gibt es aber immer noch einen Zuwachs?

Simon: E-Sport ist jetzt erst im Kommen. Zum Beispiel bei FIFA gibt es erste professionelle Vereine wie VFB Stuttgart oder Schalke 04, die talentierte E-Sportler einkaufen. Man kann mit E-Sport inzwischen richtig viel Geld verdienen, das merken jetzt auch etablierte Vereine.

Jerome: Der Hype ist noch lange nicht vorbei. E-Sport ist in Deutschland größer als Basketball. Die Szene wächst immer weiter und gerade die kommende Generation wächst auch noch in den Sport rein.

Habt ihr durch den ganzen Hype auch großen Andrang?

Jerome: Obwohl es viele super Spieler gibt, nicht so sehr. Die meisten Spieler sind nicht ambitioniert genug, um den Sport professionell auszuüben – wie eigentlich bei jedem anderen Sport auch. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es viele sehr gute Spieler mit verdammt viel Potenzial gibt, denen nur die Motivation fehlt.

Wie ist eure Beziehung zu klassischen Sportarten?

Stefano: Die meisten denken noch, E-Sportler sind diese Nerds mit dicker Brille, die sich im dunklen Keller verkriechen. (lacht) Aber wenn man sieht, dass Turniere schon im Fernsehen live gestreamt werden, merkt man, dass alles viel professioneller abläuft. Es gibt wie im Fußball große Vereine und eben auch Profisportler.
Jerome: Es gibt ja schon Fußballvereine wie Paris St. Germain, die E-Sport professionell aufziehen. Damit werden ganze Stadien gefüllt, die Zuschauermassen sind riesig.

Wie sehen die E-Sport Ambitionen vom SC Freiburg aus?

Jerome: Mit dem SC Freiburg sind wir momentan im Kontakt, ob die Interesse haben mit uns als Partner in den Sport einzusteigen. Gerade in FIFA, was ja auch im Interesse von einem Fußballverein ist, haben wir einen sehr ambitionierten Spieler.

Wie ist denn der E-Sport Standort Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern?

Jerome: In Deutschland ist die Szene natürlich auch am Wachsen, aber noch lange nicht so groß wie in Südkorea. Dort gibt es ganze Akademien nur für talentierte E-Sportler, und auch sonst wird alles noch mal viel professioneller aufgezogen.

Was sind eure Ziele mit "Tigers-Roar"?

Simon: Die Ziele sind ganz klar definiert. Wir wollen in den nächsten drei bis vier Jahren zu den größten Clans Deutschlands gehören. Uns sollen nicht nur 1.000 Leute kennen, sondern 100.000.

Und wie weit seid ihr damit aktuell?

Stefano: Aktuell kann man sagen, dass wir in Freiburg bekannt sind. Du hast uns ja auch gefunden. (lacht).
Jerome: Also man kennt uns schon, gerade durch die "ESL" und die "99 damage league" – beides Ligen im E-Sport-Bereich.
Simon: Wir machen ja auch viel Werbung. Auf Facebook machen wir etwa immer kleine Gewinnspiele, damit man sieht, dass wir auch was mit der Community machen. Dazu noch jede Woche paar Posts raushauen und aktiv bleiben.
Jerome: Wir machen auch Spieleabende mit unserer Community. Wenn man den Kontakt pflegt und der Community immer wieder was zurückgibt, dann wächst man zusammen.
Über "Tigers Roar"

Den E-Sport-Clan gibt es seit 2017 und will sich in Spielen wie Counter Strike Global Offensive, League of Legends oder FIFA deutschlandweit etablieren. Sie spielen bisher in den Online-Ligen "99 damage" und der "ESL". Hinter dem Clan stecken unsere Interviewpartner Stefano Rinaldi (21), Jerome Specht (23) und Simon Voss (25).