"Man konnte nirgendwo Hund essen": Was man als Schüler-Praktikant in China erlebt

Corinna Mühlbeyer

Einen Paris-Hilton-Hund als Snack zwischendurch und jede freie Minute wird Karaoke gesungen – solche Klischees haften China irgendwie immer noch an. Um das Land wirklich kennenzulernen, sind zwei Schüler aus Staufen für ihr BOGY-Praktikum nach China gereist. fudder hat die beiden getroffen sie gefragt, wie Karaoke auf Chinesisch geht:



Jonas und Hannes, ihr habt gemeinsam ein BOGY-Praktikum in China gemacht. Um mal mit einem Klischee anzufangen: Gab es tatsächlich Hund zum Mittagsessen?

Jonas: Das hat mich meine Familie auch gefragt! Tatsächlich haben wir dort nirgendwo Hund gegessen oder irgendetwas Verrücktes wie Schlange probiert.

Hannes: Ich habe auch nie gesehen, dass man irgendwo Hund essen kann.

Jonas: Wobei man in der Stadt in der wir gewohnt haben, schon alles isst, was vier Beine hat. (lacht)

Wie kommt man denn als Schüler in Staufen zu einem Praktikum in China?

Jonas: An unserer Schule gibt es schon seit mehreren Jahren eine Chinesisch-AG. Hannes und ich haben beide in der achten Klasse angefangen, Chinesisch zu lernen. Über die AG haben wir Schüler kennengelernt, die bereits über IKA ein Praktikum in China gemacht hatten. Die haben begeistert davon berichtet, vor allem auch wie viel ihnen das persönlich gebracht hat.

Hannes: IKA hat uns dann zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen und am Ende war schnell klar, dass wir das Praktikum bekommen. Vor Beginn des Praktikums waren wir dann auch ein paar Nachmittage bei IKA in Staufen und haben den Betrieb kennengelernt.

Jonas: Um eben auch nicht ganz unvorbereitet nach China zu fliegen und etwas über die Geräte zu wissen.

Im Rahmen eines Schüleraustausches seid ihr schon einmal zuvor drei Wochen in China gewesen. Wie war es denn, nun ein zweites Mal dorthin zu reisen?

Hannes: Beim Schüleraustausch nach Shanghai haben wir einige Eindrücke vom Schülerleben bekommen, aber nicht, wie es ist in China zu arbeiten und zu leben. Wir sind ja auch ganz alleine hingeflogen.

Jonas: Es ist ein ganz anderes Gefühl, nur zu zweit durch die großen Straßen mit den Wolkenkratzern zu laufen. Bei Nacht sieht man überall blinkende Lichter - solche Großstädte kennt man ja in Deutschland gar nicht. Es ist alles so überwältigend, dass man keine Zeit hat so etwas wie einen Kultusschock zu bekommen. Da überwiegt wirklich die Freude und die Abenteuerlust.

Wie sahen denn eure Tage in China aus?

Jonas: Die drei Wochen über haben wir in einem Hotel gewohnt. Um Viertel vor Sieben hat uns morgens immer ein Bus der Firma abgeholt, der durch die ganze Stadt fährt und alle Mitarbeiter einsammelt. Eine Stunde später sind wir dann im Gewerbegebiet angekommen.

In der Mittagspause gab es immer ein kostenloses Menü für die Angestellten. Wenn das Mittagessen vorbei ist, werden überall die Rollläden runter gelassen, die Lichter gehen aus und dann schlafen alle erst einmal eine halbe Stunde. Viele hatten in ihren Büros dafür auch ein Klappbett stehen. Dann ging es weiter mit der Arbeit, und gegen 17 Uhr mit dem Bus zurück ins Hotel.

Was habt ihr während eures BOGY-Praktikums in der Firma genau gemacht?

Jonas: Eine Woche lang waren wir in der Verwaltung, die restliche Zeit in der Produktion. In der Verwaltung haben wir Praktikumsflyer entworfen und Personalakten digitalisiert. Um Einblicke in den Produktions-Bereich zu bekommen, waren wir im Lagerhaus und haben etwa Leiterplatten gelötet.

Hannes und ich waren nie zusammen in den jeweiligen Abteilungen, dadurch hatten wir immer die Chance, Chinesisch zu sprechen und die Kollegen wirklich kennenzulernen. Bis auf den Chef sind ja alle Mitarbeiter Chinesen.

 

Dann habt ihr wirklich immer Chinesisch gesprochen?

Jonas: In der Produktion wurde ausschließlich Chinesisch gesprochen. In der Verwaltung konnten alle fließend Englisch, damit kann man sich einfach besser und schneller ausdrücken. Unsere Paten wollten auch oft mit uns Englisch sprechen, um ihre Sprachkenntnisse aufzubessern. Das haben wir dann auch gerne gemacht.

Was habt ihr an euren freien Wochenenden gemacht?

Hannes: Unsere Paten haben uns oft eingeladen, mit ihren Freunden und Familien etwas zu unternehmen. Wir waren dann zusammen Essen und haben die Stadt kennengelernt.

Jonas: Von der Firma aus gab es auch die Möglichkeit, Fußball und Badminton zu spielen. Es war spannend, dadurch einen Querschnitt der gesamten Firma zu sehen. Da hat wirklich Jeder gegen Jeden gespielt, egal ob es der Busfahrer oder der Finanzdirektor war. Manche Mitarbeiter haben auch ihre Kinder zum Sport mitgebracht.

Hannes: Und Karaoke-Singen waren wir natürlich auch.

Karaoke in China - wie funktioniert das?

Hannes: Das sind riesige Gebäude mit einzelnen Räumen, die man mieten kann. Auch ein Buffet gibt es dann meistens dazu. Wir haben dann mit unseren Mitarbeitern chinesische Lieder gesungen und mit ihnen zusammen gegessen.

Jonas: Das kostet natürlich auch erst mal Überwindung, aber die Räume sind ja zum Glück schalldicht. Da hört keiner, wie schief man singt. (lacht)

Was war denn euer schlimmstes Erlebnis in China?

Jonas: Also zum Thema schlimmstes Erlebnis fällt mir gleich etwas ein.

Hannes: Genau, an einem Morgen haben wir total verschlafen. 

Jonas: Als wir aufgewacht sind, haben wir schon den Firmenbus an unserem Hotel vorbeifahren sehen und wussten, wir sind zu spät.

Hannes:
Ich habe gleich in der Firma angerufen, und wir sind dann mit dem öffentlichen Bus zur Firma gefahren. Das war eine ganz schön lange Reise.

Jonas: Ja, zwei Mal sind wir umgestiegen. Dann haben wir uns auch noch verhört und sind eine Station zu früh ausgestiegen, im Gewerbegebiet kannten wir uns ja auch nicht aus. Das war schon ein Erlebnis.

Und euer schönstes?

Jonas: Der Karaoke-Abend vor unserer Abreise war wirklich sehr schön. Aber es hat eigentlich alles Spaß gemacht, was wir mit unseren Kollegen zusammen unternommen haben.

Hannes: An einem Abend haben wir mit unseren Mitarbeitern eine Boots-Tour gemacht. Die ganzen Lichter bei Nacht zu sehen, das war wirklich besonderes.

Jonas: Es gibt ja sehr viele Wolkenkratzer und Türme in China, wenn da von links und rechts die Lichter herunterprasseln, ist das schon einmalig.

Könnt ihr euch vorstellen, wieder nach Chinas zu reisen oder dort sogar für längere Zeit zu leben?

Hannes: Auf jeden Fall!

Jonas: Wenn man schon so lange Chinesisch lernt, macht das schon Sinn. China bleibt einfach ein unglaublich reizvolles Land für mich.  

Zu den Personen

Hannes Walzer, 16, ist Schüler des Faust-Gymnasiums in Staufen und hat durch den Chinesisch-Sprachkurs seiner Schule die Liebe zu China entdeckt. In seiner Freizeit spielt er Tennis, Fußball und Klavier.

Jonas Schmid ist ebenfalls 16 Jahre alt und Schüler am Faust-Gymnasium. Er engagiert sich an seiner Schule, hilft jüngeren Schülern bei den Hausaufgaben und ist Ministrant in Schallstadt.  

IKA in China, Guangzhou

Das Traditions-Unternehmen IKA wurde 1910 gegründet und hat seine Hauptsitz in Staufen bei Freiburg. Neben verschiedenen Standorten weltweit gibt es seit dem Jahr 2000 auch eine Tochtergesellschaft in der Nähe von Hong-Kong, in Guangzhou. IKA ist bekannt als Weltmarktführer für Labortechnik, sowie Dispergier-, Rühr- und Knetmaschinen.

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