MaLAHRia: Rap aus dem Lahrer Sumpf

Nicolas

"Ich hab keinen Bock mehr auf Schwachsinn in Raps, auf spastische Acts, die die Takte nicht treffen", rappt Nais Nois. Morgen haut er mit seinem Spezi Maximum One im DOG die erste eigene Scheibe raus. Nichts für christliche Familienväter.



„Maximum und Nais Nois, Lahr, Baby, Lahr“, dröhnt es aus den Boxen. Direkter geht es kaum. Ein Intro, das sofort zur Sache kommt. Das dem Hörer ohne Umschweife zeigt, was ihn erwartet. Nämlich das, was die Rapper Maximum One und Nais Nois in ihrer Heimatstadt erleben, verpackt in harten Texten über schwerem Beat. „MaLAHRia“ heißt ihr Album, das sie am Samstag im Universal D.O.G. präsentieren.


„Wir stehen in der HipHop-Szene für Lahr und bekommen von überall her Respekt. Kleinstadt, aber verdammtes Talent“, sagt Maximum One, im bürgerlichen Leben Max Eichner. Doch die jungen Rapper – beide sind Anfang 20 – zeichnen von ihrer Heimat ein düsteres Bild: Kriminalität, Drogen, ungewisse Zukunft, Tote im Bekanntenkreis. „Das ist Tagesprogramm, es kommt nur darauf an, was du sehen willst. Man kann stattdessen auch einfach nur auf die Chrysanthema gehen“, sagt Simon Dages alias Nais Nois.

Dick aufgetragen wird auch bei den anderen Themen, die das Album durchziehen. Die Tracks gehen ineinander über, erzählen Geschichten, etwa von einer exzessiven Party und dem Morgen danach. „The Bitch“ besteht aus pornographischen Hochgeschwindigkeitsversen zu hellem Trompeten- und Glockenspielklang. In dem Track „Rummelplatz“ beschreiben die beiden Rapper, wie sie einen solchen auseinander nehmen – wüste Gewaltphantasien, unterlegt von einer psychedelischen Orgel. Und auch die Kollegen bekommen ihr Fett weg. „Ich hab keinen Bock mehr auf Schwachsinn in Raps, auf spastische Acts, die die Takte nicht treffen“, rappt Nais Nois.



Der Hörer hat damit zwei Möglichkeiten, dieses Album zu interpretieren. Entweder nimmt er die Texte für bare Münze – dann bleibt ihm nur das pure Entsetzen. Oder aber er lässt sich auf die Übertreibung ein, auf die Lust, verbal alle Grenzen hinter sich zu lassen. Und dann amüsiert er sich prächtig. „Das ist Rap pur, drauf los, Bam! Leute, nehmt das nicht so ernst, wir machen Musik für die HipHop-Szene, nicht für christliche Familienväter“, sagt Maximum One und lacht. Austeilen, das gehöre nun einmal zum Rap, ergänzt Nais Nois – es gehe darum, den anderen mit Texten zu besiegen.

Doch dann sind da auch noch jene Verse, die eine ganz andere Seite offenbaren. „Ich kämpfe mit der Hand am Herz gegen den Zerfall im Kern“, rappt Maximum One in dem Track „Spieluhr“. Ein Kämpfer, der seinen Weg geht, allen Widerständen und inneren Qualen zum Trotz – immer wieder greift er dieses Motiv auf. Der nachdenkliche Track „Früher“ handelt von der Vergangenheit und der eigenen Entwicklung, im Leben wie in der Musik. „Rap ist ein Ventil, seit eh und je. Unsere Texte sind zum Teil übertrieben, weil wir Bock drauf haben, zum Teil aber auch tiefgründig – und immer ehrlich“, sagt Nais Nois.



Eigentlich sind sie beide Solokünstler. Aber seit sie sich vor drei Jahren über die Musik kennen gelernt haben, erzählt Maximum One, gehe es nur nach oben. Er tritt demnächst beim Finale eines großen bundesweiten HipHop-Wettbewerbs an, der SAE Jam Session, mit Raps aus seinem Solo-Set. Die Beats dazu hat Nais Nois programmiert, ebenso wie die meisten auf ihrem gemeinsamen Album. Doch egal was kommt, da sind sich die beiden einig – ihre Fanbase bleibt in Lahr: „Hier sind wir unzerstörbar.“

Mehr dazu:

MaLAHRia: MySpace
Web: Universal Dog
Was: Releaseparty mit Maximum One, Nais Nois und Kollegen
Wann: Samstag, 7. März, 21 Uhr
Wo: Universal Dog, Lahr