Interview

Magier Willi Auerbach zaubert bei der Weltmeisterschaft in Südkorea

Gina Kutkat

Der Freiburger Zauberer Willi Auerbach nimmt im Juli an den Zauber-Weltmeisterschaften in Busam in Südkorea teil. Er zeigt eine eigene Nummer in der Sparte Großillusion. Was seine größte Sorge ist, erzählt er im fudder-Interview.

Herr Auerbach, Sie nehmen im Juli an der Zauber-Weltmeisterschaft in Südkorea teil. Zaubern können Sie schon – wie bereiten Sie sich vor?

Ich nehme gerade Schauspielunterricht, weil wir in Korea eine Darbietung ohne Sprache zeigen werden. Da geht es viel um Ausdruck, und da ist bei mir noch viel rauszuholen. Bei den Shows in Deutschland habe ich die Sprache, die mir hilft, selbstbewusst aufzutreten. In Südkorea läuft dann alles über Mimik, Tanz und Musik – das sitzt aus noch nicht perfekt, da wir die Wettbewerbsnummer noch nicht so häufig vor Publikum gespielt haben. Ich lerne bei der Schauspielerin zum Beispiel, wie ich Pausen richtig setze. Bisher fehlte mir da noch die Gelassenheit.

"Worst Case ist natürlich, wenn wir am Ende ohne Requisiten da stehen."

Für Ihre Show benötigen Sie viele Requisiten. Handgepäck wird auf dem Flug nach Asien nicht reichen, oder?

Es sind nur drei Kisten, allerdings mit vielen Requisiten drin. Es handelt sich um 700 Kilo Gewicht, verteilt auf fünf Kubikmeter. Die Kisten werden per Luftfracht nach Südkorea gebracht, da der Seeweg zu viel Zeit beanspruchen würde. Zurück geht’s dann aber per Seefracht, da haben wir weniger Zeitdruck.

Wir fliegen zu dritt nach Südkorea: Meine Frau Elena, meine Assistentin Jenna Benos und ich. Vor Ort haben wir dann noch einen Techniker, der auch noch bei der Show mitmachen wird. Wir haben nur sechs bis acht Minuten Zeit, die schweren Requisiten auf die Bühne zu bringen und alles aufzubauen. Davor habe ich zur Zeit noch am meisten Bammel.

Was kann noch alles schief gehen?

Es gibt verschiedene Szenarien: Die Spedition kann Mist bauen. Worst Case ist natürlich, wenn wir am Ende ohne Requisiten da stehen. Vor Ort gibt es auch viele unberechenbare Dinge. Südkorea ist ein fremdes Land, sprachlich und logistisch gesehen. Akkus und Batterien dürfen wir zum Beispiel per Luftfracht nicht mitnehmen, die werde ich dort besorgen – das wird auch nochmal spannend.

"Ich habe drei Monate an der Nummer ’Rubics Cube Act’ gearbeitet, bis sie stand."

Sie werden mit einer Großillusion namens "Rubiks Cube Act" antreten. Was passiert da genau?

Ich lasse einen überdimensionalen, zuvor leergezeigten Zauberwürfel, bis zu zwei Meter in die Höhe schweben. Währenddessen erscheint meine zuvor verschwundene Assistentin im schwebenden Würfel. Das ist eine Innovation, so etwas gab’s noch nicht. Nachdem der Rubiks Cube wieder landet, wird er zerlegt und somit leer gezeigt. Die zuvor verschwundene Assistentin taucht kurz danach ganz hinten bei den Zuschauern wieder auf.

Was ist an der Nummer noch besonders?

Das ist eine selbst entwickelte Kreation, was mir ein bisschen Hoffnung gibt, dass die Jury auch das mitberücksichtigt. Ich habe drei Monate daran gearbeitet, bis sie stand. Die Idee entstand bei einem Gespräch mit einem befreundeten Zauberer. Seitdem habe ich sie immer weiterentwickelt. Man kommt als Zauberer nie an den Punkt, an dem man sagt, man ist fertig. Alles, was sich nicht weiterentwickelt, bleibt stehen. So ist es mit der Nummer auch.

"Mit unseren Flügen und dem Transport der Requisiten sind wir bei knapp 10.000 Euro."

Wie sieht der Trainingstag eines Zauberers aus?

Wir proben die Show durch, nehmen alles auf Video auf und besprechen sie dann. Teilweise auch mit Leuten von extern, zum Beispiel meiner Schauspiellehrerin oder jemandem aus dem Zauberfach. Die geben dann Tipps und Ideen. Wobei man aufpassen muss, dass nicht zu viele dazu kommen, weil sich die Meinungen dann schnell widersprechen. Da darf man sich nicht verrückt machen lassen.

Die Reise nach Südkorea ist nicht billig, auch die Teilnahme kostet Geld. Wer zahlt das?

Wir haben lange überlegt, ob wir das machen sollen. Mit unseren Flügen und dem Transport der Requisiten sind wir bei knapp 10.000 Euro. Das habe ich leider nicht auf dem Konto rumliegen. Es war von meinem Sponsor abhängig, ob wir es machen können. Zum Glück sponsert er einen Teil der Kosten.

Wenn man als deutscher Zauberer an solch einer WM teilnimmt, hat man da einen Favoritenbonus?

Deutschland hat eigentlich einen guten Ruf, was Zauberei angeht. Es teilt sich ein bisschen den Ruhm mit Ländern wie Amerika, Frankreich und England. Die Asiaten sind natürlich extrem stark,vor allem die Koreaner sind gut in der Kategorie Manipulation. Das sind die Zauberer, die beispielsweise Karten aus der Luft greifen. In der Sparte Großillusion treten dann eher Teilnehmer aus Amerika, Südamerika und Europa an. Für uns ist es gut, dass es nicht so viele Mitbewerber in unserer Sparte gibt. Wer allerdings genau gegen uns antritt, weiß ich leider noch gar nicht.

"Als Preis gibt es wahrscheinlich nur einen feuchten Händedruck und einen Pokal."

Wie wird denn ermittelt, wer Zauber-Weltmeister wird?

Es gibt bei der WM sechs verschiedene Sparten, die jeweils einen Gewinner hervorbringen können – es muss aber nicht immer einen Gewinner geben. Die Jury vergibt nach jeder Show Punkte. Derjenige, der von allen Kategorien die höchste Punktzahl hat, ist dann der Grandprix-Gewinner. Als Preis gibt es wahrscheinlich nur einen feuchten Händedruck und einen Pokal. Es ist aber auch nicht unsere Intention, da ein Preisgeld abzuräumen.

Sondern?

Ich sehe es als Chance, dass andere Teilnehmer meine Tricks sehen und somit vielleicht der ein oder andere neue Kontakt zustande kommt. Es ist das größte Ereignis der Zauberwelt, das auch nur alle drei Jahre stattfindet. Jeden Tag treten Top Acts der weltweiten Zauberszene auf. Es werden schätzungsweise 2000 Gäste im Publikum sein. Die WM findet im Rahmen eines Kongresses statt, der in einem Messegebäude in verschiedenen Hallen und Räumen veranstaltet wird.
Willi Auerbach, 37, lebt und zaubert in Waldkirch. Mit 17 Jahren kam er das erste Mal mit der Zauberei in Berührung. Er absolvierte eine Ausbildung als Industriemechaniker und studierte Medien- und Informationswesen an der Hochschule Offenburg. Seit 2009 zaubert er hauptberuflich unter dem Künstlernamen Magic Man.

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