Made by Canadians: Neue Mountainbike-Abfahrt am Kybfelsen

Mirjam Milad

Radfahrer aufgepasst! Am Kybfelsen bauen Kanadier einen offiziellen Mountainbike-Trail. Die Strecke soll die angespannte Lage zwischen Fußgängern und Radfahrern am Kybfelsen entspannen - und letzteren jede Menge Spaß bereiten. fudder-Autorin Mirjam Milad hat den Kanadiern über die Schulter geschaut.


Es ist früh am Morgen. Während ich mein Rad in kleinen Tritten in Richtung Kybfelsen hinauf bewege, fängt es an zu graupeln, kurz darauf blitzt es, begleitet von einem einzelnen kräftigen Donnerschlag. Wenig später geht der Graupel in Schnee über. Der April macht seinem Ruf alle Ehre. Einen Moment lang überlege ich umzukehren, doch dann stehen die vier jungen, mit Werkzeug ausgestatteten Männer vor mir und begrüßen mich mit einem sympathischen Grinsen. Das Wetter scheint ihnen nichts auszumachen und offensichtlich waren sie schon eine ganze Weile vor mir auf den Beinen. Kris, Eric, Dave und Russ sind extra von der Westküste Kanadas angereist, um für den Freiburger Mountainbike-Verein Schaufel und Hacke zu schwingen und am Kybfelsen eine neue Abfahrtsstrecke entstehen zu lassen.


Vorstandsmitglied Ansgar Wasmer hatte die routinierten Trailbauer bei einem Urlaub in ihrer Heimat kennengelernt. Rund um das Städtchen Nelson in British Columbia gibt es etwa 120 Mountainbike-Strecken. Ihre Erfahrung ist offensichtlich: sie arbeiten schnell und mit viel Gespür für Fahrfluss, den Flow. Und das Ganze aus Spaß an der Sache, gegen Kost und Logis.

Über eine Länge von 3,6 Kilometer und 450 Höhenmeter wird die Abfahrt ins Tal führen. Sie soll eine Strecke für „jedermann“ werden, darauf legt Manuel Schuble vom Mountainbike-Verein Freiburg wert. Fahrer mit unterschiedlichen Ansprüchen, Anfänger und Profis, sollen hier auf ihre Kosten kommen. Natürlich werde es auch Sprünge und kleinere Hindernisse geben, die könne man jedoch entweder überrollen oder auslassen. Über den Namen der Strecke darf noch spekuliert werden, denn bei dem haben die Erbauer Mitspracherecht. Den größten Unterschied zum Trail-Bau in ihrer Heimat sehen die Kanadier übrigens in der deutschen Bürokratie – von der Planung bis zum Baubeginn Mitte März  vergingen in Freiburg fast zwei Jahre. Nach der forst- und naturschutzrechtlichen Prüfung des Antrags erteilte das städtische Forstamt dem Mountainbike-Verein, wie schon zuvor am Rosskopf, einen Gestattungsvertrag.



Im Forstamt ist man mit der Zusammenarbeit mehr als zufrieden. „Es läuft richtig, richtig gut“, berichtet Nicole Schmalfuß, stellvertretende Amtsleiterin, anerkennend. Gemeinsam sei es gelungen, jegliche Überschneidung mit ausgewiesenen Wanderwegen des Schwarzwaldvereins zu vermeiden. Das sei besonders positiv, da im Vorfeld die größten Bedenken aus der Bevölkerung dahingehend geäußert wurden, dass Mountainbiker nun verstärkt die Wanderwege am Kybfelsen frequentierten.

„Es gibt zwar noch einige Stellen, an denen die Abfahrt Forststraßen kreuzt, die werden aber durch entsprechende Hinweise und eine angepasste Gestaltung der Ein- und Ausfahrten entschärft“, erklärt Schmalfuß. Zudem bleibe der eigentliche Gipfel des Kybfelsens von der Strecke ausgenommen. Haftung und Verkehrssicherung übernimmt vertraglich der Mountainbike-Verein, ebenso wie den weiteren Unterhalt und die durchgehende Beschilderung der Strecke – bergab wie bergauf. „Dadurch finden sich auch ortsfremde Nutzer leicht zurecht“, ergänzt Manuel Schuble.



Aktuell zählt der Mountainbike-Verein mehr als 450 Mitglieder aller Altersklassen, Tendenz steigend. Neben den Bauarbeiten am Kybfelsen, setzt man derzeit verstärkt auf Jugendarbeit – und steckt mitten in der Planung des Freiburger Bikefestivals, das am 25. und 26. April auf dem Biergartengelände der Ganter Brauerei stattfinden wird. Passend dazu soll auch der neue Kybfelsentrail eröffnet werden. Mit Hilfe der Kanadier, die hauptberuflich übrigens Förster und Waldarbeiter sind, scheint sich dieses Ziel leicht erreichen zu lassen. Unter der Woche sind sie täglich von sieben Uhr morgens bis drei Uhr nachmittags mit viel Einsatz am Werk, oftmals werden sie dabei von Vereinsmitgliedern unterstützt. Warum sie eigentlich schon so früh anfangen, will ich noch wissen. Die Antwort kommt prompt: Um anschließend selbst noch biken zu können. Schließlich ist man zum Vergnügen hier.



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[alle Fotos: Isabella Wieser]