Madame Bovary: Leidenschaft im Korridor

Helena Barop

Meret Matter inszeniert im Kleinen Haus "Madame Bovary" von Gustave Flaubert. Das Stück wird noch drei Mal aufgeführt. Ein lohnender Besuch? Helena war drin.



Im Dämmerlicht räkeln sich Gestalten in einem bizarren Bühnenbild. Von der Decke hängt ein riesiger Baumstamm als Schaukel in der Mitte der Bühne. Vorne links steht ein Plantschbecken. Es vergehen Minuten, bis etwas passiert. Madame Bovary erwacht und bringt mit nur zwei Worten auf den Punkt, worum es ihr geht: „Je veux.“


Sie verlangt nicht viel: Glück, Liebe, Sinnlichkeit, ein bisschen Leidenschaft will sie in ihrem Leben. All das kann ihr Ehemann nicht bieten. Langweilig und leidenschaftslos lebt er sein bürgerliches Leben, „Charles Unterhaltung war flach wie ein Trottoir“.

Dass Emma nicht glücklich sein könnte, kommt ihm nicht in den Sinn. Hochzeit, Schwangerschaft, Geburt, alles läuft wie die Gesellschaft es verlangt. Für Emma ist es ein hoffnungsloses Leben, „die Zukunft war wie ein dunkler Korridor“, bis sie ausbricht aus ihrer Gefangenschaft. Sie verschenkt die Leidenschaft mit vollen Händen, nie ist sie satt, schnell wird wieder langweilig, was so aufregend begann. Dass sie ein solches Leben am Ende nicht mehr aushält, wundert kaum.

Madame Bovary ist nicht für die Bühne geschrieben. Mit lyrischer Sensibilität gibt der Text Einblicke in die Seelen der Menschen. Gleichzeitig distanziert er sich immer wieder und zeichnet verurteilend das Bild einer Gesellschaft, deren Mitglieder auf der Freiburger Bühne die Unterhosen über die Leggins ziehen. Wo im Text keine Dialoge sind, lassen sich die Figuren jedoch in der Inszenierung von Meret Matter die Worte nicht nehmen.



In der dritten Person und in der Vergangenheit reden sie von sich, von den anderen, von dem was sie gerade tun, ohne dabei lächerlich zu wirken. In riesigen Filmprojektionen, konzipiert und gedreht von Ulrike Lindenmann, werden realistische Darstellungen von dem versucht, was parallel auf der Bühne abstrakt und symbolisch passiert.

Wie schwer es Madame Bovary fällt, Traumwelt und Realität auseinander zu halten, wird dem Zuschauer durch diese Parallelwelten um so bewusster.

Es ist kein leichter Stoff, den Meret Matter hier zeigt. Text und Handlung haben wenig Dynamik, auf dramatische Spannung wartet man bis zum Ende.



Der Text aber ist so schön, das Spiel mit Brüchen, Kontrasten und Symbolen so gekonnt und komisch, dass sich der Besuch einer Vorstellung auf jeden Fall lohnt.

Fotos: Maurice Korbel

Mehr dazu:

  • Was? „Madame Bovary“ nach einem Roman von Gustave Flaubert
  • Wann? 5./10./12. Mai, 20 Uhr
  • Wo? Theater Freiburg, Kleines Haus
  • Karten: 11 € - 16 € (je nach Kategorie), ermäßigt 7 €
  • Reservierung: 0761-20128 53