Machen, worauf sie Bock haben: Die Bärlauch-Buben im Interview

Leon Pfaff

Am Samstag, 13. Januar, spielt die Freiburger Akustik-Punk-Rock-Band "Die Bärlauch Buben" im Slow Club. Anlass ist die Veröffentlichung ihres ersten Albums "Lügenmusik". Leon Pfaff hat die Band vorab interviewt.

Was sind die Ursprünge und Wurzeln der Bärlauch Buben?

Leo: Musikalisch kommen wir natürlich aus dem Punkrock, vor allem aus dem Deutsch-Punk. Wir hatten früher schon die Band "Pinpoint Strike" in Berlin zusammen. Das waren Joey und ich, plus zwei bis drei andere. Ansonsten gab’s da eine Rubrik an Musik, die hat nirgendwo reingepasst, weil sie einfach verblödet und schwachsinnig war. Für diesen "Mülleimer", in den wir diese Lieder – die wir selbst aber sehr gerne gehört haben – reingetan haben, war der dümmste Name, der uns einfiel "Die Bärlauch Buben". Leider gibt’s halt auch die "Bärlauch Buaba", eine Allgäuer Akustikgruppe, die sind eher Restmüll.

Unser Bassist ist ein klassisch ausgebildeter Musiker und eigentlich Pianist. Er hat auch schon Preise mit experimenteller Musik gewonnen. Heißt, er hat "Schwachsinn gespielt und dafür Preise gewonnen" – seine Worte, nicht meine!

Wie sehr würdet ihr eure Musik als "Punk typisch" oder "untypisch" bezeichnen und gibt es darin das Element von Politik und Sozialkritik?

Leo: Punk ist es alleine schon deswegen, weil wir unter unseren Fähigkeiten komplett zurück bleiben – außer Timon!
Timon: Im weitesten Sinn ist Punk vor allem diese Attitüde: Du machst, worauf du Bock hast.
Leo: Und das möglichst simpel. Heute glaubt man, dass Punk komplex wäre. Früher wurde man angepöbelt, wenn man Soli gespielt hat und dahin muss man zurück kommen.
Joey: Das ist ein gutes Stichwort. Denn tatsächlich versuchen wir, die Dinge so minimalistisch zu halten, wie möglich. Klar kommt mal ein cooler Breakdown rein, aber tatsächlich geht da durchaus mehr.
Leo: Das macht’s ja nicht schlechter. Wer macht denn heutzutage noch die guten alten Baggerseeakkorde? Sie funktionieren! Eingängige Melodien sind geil und wenn man da noch gute Texte drauflegt, passt das.
Timon: Ich erkläre das den Leuten eher als Liedermacher-Punk. Es soll ins Ohr gehen und die Leute im Kopf berühren. Es ist immer eine Botschaft dabei, die manchmal auch sehr gaga ist.
Leo: Was zum Punk gehört, ist, dass man sich selbst nicht allzu ernst nimmt. Und das ist bei uns mit drin. Aber wir nehmen auch vieles Andere nicht ernst. Gesellschaftskritisch sind die Texte auf jeden Fall, aber meist nicht in einer plakativen Weise.

"An einem Tag kannst du drei Lieder machen oder aber drei Monate mal gar keins." Leo

Was würdet ihr als eure musikalischen Einflüsse oder Anregungen zum Texten und Musizieren sehen?

Leo: Casanovas Schwule Seite, sowie Chefdenker finde ich textlich sehr gut und Rainald Grebe natürlich. Der sitzt am Klavier und hat’s drauf, mit wenigen Worten sehr viel Witziges auszusagen. Er ist auch sehr dadaistisch unterwegs. Texte kommen halt, man schreibt sie nicht. Wenn man eine Melodie im Ohr hat, fängt’s einfach an.
Timon: Das ist wirklich das Faszinierendste: Man kann nicht sagen, wir hätten schon Songs zusammen geschrieben. Ich war ein paar Mal dabei, wenn Leo da mit der Gitarre sitzt. Ich klimpere Akkorde, die passen könnten und werfe ein Wort in den Raum und es sprudelt aus ihm raus! Woher kommt das?
Leo: Das weiß ich auch nicht, manchmal hat man den Lauf, manchmal nicht. An einem Tag kannst du drei Lieder machen oder aber drei Monate mal gar keins. Ich habeauch gar keine Stilmittel oder Techniken, mit denen ich arbeite

Wie steht’s um die Rollenverteilung innerhalb der Band?

Joey: Ein ständiger Kampf!
Leo: … den ich gewonnen habe.
Joey: Wir mussten uns drauf einigen, dass er der Frontmann ist. Er plappert zwar am meisten, aber ansonsten sind wir alle Ansprechpartner. Der eine macht die Bandkasse, der andere beschäftigt sich mit der Konzertsuche. Aber wir brauchen eben auch jemanden in der Frontmannposition.
Leo
: Das gilt aber in erster Linie für das Liedermachen.
Joey: Auf der Bühne ist das wieder was Anderes. Wir sitzen alle in einer Reihe.
"Wir treffen uns auch so auf ein Bier und können über alles labern." Timon

Welche Auftritte und Veröffentlichungen stehen an?

Leo: Wir gehen bald wieder ins Studio, Ende März.
Timon: Das ist das nächste Großprojekt. Ansonsten bin ich gerade dabei, für den Spätsommer/Frühherbst eine Tour zusammen zu stellen.
Leo: Tour ist das Beste. Es ist einfach abartig.
Joey: Ja, so einzelne Konzerte sind zwar auch witzig, aber was auf Tour zwischen den Auftritten passiert, ist schon was ganz Anderes.
Timon: Und da hilft es uns, dass wir einfach vier Freunde sind. Wir treffen uns auch so auf ein Bier und können über alles labern. Auf Tour ist es dann natürlich eine intensive Erfahrung. Irgendwas passiert immer.

Würdet ihr sagen, ihr habt euch in den letzten Jahren gesteigert?

Leo: Wir haben die alten Songs in das Album mit aufgenommen, um sie mal in guter Qualität zu haben. Wenn ich mir die alten Aufnahmen auf Youtube anhöre, muss ich kotzen. Ich wurde ansonsten genötigt, Refrains und Strukturen zu schreiben. Wir wollen uns jetzt wieder mehr zum "Auf die Fresse"-Thema hin entwickeln und gleichzeitig in die andere Richtung: Die Songs unterschiedlicher zu haben.
"Du musst nicht Musikgeschichte studiert haben, zwischen den Zeilen lesen oder politisch gesehen auf dem neuesten Stand sein." Joey

Was kann man vom neuen Album und dem Release-Konzert im Slow Club erwarten?

Leo: Das Album ist sehr gut.
Joey: Sehr gut!
Timon: Qualitätsmusik.
Leo: Nein, Gegen-Qualitätsmusik. Aber es ist dennoch sehr gut.
Joey: Das Gute bei der Musik ist, du musst nichts mitbringen. Du musst nicht Musikgeschichte studiert haben, zwischen den Zeilen lesen oder politisch gesehen auf dem neuesten Stand sein. Menschen mit Humor haben es mit unserer Musik relativ leicht.
Timon: Es gibt Genremusik. Wenn du Black Metal oder Punkrock spielst, hast du eine definierte Zielgruppe von Leuten, denen das genremäßig gefällt. Wir sind eine Akustikcombo. Da sitzen vier Leute und machen Musik, aber im Endeffekt geht’s darum: Kannst du mit uns mitlachen? Kannst du dich mit uns – und über uns und über euch – freuen? Rock ’n’Roll – du bist richtig!


Das Interview hat fudder-Mitarbeiter Leon Pfann mit Leo (Gitarre), Timon (Ukulele) und Joey (Cajon) geführt. Bassist Washington konnte nicht an dem Gespräch teilnehmen.


  • Was: Die Bärlauch Buben - CD Release Konzert
  • Wann: Samstag, 13. Januar, 21 Uhr
  • Wo: Slow Club Freiburg