Luxuskino Basel: Gehobener Filmgenuss?

Bianca Fritz

All-you-can-eat-Popcorn, Getränkebringservice via Knopfdruck, Zweiersofas mit extra viel Beinfreiheit, Kuschelkissen und Wolldecken: In Basel gibt es nun ein sogenanntes Luxuskino. Ob das Edelangebot seinen Preis wert ist, haben wir getestet.



"Das ist auch nicht viel besser als bei dem Pöbel da unten im Kinosaal", sage ich, als rechts rumgebrüllt und links rumgeknutscht wird. Mein Begleiter nimmt süffisant grinsend den Popcornbecher in die Hand. "Das mag ja sein. Aber hier oben haben wir kostenlosen Munitionsnachschub!" Wir befinden uns in Basels erstem Luxuskino. Im Ciné Deluxe Bereich des Pathé Küchlin gibt es Popcorn an den Platz, breite Sitze mit Kuscheldecken und eine ziemlich kleine Leinwand.


Für den Deluxe Kinogänger beginnt das Kinovergnügen wie für jeden anderen Kinogänger auch mit einer langen Schlange an der Kasse. Das war es dann aber schon mit den Gemeinsamkeiten. Sobald der Luxusfreund sein Ticket in der Hand hält, ist ihm eine Sonderbehandlung sicher. Durch einen speziellen Eingang (natürlich im obersten Stock) geht es auf die gemütlichen Riesensitze,wo bereits eine Kuscheldecke und ein Kissen mit Deluxe-Aufschrift sowie eine Packung Popcorn bereitliegen.



Was das Programm beinhaltet, ist manchem noch nicht klar. Unsere Nachbarin springt auf, um Getränke zu holen. Dabei hätte es ein einfacher Druck des roten Knopfes in der Armlehne getan. Die Bedienung bringt Getränke und All-you-can-eat-Popcorn. Allerdings nur salziges, irgendwo muss der Luxus ja ein Ende haben. Mitten im Film gibt es dann noch ein paar belegte Brötchen.

64 Schweizer Franken (etwa 42 Euro) kosten zwei Tickets für Ice Age 3 in der 3D-Version im Ciné Deluxe. Inbegriffen sind das Popcorn-All-you-can-eat, ein Getränk und ein kleiner Snack. Aber in der Schweiz ist ein Kinobesuch ohnehin nicht günstig. Zwei reguläre Karten hätten auch schon knapp 24 Euro (36 CHF) gekostet, plus 3D-Aufschlag. "Der Preis fürs Ciné Deluxe ist fair", sagt Pathé-Küchlin Direktor Antonio Annecchiarico. "Man bekommt viel mehr als man zuzahlt und kann dazu noch die breiten Sitze mit Kuscheldecke genießen."



Seit etwa vier Wochen gibt es die Sonderabteilung auf der Empore: 20 breite Sofasessel und 24 Zweiersofas mit viel Beinfreiheit. Die Auslastung fürs Ciné Deluxe betrug laut Kinodirektor bisher 40 bis 50 Prozent. "Wir sind schon sehr zufrieden, im Moment setzen wir nämlich noch hauptsächlich auf Mundpropaganda", sagt Annecchiarico. In den kälteren Monaten wolle er mehr Werbung für das Sonderprogramm machen und ist überzeugt davon, dass das Kino dann voll wird.

"Zielgruppe sind alle, die sich was Besonderes gönnen wollen, den Partner verwöhnen oder eben auch solche, die ein ungewöhnliches Geschenk suchen."

Pathé ist eine Kinokette in der Schweiz. In Dietlikon in der Nähe von Zürich hat die Kette mit einem separaten Luxus-Kinosaal schon länger Erfolg.



"Den Kinobetreibern in der Schweiz geht es noch gut, weil unsere Gewinnmarge höher ist als in Deutschland. Aber das bedeutet eben auch erhöhte Konkurrenz im Grenzgebiet", so Annecchiarico. Das Luxusprogramm könnte eine Möglichkeit bieten, sich von den günstigeren Kinos in Grenznähe abzuheben. Theaterleiter Bernd Gschöpf vom Kinopalast im Rheincenter in Weil am Rhein beobachtet die Entwicklung gespannt. Er schätzt, dass etwa 30 bis 35 Prozent seiner Kinokunden aus der Schweiz kommen. Sie sehen sich bei ihm für einen regulären Eintrittspreis von gerade mal 7 Euro die neuen Filme an.

"Unsere Kunden sind nicht bereit, mehr zu zahlen", glaubt er. Ein Umbau einer seiner Säle oder eines Teilbereiches zum gemütlichen Deluxebereich kann er sich momentan nicht vorstellen. "Generell ist das aber eine gute Idee, um auch der Bevölkerungsentwicklung Rechnung zu tragen", glaubt er. Ältere Menschen fühlten sich nämlich von Popcorn, Cola und engen Sitzen kaum angezogen.



Aber auch in Deutschland gibt es, Wirtschaftskrise hin oder her, Luxuskinos. Die Astor Film Lounge ist ein kleines Luxuskino in Berlin, das Ende 2008 eröffnet hat. Hier gibt es sogar einen Parkservice fürs Auto. Der ist inklusive in den 10 bis 15 Euro Eintritt. "Wir haben mit einem älteren, anspruchsvollen Publikum gerechnet", sagt Susanne Hoppe in Vertretung für den Theaterdirektor. "Und wir sind jetzt positiv überrascht, dass sogar Junge sich den Luxus gönnen." Mit der Auslastung seien sie sehr zufrieden. Am Wochenende solle man es gar nicht erst ohne Reservierung probieren.

In Essen bietet das Cinemaxx einen Exklusiv-Kinosaal schon ab 8 Euro. Allerdings sind hier nur die bequemen Sitze inklusive. Was man sich zu Essen oder zu Trinken an den Sitz bringen lässt, muss extra bezahlt werden. In Amerika und Australien gibt es diesen Trend schon länger, sogar teilweise mit Liegesesseln.

Nach knapp 100 Minuten Luxuskino sind wir ziemlich müde. Das liegt zum einen daran, dass 3D-Filme recht anstrengend sind, zum anderen aber auch daran, dass die Leinwand so weit weg ist. Sie scheint vom Deluxe-Bereich aus kaum größer als ein Fernseher. Überhaupt kommt zwischen Häppchen und Kuscheldecke das Gefühl von einem Sofa-DVD-Abend auf.



Ich schaue nach links und rechts. Auch das laute und das knutschende Pärchen wirken geschafft. Offenbar hat jeder versucht, das Angebot voll auszuschöpfen und so viel Popcorn wie möglich zu essen. Vollgefressen und zufrieden mache ich die Augen zu, während die Schlussmelodie läuft. Dann werde ich von meinem Begleiter wachgerüttelt: "Hey, nicht einschlafen! Wir müssen noch nach Hause laufen." Das ist der Nachteil am Deluxe Kino. Übernachten darf man dort noch nicht.

Mehr dazu:

Web: Luxuskino Pathé Küchlin

Pathé Kino Basel
Steinenvorstadt 55
4051 Basel
Reservierung und Programm übers Telefon: 0900 00 40 40