fudder-Interview

Luksan Wunder: "Unterm Strich sind Witze unser Beruf"

Stefan Mertlik

Der Freiburger YouTube-Kanal "Luksan Wunder" geht auf Tour und macht am 31. Mai auch im Vorderhaus Halt. fudder hat mit den fünf Netzkindern über Kreativität, schlechte Witze und den Artikel 13 gesprochen.

Seit 2015 veröffentlicht der YouTube-Kanal "Luksan Wunder" wöchentlich Videos mit viralem Potenzial. Unter dem Motto "Wenschen, Tiere, Fensationen" parodieren sie deutsche Rapper, setzen Serviervorschläge auf Verpackungen in die Tat um und fassen Weltliteratur in Umgangssprache zusammen. Mit ihrem bisher erfolgreichsten Clip – dem "Most Unsatisfying Video in the World ever made" – schafften sie fast sieben Millionen Views.


Nun verlässt Luksan Wunder das Internet und betritt im Rahmen einer großen Tour die Bühnen des Landes. Am 31. Mai 2019 musizieren, kaspern und witzeln sie auch im Freiburger Vorderhaus. fudder hat sich mit Sandro, Charlotte, Natto, Martin und Jan bei den Proben in der Marcher Klimperstube getroffen, um über Kreativität, schlechte Witze und den Artikel 13 zu reden.

2017 habt ihr im fudder-Interview gesagt: "Ein Spielplatz ist der Kanal immer noch, aber wir werden professioneller." Wie sieht das zwei Jahre später aus?

Sandro: Tatsächlich würde ich das heute genauso sagen. Es kommt aber immer mehr hinzu. Die Tour mit 20 Terminen wäre vor zwei Jahren nicht möglich gewesen. Mittlerweile machen wir auch viel für andere Medien wie das Fernsehen. Unser Tagesgeschäft ist es aber nach wie vor, dumme Witze für den YouTube-Kanal zu machen.
Charlotte: Gute Witze!



Kommen euch Ideen nebenbei oder zwingt ihr euch zum kreativen Prozess?

Charlotte: Ein Spruch ist bei uns zum Running-Gag geworden: "Das schreibe ich mir auf, das kriegt ein Memo!" Oft kommen gute Ideen nämlich beiläufig in Unterhaltungen. Aber es gibt auch die Situation, in der wir nichts mehr haben und uns gezwungenermaßen etwas überlegen müssen.
Martin: Viele gute Ideen entstehen auch bei "Manfred Groove" (Anmerkung der Redaktion: Rap-Projekt von Martin und Sandro). Wenn wir eine viel zu lange HipHop-Tour spielen und völlig übermüdet Quatsch reden, ist schon das eine oder andere Gold-Memo herumgekommen.
Sandro: Zum Glück haben wir eine sehr gnädige YouTube-Community. Da dürfen wir auch mal Zeug in den Sand setzen. Wir sind aber auch eine halbwegs ernstzunehmende Firma, die viele Auftragsarbeiten annimmt. Da treffen wir uns je nach Deadline morgens, arbeiten am Ideentisch und im Idealfall liefern wir ab. Das ist dann wie Büroarbeit.

Macht das noch Spaß oder fühlt sich das schon wie harte Arbeit an?

Natto: Es ist natürlich Arbeit, aber es gibt immer die Momente, in denen man sich über den eigenen Job freut und realisiert, dass man nicht in einer Schwefelmine arbeiten muss.

Wie geht ihr mit dem Druck um, immer wieder virale Hits liefern zu müssen?

Charlotte: Das ist wie Heroin.
Sandro: Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass es den gibt. Ab einer gewissen Größe schaut man natürlich, welche Videos das Potenzial zum viralen Hit hätten. Verbreitung ist inzwischen eine Währung und da hängen Aufträge dran. Wenn wir hundert Millionen Klicks erreichen, können wir sicher sein, dass irgendwer zu uns kommt und viel Geld ausgeben möchte. Jetzt steht die Tour an, für die wir Tickets verkaufen müssen. Klar, das sind Druckmomente, aber alles in allem ist das meistens positiver Druck. Unterm Strich sind Witze unser Beruf.

Gab es mal einen Witz, der im Nachhinein gar nicht witzig war?

Alle: Ja.
Martin: Der Mut zum schlechten Witz ist eine Tugend. Die hat nicht jeder.
Charlotte: Aber es ist ein Unterschied, ob du bewusst einen schlechten Witz machst oder erst später feststellst, dass er nicht funktioniert.
Sandro: Wir haben schon Meisterwerke gemacht, die kein Mensch zur Kenntnis nahm. Wir haben aber auch Sachen gemacht, von denen wir erstaunt waren, dass sie viral gingen.



Ihr parodiert HipHop-Künstler, die nicht für ihren Humor bekannt sind. Habt ihr Sorge, dass das irgendwann einmal unschöne Folgen hat?

Charlotte: Toi, toi, toi, es ist noch nichts passiert.
Sandro: Als wir das Bushido-Video veröffentlichten, hatte ich ein bisschen Angst. Da dachte ich, das wird mein letztes.
Natto: Manchmal werde ich auf der Straße angesprochen, ob ich der Luksan Wunder bin. Viele Leute verstehen nicht, dass das mehr als eine Person ist. Weil ich in den Clips aber häufiger zu sehen bin als Sandro, denken die, ich mache auch die HipHop-Parodien. Immer, wenn ein Bus vorbeifährt, zucke ich erstmal zusammen, weil ich mit einem Kugelhagel rechne.
Sandro: Hate kommt nur von jungen HipHoppern und kroatischen Patrioten. Im Zuge der EM haben wir aus unterschiedlichen Nationalhymnen Mitsingvideos gemacht. Bei allen anderen Hymnen war es den Leuten egal. Nur bei Kroatien haben sich die Leute aufgeregt.

Wie hart trifft euch der Artikel 13?

Sandro: Ich finde die Grundidee von Artikel 13 nicht falsch. Die Umsetzung ist jedoch fragwürdig, weil sie auf eine Technik verweist, die es noch nicht gibt. Da wird von beiden Seiten sehr viel Panik geschürt – von der YouTube-Seite sogar noch mehr. YouTube stirbt nicht an diesem Artikel 13. Es wird auch keine Zensur geben. Dass man den Artikel noch einmal überarbeiten sollte, glaube ich auch, aber das, was wir machen – nämlich Parodien – ist ja explizit geschützt. Wie man das umsetzt, ist eine andere Frage. Bei dieser Debatte ist es aber nicht hilfreich, wenn wir alle hysterisch werden.
Charlotte: Bei allen anderen Debatten ist es aber immer hilfreich, wenn man sie hysterisch führt.
Sandro: Wenn ich eine Parodie hochlade, kann ich theoretisch verklagt werden. Die Idee hinter dem Artikel 13 ist es, da eine Rechtssicherheit zu schaffen. Es ist für beide Seiten eine gute Idee, dass die Ursprungsurheber lizensiert werden oder Geld bekommen. Das "Most Unsatisfying Video" erreichte weltweit etwa eine halbe Milliarde Klicks. Bei uns sind davon aber nur sechs Millionen angekommen. Das haben ganz viele Leute gerippt und damit sauviele Klicks generiert. Hätten wir die Hälfte von den tatsächlichen Klicks erhalten, dann würden wir jetzt in einer großen Limousine sitzen.
Charlotte: Weil das unser Traum ist, gell?

Die Idee hinter dem "Unsatisfying"-Video ist so einfach, ich kann gar nicht glauben, dass die noch niemand vor euch hatte.

Sandro: Der Grundblick des Satirikers lautet: "Hey, da ist was, lass uns genau das Gegenteil machen." Oder: "Da ist was Schönes, lass es uns kaputt machen." Oder: "Ein Tutorial, das klappt. Lass uns ein Tutorial machen, in dem nichts klappt." Mit diesen Ansätzen kommt man schon relativ weit. Aber ja, gerade bei dem "Unsatisfying"-Video waren wir verblüfft, dass es das noch nicht gab.
Martin: Letztens hatte ich auch einen Moment, in dem ich mich wunderte, dass die Idee noch niemand hatte. Was war das denn?
Charlotte: Ja, verrate es jetzt am besten.
Natto: Gute Ideen klingen hinterher immer einfach. Hier ist eine Steckdose. Kannst du alle Geräte mit versorgen. Strom erfunden.



Am 31. Mai seid ihr live in Freiburg zu sehen. Ist die Show auch für Internet-Muffel geeignet?

Sandro: Wir haben eine sehr schnelle Abfolge von unterschiedlichen Gags. Diese können die Internetversteher witzig finden, aber auch Leute, die ins Kabarett gehen. Wir haben nicht nur diese Netzreferenzen, sondern bewusst auch Dinge, die im Internet nicht funktionieren würden. Luksan Wunder macht es aus, dass wir uns nicht als YouTuber verstehen, sondern YouTube nur als Plattform nutzen. Würde uns Arte ganz viel Geld bieten, dann wäre es das mit YouTube gewesen.
Martin: Vielleicht auch für halb viel Geld.

  • Was: Luksan Wunder live
  • Wann: 31. Mai 2019
  • Wo: Vorderhaus Freiburg



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