"Luisa" ist in den Freiburger Clubs angekommen – benutzt hat das Codewort aber noch niemand

Felix Klingel

Mit dem Satz "Ist Luisa hier?" können sich Frauen im Freiburger Nachtleben unkompliziert Hilfe bei Belästigungen holen. Benutzt wurde das Codewort allerdings noch nicht, sagen Gastronomen. Der Verein Frauenhorizonte ist trotzdem zufrieden.

Schnelle und umkomplizierte Hilfe bei Belästigungen, ohne großes Nachfragen nach Täter und Umständen: Das ist das Konzept hinter dem Projekt "Ist Luisa hier?". Wenden sich Frauen mit diesem Satz an das Personal eines teilnehmenden Clubs, bekommen sie schnelle Hilfe, um aus der Situation herauszukommen.


Das Projekt gibt es schon in vielen deutschen Städten, der Verein Frauenhorizonte ist seit Oktober 2017 dran, es auch in Freiburg zu etablieren. "Ist Luisa hier?" ist einer der Maßnahmen, die aus dem Runden Tisch Sicherheit im Freiburger Nachtleben hervorgegangen sind, an dem die Stadtverwaltung, Clubbetreiber, Polizei und Frauenverbände teilgenommen haben.

"Wir sind sehr zufrieden mit der Entwicklung des Projekts", sagt Pia Kuchenmüller von Frauenhorizonte. Bisher haben neun Freiburger Clubs und Bars eine Schulung erhalten und das Konzept bei sich etabliert. "Es hat ein super Austausch stattgefunden", sagt Kuchenmüller. "Wir betrachten das primär als Sensibilisierungskampagne. Und ich glaube, das Personal achtet nun einfach viel mehr drauf und schaut einfach mal ins Publikum, ob gerade etwas nicht passt."

Karte: In diesen Freiburger Clubs ist "Luisa"



Eine Umfrage unter den teilnehmenden Clubs und Bars ergibt: Bisher wurde das Codewort noch nicht verwendet. "Klopf auf Holz, dass es so bleibt", sagt Jochen Schmitt, Betreiber der Sonderbar. "Viele wissen nicht, dass es die Aktion gibt", sagt Linda Windmann vom T.I.K. "Wir mussten das immer erst erklären und haben die Infoplakate aufgehängt." Auch im Puzzles gab es noch keinen Vorfall, bei dem Luisa zum Einsatz kam: "Es soll hauptsächlich präventiv funktionieren, so dass die Leute einen Blick drauf haben", sagt Betreiber Umut Inan.

So sieht es auch Pia Kuchenmüller von Frauenhorizonte: "Ich finde es schwierig zu sagen, es funktioniert nicht, nur weil es nicht benutzt wird", sagt sie. "Da müsste ja erst etwas schlechtes passieren, damit etwas funktioniert." Viel mehr solle man das Ganze als präventives Projekt sehen: Es gebe Sicherheit, sei ein Backup und verändere einfach die Stimmung im Club.

Einige Clubs wollten nicht mitmachen

Der einzige Punkt, mit dem sie nicht ganz zufrieden ist, ist die Rückmeldung der Clubs: "Da hätten wir uns schon etwas mehr Engagement gewünscht", sagt Kuchenmüller. "Im ersten Kontakt waren zwar fast alle begeistert – aber es ist für die Clubs ein großer Aufwand, das ganze Personal an einem Termin zusammenzubekommen", so Kuchenmüller. Einige Clubs hätten die Schulung aber auch mit einem Hinweis auf eigene Konzepte abgelehnt.

Momentan bietet Frauenhorizonte noch Nachschulungen bei den teilnehmenden Clubs und Bars an. Danach wird der Verein das Projekt aber nicht mehr mit der gleichen Stärke forcieren wie bisher. "Wir werden aber jeden Club schulen, der Lust darauf hat – nur ist jetzt ein bisschen mehr die Aktivität der Clubs gefragt."

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