Luis Reichard: Der Komponist des Papstsongs

Manuel Lorenz

Luis Reichard ist kein Popstar. Und doch werden am Wochenende Tausende von Menschen sein Lied singen. Zujubeln werden sie jedoch jemand anderem: dem Papst, für dessen Besuch in Freiburg der 23-Jährige nämlich das Mottolied geschrieben hat.



Luis' Lied wird zu gleich zwei Anlässen angestimmt: bei der Gebetsvigil mit Jugendlichen auf dem Messegelände am Samstagabend und bei der Heiligen Messe auf dem Flugplatz am Sonntagmorgen.


„Ein geistliches Lied schreibt man ganz anders als ein weltliches“, sag Luis. „Man hat viel stärker die Zielgruppe vor Augen. Und das Lied muss im Gottesdienst funktionieren.“ Bestimmte Abschnitte des Liedes müssen klar voneinander abgegrenzt werden. Denn manches singen nur die Solisten, anderes auch die Gemeinde. Der Text muss viel stärker durch die Musik unterstützt werden. So erklingt zum Beispiel im Refrain der höchste Ton beim Wort „Gott“. Und in der ersten Strophe verdeutlichen Spannungsbögen und Akkordwechsel, wie die Fesseln der Gefangenschaft gelöst werden.

Luis spielt seit seinem sechsten Lebensjahr Trompete; seit dem Wintersemester 2010/11 studiert er Jazztrompete in Köln. Schon früh bringt er sich musikalisch in Jugend- und Familiengottesdiensten ein. Schon damals fällt er Meinrad Walter auf, der derselben Kirchengemeinde angehört wie er. Bei Walter absolviert Luis eine Ausbildung zum C-Kirchenmusiker; Walter beauftragt ihn 2008 auch damit, eine Band für den Diözesantag in Freiburg zusammenzustellen. Und das Motto zu vertonen: „Wir sind Gottes Melodie.“ Damals wurden die Weichen für den jetzigen Auftrag gestellt.

Griffige Akkorde, gespielt von Klavier, E-Bass und Bläsern, dann Schlagzeug und Shaker, und schon beginnt der Refrain: „Wo Gott ist, da ist Zukunft. Wo Gott ist, da ist Heil.“ Die junge Männerstimme singt die Synkopen und Blue Notes ein wenig ungelenk und schüchtern. Dafür spielen die Instrumente ihren Part umso grooviger. Dann plötzlich: Cut. Ein Frauenchor intoniert mit Engelskehlen die erste Strophe; begleitet wird er nur noch vom zurückhaltenden Klavier. Dann: Apotheose. Und endlich kehrt der Song wieder zum Funk des Refrains zurück.

Die Erzdiözese Freiburg hatte eine solche Hymne zunächst gar nicht bedacht. Andere organisatorische Dinge standen im Vordergrund. Bis mehrere Religionslehrer und die Erzbistumsleitung selbst beim Amt für Kirchenmusik nachfragten, wie es denn nun um ein Mottolied stünde. „Dazu kam meine Idee: Was mein wirklich engagiert feiern will, braucht auch Musik“, so Meinrad Walter, Mitarbeiter beim Amt für Kirchenmusik. Er hat die Komposition des Liedes initiiert sowie organisiert und den Text dazu beigesteuert.

Um die 800 Kirchenchöre hat die Erzdiözese Freiburg. Und die haben das Song innerhalb der letzten Wochen rauf- und runtergeübt. Am Sonntag werden sie sich unter die Teilnehmer des Gottesdienstes auf dem Flugplatz mischen und diese vielstimmig unterstützen, wenn sie das Lied intonieren. Außerdem dabei: der Diözesanchor, die Dommusik, die Münsterbläser und eine E-Orgel. Die Jugendveranstaltung am Samstag wird rockiger: Die junge Freiburger Band SaxoBeat begleitet das Lied.

Wer jetzt allerdings denkt, „Wir sind Papstsong!“, der liegt falsch. Das Freiburger Mottolied ist nicht das einzige. Die Diözese Erfurt hat sogar gleich zwei in petto. Diese sind aber in den zahlreichen Verwinkelungen der Website pfarrbriefservice.de versteckt worden und existieren lediglich in Form von Notenblätter. Abgesehen davon gibt es natürlich noch die inoffiziellen Lieder zum Event: den humoristischen Papstsong der Freiburger Band „Diese Wunderbare Band“ und – wieder in Erfurt – den schrägen Titel „Papa Papst“ der Thüringer Schlagersängerin Gerda Gabriel.

Vom Gregorianischen Choral heißt es, der Heilige Geist habe ihn Gregor dem Großen in die Feder diktiert. Ganz so mystisch sei es bei Luis nicht zugegangen. Und doch: „In mir ruhte eine Quelle“, sagt er. „Und die habe ich einfach zum Fließen gebracht.“

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  [Foto: Monica Rombach / Badische Zeitung]