Lovoo, OkCupid, GayRomeo: Dating-Apps im Selbstversuch

Marius Buhl & Savera Kang

Michael hat seine Freundin bei Lovoo kennengelernt, Savera findet OkCupid besser als ein Browsergame und Daniel benutzt GayRomeo seit 14 Jahren täglich. Wie die Apps funktionieren und welche Erfahrungen die drei mit ihnen gemacht haben - auf der Suche nach der Liebe oder ähnlichem:



Lovoo

von Michael A., 26



Eigentlich habe ich Online-Dating nie gemocht, es hat so einen bitteren Beigeschmack. Man denkt immer, Online-Dating sei für die, die in der Realität nichts hinkriegen. Eines Tages hat mich meine beste Freundin nach einer durchzechten Partynacht aber einfach bei Lovoo angemeldet - und ich fand das witzig, wollte mein Profil aber am nächsten Morgen wieder löschen. Als ich nach dem Aufwachen dann reingeschaut habe, hatte ich bereits die ersten Nachrichten. Der Bann war gebrochen, die Verlockung viel zu groß. Ich habe mein Profil erst mal nicht gelöscht.


Das Herzstück von Lovoo ist ein Live-Radar: Der scannt die Umgebung und zeigt mir Profile an. Schön an Lovoo: Statt nur nach Bildern zu bewerten, geben kleine Steckbriefe weitere Infos zur Person. Außerdem kann ich jede andere Person anschreiben, so weiß ich viel genauer als zum Beispiel bei Tinder, ob sich jemand für ein Date mit mir eignet oder nicht.

Anfangs war ich dennoch ziemlich enttäuscht. Es gibt auf Lovoo drei Gruppen von Menschen: Selbstdarsteller auf der Suche nach Bestätigung, Männer und Frauen, die mit unscharfen Bildern Problemzonen kaschieren und nur ein kleiner Anteil potentieller Dates. Wirklich jemanden zu finden, ist bei Lovoo also ziemlich schwer - vor allem weil man ziemlich kreativ sein muss, um aus der Masse herauszustechen. Auf plumpe Art haben es zig andere davor auch schon versucht.

Anfangs hatte ich kaum Erfolg, bekam Absagen oder erst gar keine Antworten. Irgendwann kamen die ersten Treffer, Mädchen, mit denen ich mich verabredet habe. Meistens habe ich aber schon nach kurzer Zeit gemerkt, dass es nicht passt.

Eines Tages war dann eine Nachricht von Sophie (Name v. d. Red. geändert) in meinem Postfach: Sie hatte mich angeschrieben, das war neu für mich. Wir tauschten ein paar Nachrichten, und ich habe schnell gemerkt, dass es mit Sophie etwas anderes ist. Schon nach dem Schreiben mochte ich sie, und wollte mich unbedingt mit ihr treffen. Auch Sophie wollte das, aber zweimal hat sie mir kurz vor dem Date abgesagt - aus Angst, wie sie mir später erzählt hat.

Schließlich trafen wir uns doch, im Seepark. Zweieinhalb Stunden waren wir zusammen spazieren, haben versucht herauszufinden, wie der andere so ist – und mochten uns auch in der realen Welt. Es blieb nicht bei dem einen Treffen: Immer öfter trafen wir uns in der nächsten Zeit, eine Beziehung entstand. Und so viel sei verraten: Sophie und ich sind jetzt ein Paar, noch immer glücklich zusammen. Lovoo habe ich jetzt schnell wieder gelöscht, ich brauche es nicht mehr. [Aufgezeichnet von Marius Buhl]

OkCupid

von Savera Kang, 28



Ich klicke mich durch den Fragebogen der App und fühle mich wie im Wartezimmer meines Arztes, als ich aus Langeweile Psychotests in Magazinen beantwortet habe und die Zeit trotzdem nicht vergehen wollte. Wer ist schon so uneitel, dass er nicht gern ein bisschen analysiert werden würde? Bei OkCupid erscheint das Ergebnis in Form von „Matches“ - Leuten, die zu einem passen könnten aufgrund von übereinstimmenden Antworten auf Fragen aus entfernt politischen Bereichen über Sex hin zu Banalitäten.

Mein Steckbrief ist bald ganz ordentlich, und ich fühle mich gewappnet, im Meer der Flirtwilligen zu baden. Mario ist zu 34 Prozent ein Treffer, aber zu ebenso viel Prozent mein Feind. Schnell weg.

Samuel? Lächelt verdächtig. Weg.

Roman sieht nett aus - irgendwie vertraut. Liegt es daran, dass wir in derselben Vorlesung sitzen? Das Foto ist zu unscharf, und eigentlich will ich jetzt auch nicht an die Uni denken. Um mehr über ihn zu erfahren, muss ich wieder ein paar Fragen beantworten. Er kuschelt gern - check. Gemeinsam Philosophieren? Check. Dieses Fragenspiel ist besser als so manches Browsergame, ja, nein, ja, aber ... ist mir wichtig oder egal, was sagt Roman, Herzchen in den Augen.

„Wonach suchst Du?“ - „Jemanden zum Heimkommen.“ Roman sucht jemanden für heute Nacht. Ein lauter Zonk-Ton schrillt auf. Roman, ich bin enttäuscht von dir. Auch OkCupid findet, dass wir langsam mehr Feind als Freund sind.

Ein Nürnberger schreibt mir. Ob wir uns treffen wollen. Das ging schnell. Im Arztkittel lächelt er in sein Selfie, und ich frage mich, was bei ihm wohl nicht stimmt, dass er auf dieser Seite gelandet ist. Ich beantworte seine Nachricht und warte. Es gibt so viele Profile zu erkunden und Gemeinsamkeiten zu entdecken, doch er lässt mich warten.

Der Nächste bitte. Ein Quickmatch. Auf den Algorithmus, der mir diesen Schweizer Dosenbiertrinker angespült hat, wär ich ja neugierig. Es ist okay, Cupid, aber das kannst du besser!


GayRomeo

von Daniel B., 29



Zwischen meinem ersten Treffen mit Martin [Name v. d. Red. geändert] und dem zweiten liegen siebeneinhalb Jahre. Schon beim ersten Mal war uns vermutlich klar geworden, dass wir etwas Besonderes für einander sind, es war wohl Liebe auf den ersten Blick.

Das Problem damals: Ich war in einer Beziehung. Zwar hatten wir gerade eine Pause eingelegt, aber dennoch wollte ich alles aufrecht erhalten: Sämtliche Kontaktdaten habe ich dann gelöscht, Martin konnte mich nicht mehr erreichen. Nun habe ich Martin wieder getroffen: über GayRomeo, eine Dating-App für Homosexuelle.

Im Vergleich zur Grinder-App, die auch viel von Schwulen genutzt wird, ist Gay Romeo eigentlich ein Social Network. Wer sich anmeldet, bekommt ein Profil, in dem man alles Mögliche angeben kann: Lieblingsessen, Haarfarbe, Penisgröße. Zusätzlich lädt man einige Bilder hoch. Seit kurzer Zeit gibt es auch bei Gay Romeo einen Live-Radar.

Angefangen GayRomeo zu nutzen, habe ich vor 14 Jahren - damals war ich gerade mal 15. Mit der Zeit hat sich daraus eine tägliche Beschäftigung ergeben: eigenes Profil aktualisieren, andere Profile checken, Dates finden. Dass solche Dates dann oft nur Synonym für Sex waren, ist ein offenes Geheimnis. Wenn ich über die Zahl der Dates nachdenke, graust mir. Ich bin darauf heute nicht besonders stolz.

Das größte Problem der Dating-Apps ist aber, dass man emotional total abstumpft. Nicht nur einmal habe ich mich nach dem ersten Anblick meines Dates umgedreht und bin kommentarlos gegangen: Wenn die erwartete Ware nicht eingetroffen ist, hat man sie eben zurück geschickt - so war das.

Zu meinem großen Glück habe ich aber auch das genaue Gegenteil erlebt, so wie damals mit Martin. Auch damals - ich war 22 Jahre alt - haben wir uns auf GayRomeo gesehen und haben uns auf einen Sekt an der Dreisam verabredet: Als ich ihn sah, war ich vor Bewunderung atemlos, auch wenn das jetzt nach Helene Fischer klingt. Umso schöner, dass ihn nach so einer langen Zeit nun wiedergetroffen habe. Auch dieses Mal waren wir voneinander auf Anhieb begeistert, wir haben uns gesehen und uns beiden war klar, dass wir jetzt ein Paar sind. GayRomeo sei Dank.

[Aufgezeichnet von Marius Buhl]

Einen ausführlichen Bericht über seine Selbsterfahrung mit der Dating-App Tinder hat fudder-Redakteur Marius Buhl hier aufgeschrieben:
Mehr dazu:

 
[Bild 1: © XtravaganT - Fotolia.com; Bilder 2 bis 4: Promo]