"Love or Hate"-Parade am 1. Mai

Markus Hofmann

Viele Flyer und Plakate kündigen es schon an: Nach einem Jahr Pause wird am Dienstag, 1. Mai, wieder die "Love or Hate"-Parade durch die Freiburger Innenstadt ziehen - zum sechsten Mal seit 1996. Dass sich die Initiatoren erstmals den Tag der Arbeit für ihre Prozession ausgesucht haben, ist kein Zufall: Die "Love or Hate"-Parade birgt mehr Zündstoff als in der Vergangenheit.



Die Website der KTS nennt acht Gruppen als Initiatoren - allesamt aus der linksalternativen bis linksradikalen Szene. Neben der KTS unterstützen zwei Antifa-Gruppen aus Freiburg und Offenburg, La Banda Vaga,  die Schattenparker, die Anarcho-Gewerkschaftsinitiative FAU, die Freiburger Straßenpunks und eine anarchistische Gruppe aus Frankreich die Parade.


Im Gegensatz zu klassischen Party-Demos wie der Street Parade in Zürich war die Freiburger Demonstration immer mehr als ein Fun-Event zu Techno-Beats. "Die Parade ist auf jeden Fall eine politische Veranstaltung", sagt einer der Initiatoren, der sich selbst als "linksradikal" bezeichnet und namentlich nicht genannt werden möchte. "Sicher auch mit Spaßcharakter, aber wir wollen keine klassische Demo." Diese traditionell politische Ausrichtung zeigt auch die Geschichte der "Love or Hate-Parade". In diesem Jahr gibt es ein ganzes Bündel von Themen, die unter dem Motto "Für mehr autonome Freiräume - gegen jegliche soziale Kürzungen" zusammen gefasst werden:
  • Die Verhandlungen um den neuen Mietvertrag der KTS, der Ende des Jahres ausläuft
  • Die Situation der Schattenparker.
  • Die finanzielle Situation des Alternativsenders Radio Dreyeckland, der Zuschüsse an das Land zurück zahlen soll.

Solcherlei Zusammenkünfte der linksalternativen Szene sind in den vergangenen zwölf Monaten nicht immer friedlich geblieben. Bei Zusammenstößen beim DIY-Festival im vergangenen Juli hat ein junger Polizist 70 Prozent der Sehleistung eines Auges verloren. Im Dezember ermittelte die Polizei dann in den eigenen Reihen gegen einen Beamten, der bei einer Demo in der Freiburger Innenstadt (Foto links) einen Demonstranten geschlagen haben soll.

Typischer Konfliktherd: Zwischen der Polizei, den Behörden und dem linksalternativen Lager wird im Vorfeld nicht kommuniziert - wobei die Polizei durchaus stärker an einem Dialog interessiert zu sein scheint als das linke Lager. Und so wird - so die unmissverständliche Ankündigung der linken Szene - auch diese Demo am 1. Mai nicht angemeldet werden. Die Freiburger Polizei zeigt sich trotzdem gelassen. Polizeisprecher Ulrich Brecht: "Wir wissen um die Aufrufe und werden damit umzugehen wissen. Am besten wäre es aber, wenn sich im Vorfeld einer meldet." 

Gegen 19 Uhr (also zum ersten Mal abends) soll die "Love or Hate-Parade" am 1. Mai beginnen - Start ist "Im Grün" an der Ecke Belfortstraße / Wilhelmstraße.  Die Veranstalter rechnen mit mehr als 1000 Teilnehmern, die von etwa fünf DJ-Wagen (Electro, Reggae) und einer Samba-Band begleitet werden sollen. Nach Ende der Demo soll eine Abschlussparty statt finden - vermutlich in der KTS. Über die Route, die der Demonstrationszug einschlagen wird, gibt es keine Informationen. "Wir werden durch die Innenstadt ziehen - dann sehen wir mal."

Wie zu hören ist, hat die linksalternative Szene auch bei Freiburger Kulturvereinen und Beratungsstellen, denen städtische Zuschusskürzungen drohen, um Unterstützung geworben. Die Reaktionen waren wohl eher zurükhaltend. Mag sein, dass sich nicht alle mit der Tonalität der Veranstalter identifizieren können, die im Vorfeld erklingt. So sagt einer der Initiatoren, mit dem wir heute telefoniert haben: "Das wird ganz klar eine antikapitalistische Demo. Mich nervt das, dass der 1.Mai von den Gewerkschaften zu einem Bratwurstfressen gemacht worden ist." Dafür hoffen die Initiatoren, dass sich Teilnehmer des traditionellen 1. Mai-Fests in der Spechtpassage der Prozession anschließen.