Hauptbahnhof Freiburg

Lokführer vergisst zu halten – ICE rauscht einfach durch

Lena Konstantinidis

Ohne zu halten ist der ICE 108 von Basel auf dem Weg nach Köln am vergangenen Sonntag durch den Hauptbahnhof in Freiburg gerauscht. Der Grund: Der Lokführer hatte den Halt ganz einfach vergessen.

Anke Buxmann, die mit ihrem Mann und den beiden Kindern am Sonntag am Bahnsteig wartete und auf dem Heimweg nach Brüssel war, wunderte sich zunächst. Der Intercity-Express um 11.57 Uhr, in den sie eigentlich einsteigen wollten, raste in hohem Tempo an den Wartenden vorbei.


Kurze Zeit später erlosch die Anzeige des ICE 108 am Bahnsteig und eine Durchsage ertönte. Die Wartenden wurden aufgefordert, sich nach anderen Zügen umzusehen, da der Zug "aus unerklärlichem Grund" nicht angehalten habe.

Den Halt einfach vergessen

Ratlosigkeit überall. Auch am Hauptbahnhof konnten die Bahn-Mitarbeiter erstmal nicht erklären, warum der planmäßige Stopp nicht eingehalten wurde. Das übernahm dann später die Pressestelle der Deutschen Bahn: Der Lokführer habe den Halt einfach vergessen. Das, betonte die Pressestelle mehrmals, komme nicht oft vor. Die Deutsche Bahn entschuldige sich bei allen Fahrgästen für die Unannehmlichkeiten. Fakt ist, dass bereits am 12. März 2002, am 22. April 2008 und 3. Oktober 2011 ICE-Lokführer den Stopp in Freiburg ignorierten.

Unannehmlichkeiten gab es tatsächlich. Am Sonntag nämlich waren nicht alle Schalter im Reisezentrum des Hauptbahnhofs besetzt, sodass die stehengebliebenen Bahnkunden teilweise warten mussten. Die Fahrgäste wurden gebeten, den nächsten Zug, den ICE 278, zu nehmen, der planmäßig um 12:57 Uhr Richtung Berlin fuhr. Außerdem wurden sie über mögliche Anschlusszüge informiert.

"Durch den späteren Zug konnten wir natürlich auch unseren Anschlusszug in Köln nicht nehmen", sagt Anke Buxmann.

So stieg sie mit ihrer Familie nicht in Köln um, sondern schon in Mannheim. Durch die Panne waren jedoch auch die gebuchten Sitzplatzreservierungen entfallen, sodass die Familie im Hochgeschwindigkeitszug Thaly im Gang sitzen musste. Auch in den anderen Anschlusszügen war die Sitzplatzsuche zunächst schwierig, obwohl die Mitarbeiter der Bahn laut Anke Buxmann sehr zuvorkommend und hilfsbereit waren: "Wir sind in Brüssel mit einer Stunde Verspätung angekommen, was noch im Rahmen ist. Das einzig Lästige war nur, dass die Züge und auch die Bahnhöfe sehr voll waren."

Aber nicht nur die Wartenden am Bahnsteig mussten umdisponieren, sondern auch die Fahrgäste im ICE, die ursprünglich in Freiburg hatten aussteigen wollten. Der aus Basel kommende Zug stoppte statt in Freiburg erst in Offenburg, wo die Fahrgäste endlich aussteigen konnten. Für sie hieß es, entweder zurückzufahren oder sich nach anderen Anschlusszügen zu informieren.

Was betroffene Reisende tun können

Nach Auskunft der Bahn-Pressestelle haben die Fahrgäste aufgrund der Unannehmlichkeiten Anspruch darauf, 25 Prozent des Fahrpreises erstattet zu bekommen, sobald der Zug mindestens 60 Minuten Verspätung hat; ab 120 Minuten Verspätung gibt es 50 Prozent des Fahrpreises.

Beantragt werden kann die Erstattung entweder in einem der Reisezentren der Deutschen Bahn oder über das Fahrgastrechte-Formular. Wer die Erstattung beantragt, braucht dazu die Originalfahrkarte.