Location-Check: Public Viewing im Vorderhaus

Berti 'piercer' Vogts

Wohin, wenn man Spiele der Fußballweltmeisterschaft nicht vor dem heimischen Fernseher aber auch nicht in Gesellschaft von Menschen verbringen will, die Deutschlandfahnen als Kleidung benutzen und Vuvuzelas für Musikinstrumente halten? Berti 'Piercer' Vogts hat sein Public Viewing-Glück gestern Abend im Vorderhaus gesucht. Der Location-Check.



Die Location

Das Vorderhaus ist seit der Renovierung und dem Auszug der Vorgänger-Crew vor knapp eineinhalb Jahren klarer und deutlich weniger alternativ geworden als in früheren Jahren. Trotzdem zieht es immer noch ein erwachsenes, akademisch anmutendes Publikum an. Dementsprechend kann man sich hier die Fussballweltmeisterschaft ohne deutschdumpfe Nebentöne in Ruhe ansehen.

Es gibt eine Leinwand und einen großen Bildschirm im Außenbereich, in dem geraucht werden darf, zwei Fernseher im Restaurant und eine große Leinwand im Vorderhaus-Saal. Beim ersten Vorrunden-Spiel der deutschen Mannschaft ist es gut gefüllt, aber nicht unangenehm überfüllt.

Wer war am Start?

Keine einzige Vuvuzela und auch keine als Kleidungsstücke entfremdete Deutschlandfahnen. Im Vorderhaus wird dezent und geschmackvoll Fußball geguckt. Hier ein Trikot an einem Kleinkind, da ein Trikot-inspiriertes T-Shirt, dort ein schwarz-rot-goldener Haarreif. Es gibt keine schwarz-rot-goldenen-Dinge, die dem Auge schlimm weh machen. Schön!



Auffallend ist der hohe Frauenanteil: heute abend scheinen nicht nur viele Paare und Familien, sondern gleich mehrere Frauencliquen zum WM gucken gekommen zu sein. Während am einen rein weiblich besetzen Nachbartisch der Freundin mal eben noch das Abseits erklärt wird ("Das ist dann, wenn da vorne beim Tor kein anderer mehr ist.") wird am anderen Nachbartisch (eine Runde Abiturientinnen plus Quoten-Mann) darüber debattiert, wer denn wohl dieser "gutaussehende Özil" (gesprochen "Ötzil") sei.

Ein angenehmes Publikum.

 

Catering & Getränke

 



Das kulinarische Angebot im Vorderhaus – ohnehin immer gut – ist der Veranstaltung angepasst. Auf der WM-Karte stehen Spare-Ribs und der Champion-Burger, auf der Tageskarte Springbock und Strauß. Eigentlich gehört heute da ja Känguruh drauf, aber das macht nix, denn das Schlachten desselben übernehmen ja ohnehin Jogis Jungs in Durban. Wer mag, kriegt seine Tierstücke auch vom Grill, der im Hof aufgebaut ist.

Für Nichtfleischesser gibt es Rucolasalat an Erdbeer-Avocadotartar und diverse Pastagerichte, und neben dem Espresso zum Dessert liegt ein kleiner Fußball aus Schoki.

Alles sehr zivilisiert, durchdacht und lecker.

Spiel-Atmosphäre & Fan-Stimmungs-TÜV

Die meisten der BesucherInnen sind derart organisiert aufgelaufen, dass zum Anpfiff das Essensgeschirr abgeräumt ist und zu Kaffee und Wein oder Bier ordentlich geraunzt wird. Der Applaus bei gelungenen Aktionen ist freundlich-verhalten, der Jubel bei Toren aber groß.

Im Vorderhaus wird zivilisiert und entspannt Fußball geguckt. Und die Nationalhymne hat übrigens auch niemand mitgesungen.

 

 

Auf dem Klo zur Halbzeit

.... ist alles tipptopp.

 

Aufheiterle

"Der läuft ein wie Spartakus!" ruft eins der Abiturientinnen-Mädels am Nachbartisch bei der Einwechslung von Mario Gomez auf. Recht hat sie. Da geben auch anwesende fußballinteressierte Männer ihre hochkonzentrierte Haltung auf und sehen den ganzen Abend plötzlich durch und durch locker. Zumal es zu diesem Zeitpunkt schon 4:0 für die deutsche Mannschaft steht.

   

Aufregerle

"Darf ich abkassieren?". Aus organisatorischen Gründen müssen die unaufgeregt freundlichen und zuvorkommenden Servicemitarbeiterinnen und -mitarbeiter nach jeder Bestellung abkassieren. Verständlich, dass sie das tun, um (ungeplante) Zechprellerei zu vermeiden, schließlich setzen sich Leute beim Fußball schon mal um oder gehen frustriert nach Hause, weil ihr Team schlecht spielt. Trotzdem ist das ein winzigkleines bisschen nervig. Aber wirklich auch nur ein ganz ganz winzigwinzigkleines bisschen. Eigentlich gar nicht. Macht nur das Trinkgeld geben schwer. Macht man das einmal, üppig, am Anfang? Oder jedes Mal zehn Cent? Oder ein Mal üppig am Ende? Herr Knigge? Betül? Hilfe!

 

Fazit

  Wenn man sich WM-Spiele zu leckerem Essen, ohne 'SCHLAAAAAAAAAAAAAAAAAND'-'SCHLAAAAAAAAAAAAAAAAAAND'-trunkene Peinlichkeiten und ohne Augenschmerzen wegen Kleidung in den Nationalfarben ansehen will, dann ist das Vorderhaus in der Habsburgerfabrik trotz Baustellenslalom der richtige Ort.

 

Mehr dazu:


Vorderhaus in der Fabrik

Habsburgerstraße 9
0761/5577070

Öffnungszeiten

Montag bis Freitag 11:30 bis 1 Uhr
Samstag 10 bis 1 Uhr
Sonntag 9:30 bis 24 Uhr