Vernetzen

Locartista will Freiburger Künstlerinnen empowern

Carolin Johannsen

Das Locartista-Festival will Künstlerinnen vernetzen – mit kostenlosen Workshops, Artist-Speed-Dating, Poetry-Jam und Aftershow-Clubbing. Dieses Jahr findet es zum zweiten Mal statt – vom 26. bis 28. September. fudder erzählen die Macherinnen, was neu ist.

Im Interview mit fudder haben Manuela "Ella" Kugler, Ute Hoffmann, Kaja Dohrn und Deborah Streib aus dem Orga-Team erzählt, warum sich ein Festival-Besuch lohnt.

Was genau ist das Locartista-Festival?

Ella: Locartista ist ein Festival, das wir machen, weil uns aufgefallen ist, dass weiblich sozialisierte Künstlerinnen immer noch unterrepräsentiert und männlich sozialisierte Künstler viel stärker vertreten sind. Wir haben uns gefragt, wo die weiblich sozialisierten Künstler denn sind. Deswegen wollen wir mit dem Festival weiblichen Künstlerinnen und allen, die es werden wollen, in Freiburg eine Bühne bieten. Das Festival soll dazu dienen, zu zeigen, dass es diese Künstlerinnen gibt und dass es sie auch in großer Zahl gibt.

Was ist euer Ziel mit dem Festival?

Ella: Uns ist aufgefallen, dass das Vernetzen noch nicht ganz so gut funktioniert. Wir wünschen uns, dass noch mehr Leute in Kontakt kommen, vielleicht Projekte gemeinsam machen. Schön ist zum Beispiel, dass wir Workshop-Teilnehmerinnen aus dem letzten Jahr haben, die in diesem Jahr als Künstlerinnen auftreten. Sowas ist natürlich super. Wenn es klappt, wollen wir außerdem im Jos-Fritz-Café ein Künstlerinnencafé etablieren, damit es in einem kontinuierlichen Turnus einen Austausch gibt.

An wen richtet sich das Locartista?

Ella: Wir wollen Leute empowern, die sich vielleicht noch nicht als Künstlerin wahrnehmen, es aber gerne möchten, oder Leute die sich dafür interessieren, aber noch nicht so richtig die Bühne gefunden haben.

Ute: Die Workshops sind auf jeden Fall schon spannend für Schülerinnen, aber auch zum Beispiel für die 60-jährige Frau, die sich dafür interessiert. Das Festival ist aber für alle offen jeglicher Identität.

Ella: Männer sind auch herzlich willkommen. Wenn es Restplätze in den Workshops gäbe wäre das auch voll okay, dass sie auch an den Workshops teilnehmen.

Was hat euch dazu gebracht, das Festival jetzt zum zweiten Mal zu veranstalten?

Ella: Wir wollen etablieren, dass es diesen Support dauerhaft gibt. Wir sehen immer noch Handlungsbedarf und vor allem war das Festival im letzten Jahr super gut ausgebucht. Das hat uns gezeigt, dass der Bedarf auch da ist.

"In diesem Jahr haben wir für das gesprochene Wort mehr Platz." Katja

Habt ihr das Gefühl, dass sich seit dem letzten Jahr in der Szene etwas geändert hat?

Kaja: Ich glaube, das dauert, bis sich etwas in der Szene ändert. Meinem Empfinden nach sind aber ein paar mehr weibliche DJanes aufgetreten.
Anmeldung

Die Anmeldung für die Workshops läuft über die Locartista-Website noch bis zum 26. September. Man meldet sich direkt bei den Workshop-Leiterinnen an. Sollten alle Workshops ausgebucht sein, kann man noch am Druckkunst-Workshop von 14 bis 17 Uhr im Artik teilnehmen.

Was ist in diesem Jahr neu?

Kaja: In diesem Jahr haben wir für das gesprochene Wort mehr Platz, weil es in diesem Jahr einen Poetry Jam gibt. Und dann gibt es als ganz neuen Punkt die sogenannten Lebenslauf-Vorträge, wo FLINT*-Personen (Frauen, Lesben, Inter, Trans) von ihrem Werdegang in der Kultur, welcher Art auch immer, berichten.
Ute: Neu ist auch das Artist-Speed-Dating, weil wir auch viel beim Vernetzen von Künstlern und kunstinteressierten Menschen bewirken wollen. Wir haben uns überlegt, wie man Menschen ins Gespräch bekommt, die sich vielleicht nicht trauen, in der Ausstellung einfach jemanden anzusprechen. Das Speed-Dating dauert zehn Runden, wo Menschen jeweils fünf Minuten in einer Zweierkonstellation über verschiedene Fragen sprechen.
Ella: Wir haben jetzt auch zwei Abende nacheinander DJanes und haben das ganze Festival etwas weiter ausgedehnt.

Was hat sich im letzten Jahr bewährt?

Ella: Die Workshops sind wie im letzten Jahr und kostenfrei auf Spendenbasis. Wir wollen da keine Paywall haben, deswegen machen wir die Sachen gratis. Wenn jemand also einen kleineren Geldbeutel hat, kann er trotzdem gerne kommen. Wir finanzieren uns unter anderem mit den Abendveranstaltungen gegen und sind da natürlich drauf angewiesen, dass viele Leute kommen.

Welche Bereiche sind in diesem Jahr besonders gut vertreten?

Ella: Es ist eher eine bunte Mischung von allen Bereichen. Ich muss aber sagen, dass wir viele DJanes haben im Vergleich zum letzten Jahr.
Ute: Das Festival ist relativ musiklastig.
Kaja: Die Sachen, die im letzten Jahr etwas zu kurz kamen, haben in diesem Jahr mehr Platz gefunden.

Wie kam das Line-Up in diesem Jahr zustande?

Ella: Wir haben einfach alle Leute gefragt, die wir kennen, ob sie Bock haben. Wir haben wild rumrekrutiert. Ein Teil von uns ist selber als Künstlerinnen tätig und da haben wir einfach rumgefragt, wer wen so kennt.
Info

Die Organisatorinnen sprechen von "weiblich sozialisierten Künstlerinnen", um weiblich inklusiv zu sein. Sie sehen außerdem davon ab, umgekehrt exklusiv zu sein, weshalb, wenn noch Workshop-Plätze frei sind, auch Männer teilnehmen dürfen. An allen sonstigen Programmpunkten des Festivals sind Männer* ausdrücklich erwünscht.

Was sind eure persönlichen Lieblingsprogrammpunkte?

Deborah: Ich freue mich ganz besonders auf die Lebenslauf-Vorträge, weil da vier starke, überwiegend weibliche Persönlichkeiten auf der Bühne stehen und vorstellen, wie sie so ihren Weg gegangen sind. Ich denke, da kann man viel mitnehmen.
Ella: Ich habe einfach Bock auf’s gesamte Festival.
Kaja: Ich glaube auch, die Lebenslaufvorträge werden sehr spannend. Und ich freue mich auf die Clubabende, dass es da richtig abgeht.

Ute: Ich mag Rap ganz gerne, deswegen freue ich mich gerade total darauf, aber an sich freue ich mich auf das ganze Festival.

Gibt es schon Pläne für’s nächste Jahr?

Ella: Wir wollen es auf jeden Fall nochmal stattfinden lassen.

  • Was: Locartista Festival Freiburg
  • Wann: Donnerstag, 26. September, bis Samstag, 28. September
  • Wo: Jos Fritz Café (Wilhelmstraße 15) und Artik (Haslacher Straße 43)

Disclaimer: Am Locartista-Festival wirkt auch fudder-Redakteurin Anika Maldacker mit einem Vortrag und einem Workshop mit. Wir hätten aber auch über das Fetsival berichtet, wenn Anika nicht teilnehmen würde, weil wir die Idee hinter Locartista wichtig finden.

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