Polizei findet weitere DNA-Spuren

Liveticker zum Nachlesen: Es gibt neue Erkenntnisse zur Gruppenvergewaltigung in Freiburg

Daniel Laufer

Eine 18-Jährige soll in Freiburg von mehreren Männern vergewaltigt worden sein. Gegen einen Hauptverdächtigen lag schon vor der Tat ein Haftbefehl vor. Jetzt präsentieren die Ermittler neue Erkenntnisse.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Polizei hat DNA-Spuren von zwei weiteren, bislang unbekannten Verdächtigen gefunden.
  • Der Hauptverdächtige ist einer weiteren gemeinschaftlichen Vergewaltigung aus dem Jahr 2017 verdächtig.
  • Es gibt eine starke Zunahme bei den Sexualdelikten in Freiburg. Mehr als die Hälfte der Verdächtigen seien Ausländer.
  • Derzeit sind im Bereich des Polizeipräsidiums Freiburg 2500 Haftbefehle offen.

Nach der mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung in Freiburg erläutern Polizei und Staatsanwaltschaft auf einer Pressekonferenz das Ermittlungsverfahren. Auf dem Podium: Laura Riske (Polizeisprecherin), Bernd Belle (stellvertretender Leiter der Kriminalpolizei), Bernhard Rotzinger (Polizeipräsident), Michael Mächtel (Oberstaatsanwalt Staatsanwaltschaft Freiburg). Etwa ein Dutzend Kamerateams ist vor Ort. Der Fall hatte von Anfang an bundesweites Medieninteresse auf sich gezogen.

10.38 Uhr: Oberstaatsanwalt Michael Mächtel spricht als Erster. "Der Umgang mit Informationen in dieser Phase der Ermittlungen ist besonders sorgsam abzuwägen. Dem zweifellos großen und sehr berechtigten Interesse der Öffentlichkeit stehen insbesondere der Schutz der Persönlichkeitsrechte des Opfers aber auch der Tatverdächtigen gegenüber." Besonders bedeutsam für die Ermittlungsbehörden sei auch der Schutz der laufenden Ermittlungen. "Diese dürfen auf keinen Fall gefährdet werden." Die Hauptverhandlung vor Gericht wolle er nicht vorweg nehmen.

Mächtel sagt, der Hauptverdächtige soll nach der Tat zurück in den Club gegangen sein und mehreren Männern gesagt haben, das Opfer liege wehrlos in dem Wäldchen.

10.44 Uhr: Die junge Frau hatte sich am Sonntag nach der Tat zunächst beim Polizeirevier Waldkirch gemeldet, sagt Kriminaldirektor Bernd Belle. Es gebe zwei DNA-Treffer in der Datenbank und noch zwei weitere DNA-Spuren. Letztere gehörten zu keinem der acht Verdächtigen. Zu wem sie gehören, sei noch unklar.

"Das Opfer wirkt für uns stabil", so Belle. Er sagt aber auch: "Vorgestern hat sie uns berichtet, dass die große Medienberichterstattung für sie langsam belastend ist."

Verdacht einer weiteren Vergewaltigung

10.53 Uhr: Gegen den Hauptbeschuldigten, einen 22-jährigen Begleiter sowie eine weitere Person, die nicht an der Vergewaltigung an der Hans-Bunte-Straße beteiligt gewesen sein soll, besteht in einem weiteren Fall der Verdacht einer gemeinschaftlichen Vergewaltigung einer weiteren Person. Diese Tat soll 2017 in der Wohnung des Hauptbeschuldigten stattgefunden haben.

"Es gibt widersprüchliche Angaben zum Tathergang, auch in diesem Fall dauern die Ermittlungen an", sagt Belle. Es habe zwar einen Tatverdacht, aber keinen dringenden Tatverdacht gegeben. Deshalb habe damals kein Haftbefehl erwirkt werden können.

10.58 Uhr: Freiburgs Polizeipräsident Bernhard Rotzinger spricht die Sicherheitslage in Freiburg an. In diesem Jahr seien 10.000 Personenkontrollen durchgeführt worden, 4700 Durchsuchungen und 220 Festnahmen. 52 Haftsachen seien der Staatsanwaltschaft vorgelegt worden.

11.04 Uhr: Die Zahl der Sexualdelikte in Freiburg habe zuletzt stark zugenommen. "Wir unternehmen alles, um diesen Trend zu brechen", sagt Rotzinger. "Die Aufklärungsquote liegt aktuell bei 70 Prozent." Etwas mehr als die Hälfte der Tatverdächtigen seien Ausländer.

11.07 Uhr: Belle spricht über die Fotos, auf denen sich Tatverdächtige auf ihren Profilen in sozialen Medien mit Waffen gezeigt hatten – wohl in Syrien. In welchem Rahmen diese Aufnahmen entstanden sind, sei bislang unklar.

Details zum Tatablauf

11.11 Uhr: Der Hauptverdächtige soll der jungen Frau im Club zunächst eine Tablette gegeben haben, mutmaßlich Ecstasy, und ein Getränk. Inwiefern beides dazu führte, dass die junge Frau wehrlos gewesen sein soll, sei noch Gegenstand der Ermittlungen. Näheres wollen die Ermittler dazu nicht sagen: Zeugen sollten nicht beeinflusst werden.

Die Staatsanwaltschaft will aktuell nicht sagen, inwiefern der Hauptbeschuldigte mit den Ermittlern kooperiert. Das würde den Ermittlungserfolg gefährden, so Oberstaatsanwalt Mächtel.

11.17 Uhr: Rotzinger wird gefragt, wie viele Haftbefehle derzeit offen sind. Rund 2500 Personen seien derzeit im Bereich des Polizeipräsidiums Freiburg zur Fahndung ausgeschrieben, antwortet der Polizeipräsident.

11.23 Uhr: Der Vergewaltigungsfall von 2017, dem unter anderem der jetzt Hauptverdächtige ebenfalls verdächtig sei, sei nicht vergleichbar mit dem aktuellen an der Hans-Bunte-Straße, führt Mächtel aus. Das damalige Opfer habe zum sozialen Umfeld des Hauptverdächtigen gehört. Im Fall der Vergewaltigung an der Hans-Bunte-Straße hatte es zwischen dem Beschuldigten und dem Opfer keine Vorbeziehung gegeben.

11.28 Uhr: Kriminaldirektor Belle erklärt, warum es so schwierig gewesen sei, den Hauptbeschuldigten festzunehmen: "Zu den Zeitpunkten, als wir da waren, war er untergetaucht."

11.36 Uhr: Mächtel erklärt, warum die einzelnen bestehenden Verfahren gegen den Hauptbeschuldigten – etwa der Verdacht der Körperverletzung – nicht schon eher zu einem Haftbefehl gereicht hätten. Die Antwort des Oberstaatsanwalts: Für einen Haftbefehl müsse zunächst ein Gesamtbild des Tatverdächtigen entstehen, verschiedene Verfahren mussten zusammengeführt werden. Für einen Haftbefehl brauche es dringende Gründe: Fluchtgefahr, Verdunkelungsgefahr oder Wiederholungsgefahr.

11.40 Uhr: Die Pressekonferenz ist vorbei, die Ermittler geben Journalisten jetzt noch Interviews. Damit beenden wir unseren Live-Ticker.
Haftbefehl nicht vollzogen – warum?

Ein zunächst nicht vollstreckter Haftbefehl gegen einen Verdächtigen sorgt nämlich für Ärger und bringt Innenminister Thomas Strobl (CDU) in Erklärungsnot. FDP-Landtagsfraktionschef Hans-Ulrich Rülke forderte Aufklärung dazu, warum der Haftbefehl vom 10. Oktober zunächst nicht vollzogen wurde. Der schwere sexuelle Übergriff geschah in der Nacht zum 14. Oktober.

Auch der Vizechef der SPD-Landtagsfraktion, Sascha Binder, sagte: "Die Bevölkerung hat ein Recht darauf zu erfahren, aus welchen Gründen der Haftbefehl tatsächlich nicht vollstreckt wurde." Der Innenminister müsse sich in der nächsten Sitzung des Innenausschusses äußern. Das Innenministerium fühlt sich zu Unrecht angegriffen. dpa

Hauptverdächtiger als Intensivtäter bekannt

Die 18 Jahre alte Studentin soll nach einem Disco-Besuch von mehreren Männern vergewaltigt worden sein. Acht Verdächtige sitzen in Untersuchungshaft - sieben Syrer im Alter von 19 Jahren bis 29 Jahren und ein 25 Jahre alter Deutscher. Die am Opfer gefunden Körperspuren sowie Vernehmungen und verdeckte Maßnahmen führten zur Festnahme der acht Männer.

Der Mann, gegen den bereits der Haftbefehl wegen eines anderen Deliktes vorlag, soll mit der 18-Jährigen die Disco verlassen haben. Der Haftbefehl wurde erst am 21. Oktober vollstreckt - obwohl nach Angaben der "Bild"-Zeitung darauf vermerkt war, dass der Mann als Intensivtäter einzuschätzen sei. dpa

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