Gegen Rechts

Livestream: Das #wirsindmehr-Konzert in Chemnitz

afp, dpa & BZ-Redaktion

Mit dem "#wirsindmehr"-Konzert in Chemnitz wollen die beteiligten Musiker ein lautes Zeichen gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit setzen. Mehr als 50.000 Menschen sollen gekommen sein.



Mit einer Schweigeminute zu Ehren des bei einer Messerattacke in Chemnitz getöteten 35-Jährigen hat in der sächsischen Stadt am Montagabend ein Konzert gegen Rassismus, Ausländerfeindlichkeit und Gewalt begonnen. Bands wie die Toten Hosen, Kraftklub oder Feine Sahne Fischfilet waren für die Veranstaltung unter dem Motto "#wirsindmehr" extra angereist. Gekommen sind wohl mehr als 50 000 Zuschauer. Besondere Vorkommnisse gab es nach Polizeiangaben zunächst nicht. Bislang sei alles ruhig verlaufen, hieß es zum Konzertauftakt von den Beamten.
Programm

17:00 Begrüßung & Schweigeminute
17:20 - 17:45 Trettmann
17:55 - 18:25 Feine Sahne Fischfilet
18:35 - 19:05 K.I.Z
19:15 - 19:45 Kraftklub
19:55 - 20:25 Nura / Marteria & Casper
20:40 - 21:15 Die Toten Hosen


In Chemnitz kommt es seit Tagen zu fremdenfeindlichen Demonstrationen und Gegenprotesten. Auslöser war der Tod eines 35 Jahre alten Deutschen bei einer Messerattacke am 26. August. Zwei seiner Begleiter wurden verletzt. Als Tatverdächtige sitzen ein Iraker und ein Syrer in Untersuchungshaft.

Die Stadt Chemnitz hatte vor dem Open-Air Demonstrationen des ausländer- und islamfeindlichen Bündnisses Thügida und der rechtspopulistischen Bewegung Pro Chemnitz untersagt. Zur Begründung hieß es, die angedachten Veranstaltungsflächen seien bereits belegt.

Vor dem Konzert gegen Fremdenhass und Gewalt in Chemnitz haben die beteiligten Musiker um Unterstützung für diejenigen Menschen geworben, die sich tagtäglich gegen Rechts engagieren. Es sei "wichtig zu zeigen, dass man nicht allein ist", sagte Felix Brummer von der Chemnitzer Band Kraftklub am Montag vor Journalisten. Das Problem Rechtsextremismus werde "leider morgen nicht weg sein".

Campino von den Toten Hosen sagte, es gehe bei dem Konzert nicht nur darum, Musik zu hören, sondern sich "solidarisch zu erklären mit denen, die hierbleiben, die den Kampf jeden Tag durchziehen". "Alles, was Anstand hat", müsse sich gegen den rechten Mob stellen.

In Chemnitz war es nach dem Tod eines 35-Jährigen vor gut einer Woche mehrfach zu Demonstrationen rechter Gruppierungen gekommen, es gab auch Angriffe auf Ausländer. Zwei Männer aus Syrien und dem Irak sitzen wegen des Tötungsdelikts in Untersuchungshaft.

Mehrere Musiker und Bands fanden sich daher in kürzester Zeit zusammen, um am Montagabend mit einem Open-Air-Konzert in Chemnitz ein Zeichen gegen Rechtsradikalismus, Fremdenhass und Gewalt zu setzen. An der Veranstaltung beteiligen sich neben den Toten Hosen und Kraftklub unter anderem auch Marteria und Feine Sahne Fischfilet.

"Wir sind nicht naiv. Wir geben uns nicht der Illusion hin, dass man ein Konzert macht und dann ist die Welt gerettet."Felix Brummer von Kraftklub


Bei dem Konzert sollten auch Spenden gesammelt werden, die jeweils zur Hälfte an die Familie des getöteten Daniel H. und an antirassistische Initiativen in Sachsen gehen sollen, sagte Sören Uhle, Geschäftsführer der Chemnitzer Wirtschaftsförderung. Die Polizei ist mit einem verstärkten Aufgebot im Einsatz und erhält Unterstützung von Beamten aus Berlin, Bremen, Thüringen und weiteren Bundesländern.

Der Rostocker Rapper Marteria sagte bei der Pressekonferenz in Chemnitz, die Situation in der sächsischen Stadt erinnere ihn an die Ausschreitungen gegen ein Asylbewerberheim in seiner Heimatstadt vor 26 Jahren. Im August 1992 hatten hunderte Gewalttäter mit Steinen, Molotowcocktails und Feuerwerkskörpern eine Aufnahmestelle für Asylbewerber in Rostock-Lichtenhagen angegriffen. Schaulustige bekundeten damals offen Sympathie für die Angreifer. Die Polizei schaffte es nicht, der Lage Herr zu werden.

"Bei mir sitzt das sehr tief, was hier passiert ist", sagte Marteria alias Marten Laciny mit Blick auf die Auseinandersetzungen in Chemnitz in den vergangenen Tagen. Es gehe ihm mit seinem Auftritt "um die Leute in Sachsen, die nicht so denken, die für Vielfalt und für verschiedene Kulturen stehen".

Monti von der Band Feine Sahne Fischfilet sagte, man müsse sich entgegenstellen, "wenn so ein rassistischer Mob einen Mord instrumentalisiert" und sich mit den Leuten solidarisieren, "die sich in solchen Situationen gerade machen".

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