Little Britain-Public Viewing im Strandcafé

Tom Lissy

Die BBC-Serie 'Little Britain' ist böse, zynisch, politisch inkorrekt und schreckt vor keiner Randgruppe zurück, aber was nach plattem Stammtisch-Humor klingt, ist eigentlich nichts weiter als der klassische britische Humor, nur noch schwärzer, noch übedrehter und noch saukomischer als je zuvor. Rechtzeitig bevor die Übersetzer-, Synchronisations- und Imitationsverbrecher zuschlagen können und die Serie nach Deutschland kommt, werden am kommenden Freitag im Strandcafé einige Folgen der komischsten Fernsehserie seit Monty Pythons Flying Circus gezeigt.

"Britain, Britain, Britain… Einwohner: eine Millionen, Anzahl der Städte: neun, durchschnittliche Größe: dreißig, Schuhgröße acht! Aber wer genau sind Britannien? Während der nächsten siebzehn Stunden werden wir es herausfinden indem wir das Leben der normalen Briten verfolgen! Boom Boom, shake the room!!" So oder ähnlich abgedreht lauten die ersten, im Ton einer ernsthaften Dokumentation vorgetragenen Worte, die jede Folge des respektlosen und bitterbösen Comedy-Erfolgs Little Britain einläuten, und was danach folgt ist nicht minder durchgeknallt und gehört zum Komischsten, was in den letzten paar Jahren im Fernsehen gezeigt wurde.


Die beiden Hauptdarsteller Matt Lucas und David Walliams gehen ohne falsche Scham oder dem Wahn alles müsse politisch korrekt sein, auf die Suche nach der abstrusesten Pointe und übernehmen dabei selbst die meisten Rollen in dieser Serie.

Ob die selbst übergewichtige Marjoree sich sadistisch über ihre Diät-Gruppe „Fat Fighters“ hermacht, Mrs. De Veere sich davor drückt ihre überfällige Rechnung in einer Beauty Oase zu zahlen oder ob die erzkonservative Marmeladen-Testerin den soeben probierten Brotaufstrich fontänenartig erbricht, weil der von einer Inderin, einer Geschiedenen oder einer Lesbe zubereitet wurde – Alle und Jeder kriegen eins auf den Deckel.

Die Show beruht auf gleich bleibenden Charakteren, die in immer neuen Sketchen gezeigt werden, und obwohl jeder Charakter typische 'Catch-Phrases' immer wieder wiederholt werden die Sketche auf Dauer nicht langweiliger, sondern nur lustiger. Die Little Britain-Macher machen sich, obwohl alle Randgruppen in der Serie vermeintlich ihr Fett abkriegen, niemals wirklich über Dicke, Schwule, Behinderte oder Einwanderer lustig. Tatsächlich amüsieren sie sich über deren verdrehte Einstellung zu sich selber und der Welt oder die Sicht des Spießbürgertums auf diese Menschen. Leider, oder vielleicht auch zum Glück, läuft 'Little Britain' noch nicht im deutschen Fernsehen. Das Gerücht, dass der Mitte Januar startende deutsche Ableger von Comedy Central die Serie ausstrahlen möchte, hält sich aber standhaft, obwohl auf der Website des Senders 'Little Britain' im angekündigten Programm noch fehlt.
Man darf gespannt sein, ob es gelingen wird, diese anarchistischen Sketche ordentlich zu übersetzten und angemessen zu synchronisieren; bei zu vielen englische und englischsprachige Serien wie Fawlty Towers, Monty Python's Flying Circus und auch Southpark ist das bisher ja ordentlich daneben gegangen.

Bis dahin bleibt einem nur der kostspielige Weg, DVD-Boxen für viel Geld zu importieren, einzelne Sketche bei YouTube anzuschauen...oder eben am Freitag im Strandcafé, beim Café der Rosa Hilfe ein paar ausgewählte Folgen von 'Little Britain' im Kreis gleichgesinnter Anhänger des britischen Humors zu geniessen.

Mehr dazu:


Little Britain:
Website& Wikipedia& YouTube #1, #2, #3, #4

Was:
Little Britain Public Viewing
Wann: Freitag, 15. Dezember, 21:30 Uhr
Wo: Café der Rosa Hilfe im Strandcafé