Liquid Club: Neueröffnung als Parabel

Carolin Buchheim

Der Rolladen vor dem Eingang des Liquid Club ist nicht mehr ganz heruntergelassen. Denn im Kellerclub in der Universitätstraße tut sich etwas: schon Anfang März soll der Club von zwei neuen Betreibern unter einem alten Namen eröffnet werden. Caro war auf Baustellen-Besuch und hat sich das Disko-Konzept erklären lassen.


'
Es ist dieser Tage ziemlich trostlos im ehemaligen Liquid Club in der Universitätstraße. Von nackten Glühbirnen beleuchtet liegt die Inneneinrichtung von einst demontiert neben Neon-Leuchten und Deko-Elementen auf einem großen Berg aus Gerümpel. Die Sitzbänke mit den Leuchtwürfeln sind zerlegt, die Fliesen des Dancefloors zerschlagen. Auf der Theke liegt eine fingerdicke Staubschicht.


Bereits Anfang März soll es hier vollkommen anders aussehen. Denn dann wollen neue Betreiber alte Zeiten aufleben lassen. Der Club wird unter neuer Leitung wieder öffnet und den Namen Parabel tragen, so wie von 1979-85 und von 1997 bis 2001.

Oliver Mayer und Verena Metzler (Bild unten) sind neu in der Freiburger Nachtgastronomie-Szene, aber erfahrene Disko-Macher. Der sympathische 30-jährige Mayer betreibt seit zwölf Jahren Clubanimation, eine Promotion-Agentur, die DJs bucht und Themen-Events in Diskotheken durchführt.

Zuletzt hat das das Paar, das in Waldkirch lebt, zwei Jahre lang eine Großraum-Diskothek in Böblingen geführt, das Devino. „Wir waren auf der Suche nach einem kleineren Club, und da haben wir auf einer Immobilen-Website den Liquid Club entdeckt.“ Zuerst waren Oliver und Verena wenig begeistert. „Es war hier schon sehr versifft“, sagt Oliver. „Und schließlich hat der Club diese schreckliche Vorgeschichte.“



Die „schreckliche Vorgeschichte“ dürfte hinlänglich bekannt sein: bei einer spektakulären Drogen-Razzia in einer Freitagnacht Ende Juni vergangenen Jahres wurde rund einem Drittel der 100 Diskobesucher Drogenkonsum nachgewiesen werden. Es folgten Hausdurchsuchungen und 25 Ermittlungsverfahren. Die Stadt entzog dem damaligen Betreiber, Angelo Fattobuono, die Konzession. Der Club, der für und wegen seiner Techno-After-Hours bekannt und beliebt war, blieb seitdem geschlossen.

Fattobuono hat sich in den vergangenen Monaten nicht zur Zukunft des Clubs ge äußert. Das überraschte wenig, schließlich führt vor dem Verwaltungsgericht einen Prozess gegen die Entziehung der Konzession. Eine Entscheidung ist noch nicht in Sicht.



Wie es ist, einen Club mit „schrecklicher Vorgeschichte“ zu führen, damit kennen Oliver und Verena sich bereits aus. Der Vorbesitzer des Devino in Böblingen hatte sich, ihren Angaben nach, nicht an den Jugendschutz gehalten. Mit einem neuen Konzept und viel Engagement hätten sie den Laden jedoch wieder auf die Beine gestellt und ihn zwei Jahren erfolgreich betrieben.

Aufgrund der Vorgeschichte des Liquid-Clubs sind sie nun besonders um ein gutes Verhältnis zu Ordnungsamt und Polizei bemüht. Schon vor dem Konzessionsantrag wurden dem Amt für öffentliche Ordnung Pläne und Konzepte vorgelegt. "Die Stadt hat unsere Pläne gesehen und war begeistert“, sagt Oliver Mayer. „Sie hätten noch nie einen Gastronomen gehabt, der ihnen ein so ein ausführliches Konzept vorgelegt hat."

Auf eine Verkürzung der Sperrzeit, unter Freiburgs Diskothekenbetreibern ein begehrtes Gut, müssen Oliver Mayer und Verena Metzler auf Grund der Vorgeschichte des Clubs zunächst verzichten.

“Im Liquid Club gab es in der Vergangenheit massive Probleme,“ sagt Petra Zinthäfner vom Pressereferat der Stadt. „Daher müssen die neuen Betreiber und ihr neues Konzept sich zuerst bewähren.“ Dies sei das normale Vorgehen nach Problemen mit einem Club. „In der Musikarena haben wir das ebenso gehandhabt.“

Oliver Mayer ist sich sicher: "Wir haben mehr Auflagen bekommen, weil Herr Fattobuono hier sehr viel Mist gebaut hat.“ Und so stehen erst einmal vertrauensbildende Maßnahmen an. Die Teilnahme an der Club-übergreifenden Hausverbots-Kampagne ist geplant, zur Polizei soll enger Kontakt gepflegt werden. In den ersten Wochen will Oliver Mayer auch zusammen mit seinen Sicherheitsmitarbeitern selbst an der Disko-Tür stehen und den Einlaß betreuen.



Und überhaupt soll alles anders und natürlich besser werden. „Das Stammpublikum der Liquid-Zeit wird sich bei uns nicht mehr wohlfühlen“, kündigt Oliver Mayer an. Denn nicht nur der Name, auch die Atmosphäre soll an Parabel-Zeiten erinnern.

Was genau denn die Parabel-Zeiten waren, das deuten zwei alte Artikel aus der Badischen Zeitung an.

„Ziel des Diskotheken-Chefs war es vor allem, den Freiburgern eine Diskothek zu präsentieren, die gehobeneren Ansprüchen genügt“, heißt es in einem Text zu einem Umbau der Parabel im September 1981. „So richtet sich das Tanzlokal nicht nur an ein jüngeres Publikum, sondern auch an ältere Semester. Darauf ist die Ausstattung deutlich abgestimmt. Nicht Glitzer und Glimmer, sondern Eichenholz-Täfelung und bequeme Sitzgelegenheiten bestimmen die Atmosphäre in der Diskothek, in deren Mittelpunkt nun eine große Theke platziert ist.“

Nach einem Umbau im Herbst 1999 besteht das Konzept, laut Badischer Zeitung, aus einem Bar-Betrieb bis 24 Uhr und einem anschließenden Disko-Betrieb. „Ab 24 Uhr richtet sich das Angebot querbeet durch alle Altersklassen und musikalischen Geschmacksrichtungen für Unterhaltung und Tanz.“



Was bedeutet das für heute? Es soll anders werden, als in den anderen Freiburger Clubs. Über die hätten Oliver Mayer und Verena Metzler bei ihren Erkundungen im Freiburger Nachtleben nicht viel Gutes gehört. "Die Leute haben sich darüber beschwert, dass das DJ-Angebot so beschränkt ist und die DJs nur von Club zu Club wechseln,“ sagt die 26-jährige Verena Metzler. „Und dass die Clubs doch arg heruntergekommen sind."

„Wir wollen einen gemütlichen, aber auch schicken Club schaffen, der nicht zu spießig ist.“, sagt Oliver Mayer. Um das zu erreichen wird die Lokalität in den kommenden Wochen komplett entkernt. Ein heller Holzboden, maßgefertigte, stylische Möbel und neueste Licht- und Soundtechnik sollen den Look des Clubs komplett umkrempeln; es soll sauber, hell, freundlich und zeitgemäß werden. Auf den Innenausstattung-Skizzen ist der Club nicht wiederzuerkennen.

Anstatt Techno werden die DJs House auflegen. Am frühen Abend soll es bei Musik in Gesprächslautstärke entspannt zugehen. Außerdem wird ein separater Raucherraum eingerichtet. „Freiburg kann gespannt sein auf eine neue, schicke Wohlfühl-Lounge“, sagt Verena Metzler.

Preislich will man sich in der Mitte ansiedeln; das heißt keine Flatrate-Partys, aber auch nicht so teuer sein, dass Studierende sich einen ganzen Abend lang an einem einzigen Cocktail festhalten müssen. Getränke-Angebote und Aktionen sind geplant. Außerdem soll das Club-Programm durch Angebote aus der eigenen Agentur bereichert werden: „Drag Queens, Sambatänzer, Perkussion Spieler und ähnliches werden das Abendprogramm schmücken“, sagt Oliver Mayer.

Doch geschmückt werden kann noch gar nichts. Das Gerümpel muss raus, die Renovierung steht an. "Natürlich könnte das alles schneller gehen,“ sagt Verena Metzler. „Aber wir wollen es auch richtig machen.“
Ex-Liquid-Betreiber Angelo Fattobuono wünscht den neuen Betreibern derweil Glück. „Das sind sympathische, fähige und geeignete Leute. “

Mehr dazu: