Lily the Black Bear: Live-TV aus der Bärenhöhle

Carolin Buchheim

In einer Bärenhöhle in der Nähe von Ely, Minnesota, verbringt die 3 Jahre alte Schwarzbärin Lily ihren Winterschlaf. In wenigen Tagen könnte Lily in ihrer Höhle nicht mehr allein sein: Wildbiologen vermuten, dass sie trächtig ist, und die Geburt ihrer Bärenjungen unmittelbar bevorsteht. Doch schon jetzt ist Lily nicht wirklich allein: der Liveübertragung aus Lilys Höhle schauen jeden Tag zehntausende Fans im Internet zu. Dank Technik aus Freiburg.

 
"Good morning, Lily Watchers from Bridgewater, CT. Maybe today will be the day!!"

Vielleicht ist es heute so weit. Vielleicht bekommt die dreijährige Schwarzbärin Lily in ihrer Höhle in der Nähe von Ely, Minnesota, heute ihre Jungen. Besonders ungeduldig sieht die potentielle werdende Bärenmutter selbst noch nicht aus; meist schläft sie. Die mehr als 27.000 Fans der Bärin auf Facebook hingegen, warten sehnsüchtig auf die erste Internet-Live-Geburt von Bärennachwuchs.


Bärin Lily gehört zu einer Langzeitstudie mit Schwarzbären des Wildlife Research Institute. Bärenforscher Lynn Rogers, der seit mehr als 40 Jahrne Schwarzbären erforscht, und über den das BBC kürzlich eine Doku mit dem packenden Titel "Bearwalker of the Northwoods" drehte, brachte in Lilys Höhle eine Infrarot-Webcam an. Dank der Übertragugstechnik von Zaplive.tv, einem Anbieter für Live-Übertragungen im Netz aus Freiburg, mit dem auch fudder Live-Events überträgt, gibt es nunBärenhöhlen-Live-TV, und zwar rund um die Uhr.

Viel zu sehen gibt es dort nicht, schließlich ist Lily im Winterschlaf. Meist sieht man ihr sanft atmendes Bärenfell vor der Kamera, manchmal Fell- und Pfotenpflege, mal wird die Höhle gerichtet. Und dann wieder geschlafen. Updates über Lily's Verhalten gibt es auch über ihren Twitter-Account @LilyBlackBear. Wird dort Aktivität vermeldet, steigen die Zuschauerzahlen in der Live-Übertragung sofort an.

Und vor dem Bärenhöhlen-Fernseher mutieren die Fans in der Facebook-Gruppe zu Biologen, die jede Regung von Bärin Lily genau beobachten. "In der letzten Stunde hat sie ihre Position drei Mal ein wenig verändert, ich habe Leck- und Grunzgeräusche gehört, und gesehen, dass ihr Bauch sich so bewegt hat, als hätte sie Schluckauf", beschreibt ein Lily-Fan aus den USA heute mittag ihre Webcam-Beobachtungen auf Facebook. Dass die etwas seltsam sind, ist ihr dabei offensichtlich bewusst. "Werde ich verrückt? LOL. Vielleicht bilde ich mir das auch nur ein."

Ob Lily tatsächlich Bärenbabys bekommen wird, ist dabei überhaupt nicht sicher, auch wenn Lily's Verhalten in den vergangenen Tagen, und körperliche Merkmale so Lynn Rogers gegenüber dem Guardian, darauf hindeuten. Es gilt, abzuwarten. Vor der Webcam, natürlich

Wer die Warterei auf süße kleine Bärenbabys nicht aushalten kann, es ist ja schnelllebig, diese Internet, der kann sich derweil mit der Webcam eines vor wenigen Stunden geborenen Wurfs Shiba Inu-Welpen die Zeit vertreiben. Deren Verwandtschaft, mehrere Wochen lang unfassbar niedlich vor einer Ustream-Kamera herumliegend (fudder berichtete), hatte vor rund einem Jahr einen kleinen Netz-Hype ausgelöst. Das Niedliche-Tiere-vor-Live-Webcams-Business bleibt hart umkämpft.

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