Liebe und Sex im Science House

Jule Kiss

Die Liebesecke im Science House in Rust beschäftigt sich vor allem mit der biologischen Seite der Liebe. Aber roten Plüsch gibt es auch.



Plüschherzen an der Decke, ein großes Sofa in Form eines Mundes, im Hintergrund sind Aufnahmen und Plastikmodelle von Embryonen zu sehen: Dass Liebe und Verliebtsein nicht nur Zettelchen schreiben und Herzchen malen bedeutet, sondern vor allem im Zusammenhang mit Sexualität und Biologie zu sehen ist, macht die Liebesecke im Science House in Rust deutlich.


Dort haben Kinder, Jugendliche und sogar Erwachsene die Möglichkeit, sich auf abwechslungsreiche Weise mit Themen wie Geburt, Verhütung oder Partnersuche  zu beschäftigen. „Sexualität begleitet uns von Geburt an ein Leben lang. Es ist wichtig, dass man sich schon so früh wie möglich damit beschäftigt“, sagt Charlotte Willmer-Klumpp, die das Science House leitet. Der Aufklärungsbedarf sei immer noch groß, so die Leiterin.

Auf spielerische Art werden die großteils jungen Besucher an das Thema Sexualität herangeführt. An der Verhütungswand zum Beispiel sollen sie in einem Memoryspiel die verschiedenen Verhütungsarten den entsprechenden Sicherheitsstufen zuordnen. „Da sind vor allem die Männer schon mal überfordert“, erzählt Christina Müller, die den Besuchern mit Erklärungen zur Seite steht. Was war noch mal ein Diaphragma? Und wie funktioniert bitte ein Frauenkondom?

Neben der Verhütung sind auch Geschlechtskrankheiten ein Thema. Über Kopfhörer können sich die Besucher die Lebensgeschichten dreier HIV-Infizierter anhören. Fröhlicheres Lauschen verspricht eine Telefonzelle, in der man Kontaktanzeigen anhören kann – historische, Fetisch-Anzeigen, Mann sucht Mann, oder ungewohnt klingende Worte aus den 1920ern und 1950ern. 

Das beliebteste Exponat der Liebesecke ist aber der Schwangerschaftsgürtel: Wer sich zwölf Kilo vor den Bauch schnallt, bekommt eine vage Vorstellung davon, wie es sich anfühlt mit einem Baby im Bauch. Spätestens beim Versuch, sich mit dem umgelegten Gürtel die Schuhe zu binden, geht das Gekichere los. „Aber es soll ja auch gelacht werden“, sagt Leiterin Willmer-Kupp. „Sex soll ja schließlich Spaß machen.“