Liebe UB, das sind deine Problemzonen!

Kathrin Müller-Lancé

Nicht genügend Arbeitsplätze, viel zu laut, kalt und ungemütlich - die neue UB hat es nicht leicht. Sie hat mit vielen Vorurteilen zu kämpfen. Wie aber lernt es sich tatsächlich im nagelneuen Glasklotz? Wir waren dort und haben uns umgehört. Die UB im fudder-Praxischeck:

 

Optik und Atmosphäre

Grauer Beton, Designermöbel, viel Glas: Der Look der neuen UB entzweit Freiburg - und seine Studierenden. Lehramtsstudentin Veronika Niederhöfer, 24, findet: "In der neuen UB fühle ich mich ein bisschen wie im Arbeitslager. Alle Tische ordentlich aufgereiht - und dazu der Beton. Da wird man ja depressiv, wenn man den ganzen Tag draufschaut!". Auch Fabian, 25, Germanist, ist nicht wirklich zufrieden: "Mir scheint, die Architektur war hier wichtiger als die Funktion. Die Schrägen mögen ja kantig und hip sein - dadurch geht aber leider auch viel Platz verloren".

Doch es gibt nicht nur Kritik am neuen Gebäude. Bei einigen Besuchern kommt der Industrie-Charme gut an. Die angehenden Kinderkrankenschwestern Sophia Ruf-Büttner und Eva-Maria Grammelsbacher kommen beispielsweise extra in die UB, um für ihre Prüfungen zu lernen. Es sei so schön geräumig, offen und hell hier. Und auch VWLer Lennard Koriath, 26, findet die neue UB schick: "Mir gefallen besonders die Offenheit des Baus und die klare Architektur".

Lautstärke

Einer der größten Kritikpunkte an der neuen UB ist nach wie vor die Lautstärke. Die offene Architektur ist nicht nur durchlässig für Licht, sondern auch für Lärm. Die Geräusche aus der Eingangshalle schraubten sich zuverlässig durchs offene Treppenhaus in die Stockwerke nach oben - da sind sich fast alle Studenten einig. Jurastudentin Antonia Weber, 26, lernt deshalb nur mit Oropax. Eigentlich ist das Gebäude eingeteilt in stille Lesesäle und das Parlatorium, in dem geschwätzt und in Gruppen gearbeitet werden darf.


Von links nach rechts: Veronika Niederhöfer, João Paulo Fernandes, Malte Certa, Johannes Matheis, Eva Knapp

Für Lena Freund, 28, die an der PH Medienpädagogik studiert, ist das praktisch: "Ich mag es sowieso nicht so gern leise beim Lernen, ein paar Hintergundgeräusche sind mir recht. Das Parlatorium ist eine gute Idee". Lehramtsstudentin Veronika Niederhöfer sieht das anders. Die Glaswand, die den Schall aus dem Parlatorium abhalten sollte, reiche nicht aus. In den Lesesälen sei es trotzdem zu laut, um sich aufs Lernen zu konzentrieren. Sprachschüler João Paulo Fernandes, 24, hingegen versteht gar nicht, was hier alle für ein Problem haben mit der Lautstärke: "Im Vergleich zu meiner Heimat Brasilien ist es hier schon fast unheimlich leise!"

Platzangebot

Eine einzige "Reise nach Jerusalem", morgens um acht schon sei alles belegt und besetzt - um die Arbeitsplätze in der neuen UB ranken sich die bösesten Gerüchte. Doch wie voll ist es tatsächlich in der Bibliothek?

Bei der mittäglichen Recherche-Tour Anfang September fällt auf: Die UB ist belebt, aber nicht überfüllt. In den Lesesälen sind einige Lernplätze frei, auch im Parlatorium gibt es noch unbesetzte Nischen und Sessel. Das sagen die Nutzer: "Kurz nach der Eröffnung Anfang August war hier natürlich die Hölle los. Jetzt beruhigt sich das Ganze wieder ein bisschen. Wie es nach Semesterbeginn wird, warten wir mal ab", so VWLer Malte Certa, 23.



Und wann ist die beste Tageszeit, um einen Platz zu ergattern? Hier sind sich nicht alle Besucher einig. Ethnologie-Studentin Eva Knapp, 25, hat die Erfahrung gemacht, dass es nach 9 Uhr hoffnungslos sei, einen Platz zu finden. Der angehende Volkswirt Lennard Koriath rät hingegen: "Mittags findet man leichter Platz als morgens. Es scheint am frühen Vormittag einen regelrechten Ansturm zu geben, der sich zur Mittagessenszeit dann aber wieder verflüchtigt". Gegen den Vorwurf, die Juristen seien am Platzmangel schuld, wehrt sich Jura-Student Johannes Matheis, 25: Beim Umzug des Juridicums vom juristischen Seminar in die UB habe man nicht genügend Arbeitsplätze mit eingeplant. Es konzentrierten sich zu viele Lerner auf den zweiten Stock. Ausweichen auf andere Etagen könnten die Jura-Studierenden aber nicht - sie seien nun mal angewiesen auf die Nähe zu ihren Büchern in der Präsenzbibliothek.

Netzempfang

Die UB preist sich selbst als "eine der modernsten und größten Universitätsbibliotheken Europas" an. Zur "optimalen Lern- und Arbeitsumgebung" (Pressemitteilung) gehört scheinbar nicht: Netzempfang mit dem Handy. "Glas, Beton und Stahl schirmen das Netz ungewollt ab", ist der Bibliothekshomepage zu entnehmen. Hätte man sich vielleicht auch mal vorher überlegen können. Das Smartphone zeigt im Gebäude zuverlässig "Kein Netz" an. Wer telefonieren oder SMS schreiben will, muss das vor dem Eingang erledigen.

Die meisten UB-Nutzer finden das aber gar nicht mal so schlimm. Germanistik-Student Florian Reinmold, 22, sagt: "Wenn ich lerne, brauche ich sowieso kein Handy". Auch Stefanie, 24, studiert Mathe und Spanisch auf Lehramt, hat nichts dagegen: "Ich finde es eigentlich angenehm, wenn’s nicht überall bimmelt - man muss ja auch nicht immer erreichbar sein". Ein Nebeneffekt der unfreiwilligen Funkstille stößt aber vielen Studierenden auf: Ohne Telefon- oder SMS-Kontakt falle das Verabreden mit Freunden in oder vor der Bibliothek schwer. "Es ist ziemlich nervig, immer erst mit dem Handy nach draußen zu müssen, wenn ich mich mit Freunden in der Cafeteria treffen möchte", findet zum Beispiel Eva Knapp.

Temperatur

Eine weiteres Modernitätsmerkmal der UB: das neue Kühlsystem. Statt einer Klimaanlage reguliert Grundwasser, das durch die Betondecken geleitet wird, die Temperatur. Das scheint auch im Herbst noch bestens zu funktionieren - zum Leidwesen einiger Nutzer. Was während der heißen Sommermonate erfrischte, finden viele jetzt schlichtweg zu kalt. "Ich will ja nicht immer im Pulli hier drin sitzen", beklagt sich zum Beispiel Lehramtsstudentin Veronika Niederhöfer.

WLAN

Im frisch ergatterten Designersessel mit Blick über Freiburg ein bisschen auf dem Laptop rumsurfen - das geht gut, in der neuen UB. Uneingeschränkt zufrieden sind fast alle Studierenden mit der WLAN-Verbindung im Gebäude. Egal ob mit dem Smartphone, Tablet oder Computer - das Internet scheint ruckelfrei zu funktionieren.



Studierende können sich über das Uni-Netzwerk "eduroam" ins drahtlose Netz einbuchen. Einziges Problem: So ist das Netz nur für Uni-Mitglieder offen. Das bemängeln externe Nutzer wie zum Beispiel die beiden Kinderkrankenschwester-Azubis Sophia Ruf-Büttner und Eva-Maria Grammelsbacher.

 

Ausleihe

Nach altmodischen Ausleih-Stationen mit Körbchen und Personal kann man in der neuen UB lange suchen. Wie es sich für "eine der modernsten und größten Universitätsbibliotheken Europas" gehört, läuft die Ausleihe hier natürlich vollautomatisch.

Hat man einmal die Hürde mit UB-Ausweis und PIN gemeistert, klappt das mit dem Verbuchen wirklich wie von selbst. Buch auflegen und - ausgeliehen. "Endlich mal eine sinnvolle Neuerung", findet Germanist Fabian. An den Automaten sei kein großer Andrang und das Ganze laufe schneller ab als früher. Auch Ethnologie-Studentin Eva Knapp ist zufrieden: "Dass Freihandmagazin und Ausleihe jetzt auf einer Etage sind, ist sehr praktisch".

Fahrradkeller

Eine nichtrepräsentative Umfrage hat gezeigt: Wer fudder liest, weiß mehr - zumindest, was das Fahrradparken an der neuen UB angeht. Schon einmal sind wir der Frage nachgegangen, warum die Fahrradtiefgarage der UB kaum jemand nutzt.



Fazit der neuesten Recherche-Tour: Weil kaum jemand davon weiß! "Fahrradkeller? Das gibt’s hier? Davon höre ich jetzt irgendwie zum ersten Mal", sagt zum Beispiel PH-Studentin Lena Freund.

Und auch Germanist Florian Reinmold möchte wissen: "Wo ist der denn, dieser Fahrradkeller?" Da wir von fudder uns gewissermaßen auch als Service-Portal verstehen: Ja, in der neuen UB gibt es eine Fahrradtiefgarage. Sie bietet 400 Stellplätze und ist mit Uni-Card 24 Stunden täglich zugänglich. Den Eingang findet man auf der hinteren Seite des Gebäudes, an der Ecke Milch- und Sedanstraße.

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