Lexikon der bedrohten Wörter: Wenn Sprache stirbt

Meike Riebau

Bandsalat, Luder und Lümmeltüte: Viele deutsche Wörter sind vom Aussterben bedroht. Ein Berliner Journalist unternimmt einen Rettungsversuch und startet das Projekt "Rote Liste der bedrohten Wörter im Internet".



Der Panda ist vom Aussterben bedroht. Delphine ebenfalls. Sagt WWF. Und seit neuestem angeblich auch die Hupfdohle, das Bückeisen und das Tamagotchi. Sagt zumindest Bodo Mrozek.


Der Berliner Journalist und Autor hat eine Mission: Seit mehr als zwei Jahren sammelt er Wörter, die aus der Alltagssprache nach und nach verschwinden, Wörter wie “Salatschleuder” oder “Elchtest” und geht den Gründen für ihr Verschwinden nach. Entstanden ist daraus ein “Lexikon der bedrohten Wörter”(Rowohlt) und eine Rote Liste im Internet mit mehr als 400 Begriffen.

Das Internetprojekt stieß auf eine riesige Resonanz“Es gab unglaublich viele Zuschriften mit weiteren Vorschlägen”, erinnert sich der Autor. Wer eine Weile auf der Website herumklickt, kann die ein oder andere amüsante Überraschung erleben: Wer hätte noch gewusst, was ein Gabelfrühstück ist? Heutzutage geht der Mann von Welt ja schließlich zum Brunch. Und wer sagt heute noch tofte, wenn er geil meint? Niemand nennt den Idioten auf dem Einwohnermeldeamt heute noch einen Amtsschimmel, wenn der mal wieder nichts gebacken bekommt? Das ist doch alles Kokolores.

Bodo Mrozek tut es. "Ich will die Geschichten hinter den Wörtern aufbewahren", beschreibt er sein Anliegen. Dabei stößt er nicht immer nur auf Begeisterung. Zum einen ist die Auswahl seiner Worte nicht immer ganz nachvollziehbar. Klar hat sich heute nach und nach das Assessmentcenter als gängige Praxis eingeschlichen, aber davon wird das Bewerbungsgespräch, wie Mrozek behauptet, noch lange nicht verdrängt. Und auch die Generation Praktikum kennt noch den Begriff "Festanstellung", selbst wenn es nur ein Wunschtraum bleiben wird für so manchen. Ebenso den Zappel-Phillipp, die Zimtzicke und die Wohltätigkeit.

Genau das kritisiert auch Dominik Brückner, Germanistikdozent der Uni Freiburg, an dem Projekt. "Es werden verschiedene Wortklassen gemischt, die aus unterschiedlichen Gründen weniger gebraucht werden". Gerade Jugendsprache würde sich häufig erneuern und jede Generation erfinde ihre eigenen Worte. Grundsätzlich befürworte er Bücher, die das Interesse der Bevölkerung an Sprache "wecken und erhalten sollen". Allerdings sollten diese auch wissenschaftlich einwandfrei sein. Es sei auch nicht richtig, dass diese Worte verschwinden würden. “Sie tauchen einfach mehr in unserer Schriftsprache auf, nur in der gesprochenen Sprache nicht mehr so häufig".

Das mag richtig sein. Wer Bodo Mrozeks Liste aber nicht als ernsthafte Bildungslektüre, sondern als amüsante Geschichten-Sammlung versteht, dem wird das Buch und die Internetseite Spaß machen. Nicht alle, aber einige der Wörter und ihre Geschichten sind extrem unterhaltsam.

 

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