Leukämie: Ein kleiner Pieks kann retten

Claudia Kornmeier

In Zusammenarbeit mit der Uniklinik organisiert mio, die Menschenrechtsinitiative der Offenen Fachschaft Medizin, eine Aktion, um Leukämiekranken zu helfen. Nächste Woche sind alle Freiburger dazu aufgerufen, sich in der Uni 10 Milliliter Blut für eine Typisierung abnehmen zu lassen und so zu potentiellen Stammzellenspendern zu werden. Wie das funktionieren soll, haben wir uns erklären lassen.



„Noch ist mein Blut nicht typisiert“, sagt Julian Geisshardt. Er will aber einer der ersten sein, wenn nächste Woche die Typisierungsaktion an der Uni startet. Julian Geisshardt studiert im achten Semester Medizin. Seit eineinhalb Jahren engagiert er sich bei mio, der Menschenrechtsinitiative der Offenen Fachschaft Medizin. mio hat letztes Wintersemester begonnen eine Aktion zu planen, um Leukämiekranken zu helfen.


Über 11.000 Menschen erkranken im Jahr in Deutschland neu an dem Blutkrebs Leukämie. Für Leukämiekranke ist eine Stammzellentransplantation oft die letzte Chance auf Heilung. Für die Transplantation benötigen sie einen Stammzellenspender. Die Wahrscheinlichkeit, einen passenden Spender zu finden liegt bei 1:20.000. Daher ist es wichtig, möglichst viele potentielle Spender in einer Datenbank zu erfassen.

Dafür hat mio die Typisierungsaktion geplant. Typisieren bedeutet, das Blut auf bestimmte Merkmale hin zu untersuchen. Dafür werden zirka 10 ml Blut abgenommen. Die Ergebnisse der Typisierung werden unter einer anonymen Nummer in einer Datenbank gespeichert, auf die Ärzte der Leukämiekranken Zugriff haben.

Im November 2008 erkrankte ein Feuerwehrmann aus St. Georgen an Leukämie. Sein Schicksal motivierte knapp 2000 Menschen dazu, ihr Blutbild typisieren zu lassen. Anstoß für die jetzige Spendenaktion war nicht ein Einzelschicksal, sondern die Initiative „Uni hilft (ein kleiner Pieks, der retten kann)“ der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd). Unter diesem Motto fanden bereits an sieben Universitäten Typisierungen statt. „In Hamburg kamen fast 2.500 Menschen zur Typisierung“, sagt Julian. „Das ist auch unser Ziel.“

Die Freiburger Studenten treten unter eigenem Motto und Logo auf. „Du bist 1:20.000“ – damit ruft mio zur doppelten Spende auf: Stammzellen und Geld. Denn die Typisierung kostet zirka 50 € pro Person. „Diese Kosten werden nicht von den Krankenkassen übernommen“, sagt Julian. Damit nicht finanzielle Gründe vor einer Typisierung abschrecken, sucht mio auch Geldspender.

Es gibt zwei mögliche Verfahren für die Stammzellenspende: die periphere Stammzellentnahme und die Knochenmarkentnahme. Die periphere Stammzellentnahme ist die neuere der beiden Methoden. Der Spender muss dafür über eine Woche hinweg ein Medikament einnehmen, das die Anzahl der Stammzellen im fließenden Blut erhöht.

Die eigentliche Spende läuft ähnlich einer Dialyse oder Thrombozytenspende ab: dem Spender wird über eine Nadel im Arm Blut entnommen, die Stammzellen werden aus dem Blut herausgefiltert, den Rest des Blutes bekommt der Spender direkt zurück. Einzig bisher bekannte Nebenwirkungen sind grippeähnliche Symptome, die durch die Einnahme des Medikaments auftreten können. Allerdings wird die Methode laut der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) erst seit 1988 in der Medizin angewandt. Langzeitrisiken können daher nur eingeschränkt beurteilt werden.

Die Knochenmarkentnahme ist eine Operation, die unter Vollnarkose erfolgt. Dabei wird dem Spender ein Knochenmark-Blut-Gemisch aus dem Beckenknochen entnommen. Es besteht ein Narkoserisiko. „Das ist allerdings niedriger als üblich einzuschätzen, da die Spender ja junge und gesunde Menschen sind“, sagt Julian.



Der Feuerwehrmann aus St. Georgen hat einen Spender gefunden und ist auf dem Weg der Genesung. Wer der Spender ist, ob er aus Sankt Georgen oder Argentinien kommt, weiß man nicht. Die Spende verläuft anonym und die Datenbanken sind weltweit miteinander vernetzt. Kranker und Spender können also auch auf verschiedenen Kontinenten leben. „Der Ort der Spende bleibt aber im Normalfall der Ort, an dem der Spender lebt“, sagt Julian.

Aber warum lässt nicht jeder sein Blut routinemäßig typisieren? „Irgendwie habe ich Angst vor einer Infektion. Auch wenn ich weiß, dass diese Angst völlig irrational ist“, sagt ein Freiburger Student. Ein anderer befürchtet, dass seine Daten auch zu anderen wissenschaftlichen Zwecken verwendet werden könnten.

Irrationale Ängste, persönliche Erfahrungen, eine für den Laien nicht ganz durchschaubare Prozedur: Julian kann das verstehen. Information ist daher bei der Aktion ein wichtiger Punkt. Angestellte der Uniklinik werden Fragen beantworten und aufklären. Auch eine Filmreihe des Akademischen Filmclubs soll dem Laien das Thema näher bringen. An drei Abenden (28. April, 5. und 6. Mai) zeigt der aka Spielfilme zum Thema Leukämie. Am Abend des 5. Mai findet im Anschluss an den Film ein Gespräch statt mit Jürgen Finke. Er ist der Leiter der Sektion allogene Stammzelltransplantation der Uniklinik. Auch ein betroffener Patient wird anwesend sein.

Mehr dazu:

Was: Bluttypisierung für Stammzellenspender
Wann: Mittwoch, 6. Mai und Donnerstag, 7. Mai jeweils zwischen 12 Uhr und 19 Uhr
Wo: Uni Freiburg, KG II, Foyer, Platz der alten Synagoge