"Letztes Wochenende war ich verheiratet - für eine Nacht"

Tanja Hofmann

Die 22-jährige Studentin Helena Hartl aus Freiburg heiratete am vergangenen Samstag ihre Freundin - auf einer Party in Freiburg. Schon am nächsten Morgen lösten sie die Ehe wieder auf. Wie es ist, für eine Nacht verheiratet zu sein:



„Letzte Samstagnacht habe ich geheiratet - auf der Pink Party des Regenbogenreferats des AStA. Die Ehe zu meiner Frau hielt bis kurz nach dem Sonntagsfrühstück. Das war so gewollt. Es sollte ein Zeichen sein: für die Gleichberechtigung - und gegen Diskriminierung. Ich will den Menschen heiraten dürfen, den ich liebe - unabhängig von Geschlecht oder sexueller Orientierung.  Doch noch immer gibt es große Unterschiede zwischen homosexuellen und heterosexuellen Ehen - vor allem beim Thema Kinder und Adoption. An diesem Abend war das egal - alle hatten die gleichen Rechte.


Seit Ende Januar bin ich in einer Beziehung. Dass ich so schnell heiraten würde, das war natürlich nicht geplant - daran war die Pink Party schuld. Schön war es trotzdem: Knapp 600 Gäste, ein Hochzeitsbogen, Fotos, Urkunde, Ehering und romantische Musik von Robbie Williams - meine Hochzeit war sehr romantisch. Getraut hat uns kein Pfarrer, sondern eine Hochzeitsfee. Obwohl die Hochzeit mehr symbolischen Charakter hatte, war ich total glücklich - so soll es bleiben, dachte ich mir. Meine Freundin war genau so begeistert. Auch am nächsten Morgen war es interessant neben meiner Frau – und nicht meiner Freundin – aufzuwachen. Dass unsere Ehe dann nach dem Frühstück schon wieder vorbei war, war nicht schlimm – wir haben es uns ja während der Trauung selbst so ausgesucht.

Heiraten will ich irgendwann auch im richtigen Leben - aber nicht kirchlich. Das kann ich mir nicht vorstellen. Ich glaube nicht an Gott und fühle mich mit der Institution Kirche nicht verbunden. Mir ist es viel wichtiger, zu wissen, was ich mit einer Hochzeit für ein Zeichen setzen will. Es ist ein großes Versprechen an einen anderen Menschen, das man gemeinsam mit der Familie feiert. Wenn man heiratet, muss man Verantwortung übernehmen und es soll für immer halten.“

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[Foto: Fabian Wenzelmann]