Letzter Schultag in Waldkirch: Warten aufs Ende

Hermann Horn

Der letzte Tag im Schuljahr hat einen ganz eigenen Charakter. Hermann hat versucht, ihn zu beschreiben - anhand seiner Eindrücke aus dem Geschwister-Scholl-Gymnasium in Waldkirch. Egal, ob versetzt oder nicht - man ist erstmal fertig.



Um neun Uhr trifft man sich in der Schule, wo der genaue Treffpunkt ist, weiß aber niemand so genau. Es heißt, es wäre Klassenlehrerstunde, allerdings wuseln Schüler im ganzen Haus herum, wobei es sich bei den beiden oberen Stufen eher um verschlafenes Herumschlurfen handelt.


Hat man dann die Gemeinschaft, die einen fast täglich, 36 Wochen im Jahr, begleitet, endlich ausfindig machen können, so findet man sich wieder in einem Durcheinander von Gesprächen, die nun wirklich in keinen schulischen Kontext passen.



Unverkennbar die Ferienstimmung, die sich in den Fluren verbreitet. Kaum einer hat einen Rucksack dabei, und wenn doch, dann nur provisorisch. Lautes Gelächter, spielende Fünftklässler und tratschende Lehrer laufen durch die Bildungseinrichtung, allesamt in leichter Urlaubskleidung. Von formellem Auftreten keine Spur.

Nur einige, wenige Lehrer haben sich noch einmal zu Ehren des Direktors in Schale geschmissen, allerdings merkt man auch ihnen an, dass das wirklich nur der Etikette dient.



Sobald man das heiß ersehnte beziehungsweise stark verdrängte Zeugnis in der Hand hat, kann man noch nicht nach Hause gehen, denn es steht noch ein längeres Pflichtprogramm bevor.

Sei es nun die Verabschiedung des langjährigen Direktors Dr. Helmut Strittmatter oder die Verleihung des Geschwister-Scholl–Preises an Herrn Fischer–Weissberger: Einige Reden, umrahmt von Musikstücken, müssen noch ertragen werden. Dieser Teil des Tages wird alljährlich gefürchtet, von den ein oder anderen auch gern gemieden, geht er doch teilweise hart an die Reserven.



Allerdings ist dieser Kräfte zehrende, ermüdende aber irgendwie doch runde Abschluss bezeichnend für ein langes Schuljahr mit Höhen und Tiefen, mit Erfolgserlebnissen und Rückschlägen für den Einzelnen genauso wie für die Schule selbst.

Als man dann aber die Urkunde über die eigenen Leistungen eines gesamten Jahres in bis zu 15 verschiedenen Fächern in den Händen hält, sind die Qualen, welche mit den obligatorischen Zeremonien des Tagesprogramms verbunden waren, vergessen. Ob versetzt oder nicht, spielt spätestens jetzt keine Rolle mehr.

Kaum ein Schüler lässt sich jetzt noch die Laune verderben durch ein unerreichtes Klassenziel oder ungerechte Benotungen, denn da ist es wieder: dieses alljährliche Gefühl des Fertigseins. Eine 16-jährige Schülerin beschreibt es mit den Worten: „Irgendwie ist es jedes Jahr das gleiche und trotzdem fühlt es sich immer wieder seltsam an. Man schließt ja gewissermaßen mit einem Lebensabschnitt ab, finde ich.“



Diese Atmosphäre verbreitet sich über den gesamten Schulhof. Man versucht, sich bei jedem zu verabschieden und schöne Ferien zu wünschen, obgleich man ebendiese Person noch am selben Tag im Schwimmbad antreffen wird, vielleicht hat man mit ihr auch das ganze Jahr über kaum ein Wort gewechselt.

Es stimmt, man kennt diese Situation seit vielen Jahren. Aber so richtig gewöhnen kann man sich daran nie.

Mehr dazu:

fudder.de: Freiburger Sechstklässler über ihre Ferienpläne