Letzte Tanzbar im Kamikaze: Fünf Antworten vom Pornoladenerben

Marc Schätzle

Nach mehr als drei Jahren findet am Freitag "Die Kleine Tanzbar" im Kamikaze zum letzten Mal statt. Initiator Alex Hässler aka DJ Pornoladenerbe gibt die monatliche DJ-Veranstaltung wegen beruflicher Veränderungen und neuen Zielen auf. Ob er im Freiburger Nachtleben trotzdem aktiv bleibt, und an welche Tanzbar er besonders gerne zurückdenkt:



Mit der Tanzbar geht eine Ära im Kamikaze zu Ende. Welche Veränderungen hast du während der Zeit im Club erlebt?

Über die ganzen fünf Jahre gesehen, die es das Kamikaze schon gibt, ist die wohl eindeutigste Veränderung der musikalische Switch von einem Indiemucke-Elektro-Voll-auf-die-12-Trash-Laden, hin zu jeder Menge Techno-, Techhouse, D'n'B und Dubstep. Die wilden Ausrastparties sind gefühlt weniger geworden, was gerade in den Anfangsjahren etwa bei den Elektroschock oder Knallerbsenkommando-Veranstaltungen regelmäßig der Fall war.

Die Feierkultur ist meiner Meinung nach im Kamikaze seitens des Publikums etwas straighter, für mein Gefühl auch etwas glatter geworden. Ausnahme bilden da wohl eher noch die sehr schönen Elektro-Swing-Abende, wobei das nicht mit einem Ausrastrave zu vergleichen ist. Woran diese Veränderung der Feierkultur liegen mag kann ich aber nicht genau sagen - logischerweise hat sich in den vergangenen Jahren einfach auch das Publikum verändert und eine andere Generation tritt mittlerweile auf den Plan.

Alte Gesichter wurden immer weniger, neue Gesichter immer mehr, was in einer Studentenstadt wie Freiburg natürlich mehr als normal ist, aber mir fehlen mittlerweile definitiv ein paar der alten Gesichter im Klub, ohne dabei den vermeintlich früheren Zeiten hinterher zu jammern. Persönlich hat mir das Kamikaze über Jahre viel gegeben und dafür bin ich sehr dankbar.

An welche Tanzbar erinnerst du dich besonders gerne und welche hätte besser nicht stattgefunden?

Ganz besonders gerne erinnere ich mich an die Dezember-Tanzbar vor 2 Jahren. Dies war quasi die Letzte "Kleine Tanzbar" bei der wir Indie, Synthie und Elektro unter einen Hut gebracht haben. Der Laden war brechend voll und gemeinsam mit Tobi Tobsucht, DJ Empire und College Boy aka. Tom Heine, damals noch bekannt aus der Beatbar, hatten wir einfach einen wunderbaren, saulustigen Abend. Auch die Gigs der Sexinvaders waren immer etwas besonderes, nicht nur musikalisch, sondern auch zwischenmenschlich entstand dadurch auch außerhalb der DJ-/Bookingebene regelmäßiger privater Kontakt, den ich sehr schätze.

Aufgrund der beruflichen Veränderungen haben die Tanzbar-Abende im August und September ein wenig arg gelitten...zu wenig Vorbereitung, zu wenig Zeit für neue Musik, so dass es eher Stress als Spass war und daraus zieht man dann seine Schlüsse. Zudem hat Tobi Tobsucht ebenfalls einen neuen Job, so dass wir zwar weiterhin auflegen werden, aber eine monatliche Veranstaltung ist nicht mehr realisierbar.

Was ist deine Party-Empfehlung für Tanzbar-Besucher, jetzt wo's die Tanzbar nicht mehr gibt?

Tja, da bin ich ehrlich gesagt etwas überfragt, sprießen doch an allen Ecken und Enden derzeit immer wieder feine Parties aus dem Boden und zudem habe ich definitiv einen sehr abwechslungsreichen Musikgeschmack.

Zuletzt war ich wieder auf der "Strange Life" und muss sagen: BigUp! Da wird gute Musik und ein schönes Konzept auch bezüglich Deko und Flyer geboten. Sehr fein. Ansonsten mag ich die Herren Don Kanalie (Bassblüthentherapie) wie auch Eloquence sehr gerne - genauso gut, wird man mich aber auch im Jazzhaus oder im Waldsee bei Rainer Trüby antreffen können oder ich mache es von den jeweiligen Bookings abhängig, wie zuletzt bei Oliver Huntemann. Da bin ich dann auch gerne bereit, mal mehr Geld am Eingang liegen zu lassen.

Wie sehen deine weiteren Pläne aus?

Ich werde auf jeden Fall weiterhin als DJ auflegen, etwa bei der Soziologen-Party in der Mensabar am 17. Dezember 2011 oder an Silvester mit Loco und Don Kanalie im KGB-KlUB - aber vorerst wird es keine regelmäßige DJ-Veranstaltung mehr geben, zumindest nicht monatlich. Das Basskonforme Lotterleben liegt derzeit auch noch auf Eis - genaueres ist noch ungewiss, wir werden sehen.

Meine wirkliche Leidenschaft liegt dann doch eher auf der Konzertschiene, weshalb ich am 4. Februar 2012 mit den Striving Vines aus Dänemark im Räng Teng Teng und am 23. März 2012 einen kleinen Indie/Synthie-Festivalabend mit  Solange La Frange (CH), I Heart Sharks und Fuck Art Let´s Dance im Waldsee durchführen werde. Weitere Konzerte werden folgen, aber alles mit der Zeit. Das Hauptaugenmerk liegt derzeit dann doch einfach auf meinem Job als Betriebsleiter im Café Einstein im Stühlinger.

Was erwartet den Besucher auf der letzten Tanzbar?

Neondeko überall, Süßigkeiten und ein dickes Set von Make The Girl Dance aus Paris, die vergangenen Monat endlich ihr erstes Album "Broken Toy Boy" veröffentlicht und weltweite Bekanntheit mit ihrem Song "Baby, Baby, Baby" erlangten. Sie werden den Klub hoffentlich niederbrennen und der letzten Tanzbar ein wunderbares, finales Sahnehäubchen aufsetzen. Support wird es von DJ Loco (BionicBeatClub) geben und am Ende ein letztes Tanzbar-Set vom Pornoladenerbe. Herr Tobsucht wird leider aus beruflichen Gründen nicht auflegen können, was sehr schade ist.

Dennoch - Danke Kamikaze, Danke liebe Gäste, Danke Tobi, Danke an alle Gast-DJs und Danke Wenze und Yvonne für die vielen geilen Plakate - ich hoffe, wir sehen uns am Freitag zum Abschied feiern!

Mehr dazu:



Was:
Die letzte kleine Tanzbar - Make the Girl Dance
Wann: Freitag, 9. Dezember 2011, 23 Uhr
Wo: Klub Kamikaze
Eintritt: 10 Euro (Abendkasse), 9 Euro (Vorverkauf)