Letzte Folge: Die Heimkehr

Lilian Kaliner

Seit etwa zwei Wochen sind Lilian und Patrick, die Australienreisenden, wieder in Deutschland. Die Umstellung fällt ihnen nicht leicht. Sie sind glücklich, die Familien wieder zu sehen. Trotzdem fragen sich die beiden manchmal beim Aufwachen: "Wo fahren wir heute hin?"



Unsere Reise hat ein Ende gefunden. Wir sind das erste Mal seit knapp neun Monaten angekommen. Wir schlafen jede Nacht im eigenen Bett. Eines ohne Räder. Unser Bus, den wir in Melbourne verkauften, fehlt uns manchmal ein wenig, immerhin haben wir mit ihm einiges erlebt. Die letzten Wochen in einem Vorort von Melbourne sind nur so verflogen. Für die letzten Tage flogen wir nach Perth. Das war immer die Stadt, in der wir unsere Reise beenden wollten. In Perth war es, im Gegensatz zu Melbourne, sonnig. Oft saßen wir am Ufer des Swan Rivers. Am vorletzten Abend sahen wir plötzlich Delfine an uns vorbei ziehen.


Perth war unser, naturgemäß ein wenig trauriger, Abschiedsort von Australien. Doch wir sind mit einem guten Gefühl gegangen.

Wir haben alles gesehen, was wir sehen wollten und sind die Route gefahren, die wir uns vorgenommen hatten. Außerdem haben wir die wohl zwei verrücktesten Monate unseres Lebens auf einer Kirschfarm verbracht. Irgendwann möchten Patrick und ich unbedingt noch einmal in das kleine Young fahren und bei unserem Farmer an der Türe klopfen.

Ich bin mit einem guten Bauchgefühl nach Deutschland zurückgekehrt. Das kitzelnde Fernweh hat sich gelegt. Es wird bestimmt wieder kommen, aber ich nehme an, das hat erst einmal viel Zeit. Momentan genieße ich es, wieder ein eigenes Badezimmer zu haben und all die anderen Annehmlichkeiten, auf die wir so lange verzichtet haben. Am Wochenende durfte ich Trauzeugin auf der Hochzeit meiner Freundin sein, das hat mich glücklich gemacht. Dieser spezielle Tag war unter anderem ausschlaggebend, zu diesem Zeitpunkt zurück zu kehren. Ich habe dieses Ereignis nicht verpassen wollen.

Kaum angekommen, sind wir jetzt voll in dem deutschen Stress, vor dem wir vergangenes Jahr geflüchtet waren. Wir sind am Renovieren des alten Hauses meiner verstorbenen Oma. Das Haus soll unser neues Heim werden. Zimmer und Platz ohne Ende. Es ist schon komisch, jetzt, nach den Monaten im Bus, so viel Raum zu haben.

Das Haus ist älter als die Gründung des australischen Staats und wir haben den wohl größten Kirschbaum der Welt im Garten. Wir werden unserem Farmer ein Foto schicken, um ihm zu zeigen, dass Kirschbäume in Deutschland höher als drei Meter werden.



Ich hoffe, Ihr Leser hattet Spaß an unserer Reise teilzuhaben. Vielleicht hat jetzt ja der eine oder die andere Lust bekommen, selbst so eine Reise zu machen. Wir können es jedem empfehlen. Nach Australien wollen wir auf alle Fälle noch einige Male in Urlaub. Das Northern Territory ist der einzige Bundesstaat, in dem wir nicht waren und das  wollen wir nachholen. Auch möchten wir unsere tasmanischen Freunde wieder besuchen. Doch zuerst kommt Katherine aus Tasmanien zu uns, nächstes Jahr.

Nun sind wir erst einmal schwer zufrieden, wieder hier zu sein und all die Menschen, die uns fehlten, um uns zu haben. Wir starten in ein neues Leben. Australien war unser Abenteuer und eine Probe für die Beziehung. Wer glaubt, mit seinem Partner jeden Tag verbringen zu können und das auch noch in einem Bus? Wir sind noch immer zusammen und von uns selbst überrascht.

Wir haben viel gesehen, viel gelernt und werden in diesem Sommer wohl noch oft unter unserem Kirschbaum sitzen und an all die Tage in Down Under zurück denken.

Für fudder zu schreiben und unsere Erlebnisse zu teilen war eine schöne Erfahrung. Es wird mir fehlen. Schade, dass die Rubrik nun zu Ende ist.