Les Boukakes im Jazzhaus: Rock’n’Raї

Alexander Ochs

"Rock’n’Raї – Was soll das denn sein?", fragte sich Alex, und ließ sich im Jazzhaus eine Prise Orient meets Okzident um die Ohren wabern: Rock, Raї, Reggae und groovige Rhythmen.



Les Boukakes, eine siebenköpfige Multikulti-Truppe aus Montpellier, haben für ihren Bandnamen zwei Schimpfwörter zusammengewürfelt: "bougnoul" (abwertend für Araber) und "macaque" (hässlicher Affe). Was diese Jungs machen, ist unerhört, zumindest bis dato von meinen Ohren ungehört. Eine rhythmische, tanzbare Mischung aus Raї, Rock, einem Schuss Reggae und Rhythmen der Gnawa. Plakativer ausgemalt: Khaled auf rockig, nicht so glatt für den globalen Musikmarkt produziert. Eine fantastische Verbindung von Orient & Okzident. Dabei singt Sänger Bachir ausschließlich auf Arabisch.


Für den orientalischen Einschlag sind auch die ungewöhnlichen Instrumente verantwortlich: Darbuka & Qarkabous. Ersteres ist eine arabische Trommel, letzteres eine Zimbel aus Marokko, ein Schlaginstrument aus zwei metallenen Tellern.



Worauf sich die Jungs verstehen, ist die Überwindung von Grenzen, spielend leicht. Sie können kommunizieren – jenseits aller Klischees, Gräben, Vorurteile, Sprachbarrieren. Kommunikativ sind die Musiker auch untereinander: sie lachen sich an, tanzen sich an und umringen den Schlagzeuger beim Solo. So gut wie jeder darf mal ein Solo spielen, auch der Gitarrist, der Mann an den Tasten und der gutgelaunte Derwisch an der Darbuka, der sich minutenlang in einen ekstatischen Rausch spielt. Und dabei von den wie wild klatschenden Zuschauern nach vorne gepeitscht wird.

Überhaupt gelingt es der Band mühelos, das Publikum für sich zu vereinnahmen; der Tatsache zum Trotz, dass die Konzertkarte das unschöne Unwort "teilbestuhlt" auswies. Doch im Laufe des Konzerts schaufelten die 50 bis 100 Zuschauer sich immer mehr Platz frei, und so konnten vor der Bühne einige Unentwegte wie entfesselt tanzen, während hinten, also hinter den Stuhlreihen, eine zweite Tänzerriege dezenter mitwippte.

"Les Boukakes" spielen den Cure-Klassiker "Killing an Arab" – auf Arabisch! Das hat was und bringt ihre Musik auf den Punkt: Vertrautes meets Fremdes. Einige Songs erinnern an den Sound von Mano Negra, der Ex-Band von Manu Chao, der Galionsfigur des globalisierten Pop. Musik als Weltsprache. Leider nur vor einem winzig kleinen Ausschnitt dieser Welt.

 



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