Aufregen ist ihr Hobby

Les(be) honest: Wo sind die Lesben?

Dita Whip

Geht es um LGBTIQA-Themen, stehen oft schwule oder bisexuelle Männer im Vordergrund, bemängelt fudder-Kolumnistin Dita Whip. Lesbische und bisexuelle Frauen stehen oft im Hintergrund. Dita fordert: Das muss aufhören!

Mit "Aufregen ist ihr Hobby" schreibe ich eine Kolumne die versucht, sich mit der alltäglichen Diskriminierung ALLER Personen aus dem LGBTIQA-Spektrum auseinander zu setzen. Allerdings aus der Perspektive eines Mannes… zwar eines Mannes der sich, aufgrund seines Jobs als Drag Queen, außerhalb der Gender Binary bewegen kann, aber dennoch aus einer männlichen Perspektive.


Der springende Punkt ist, dass sich ein Großteil der Berichterstattung zu LGBTIQA-Themen fast immer auf schwule und bisexuelle Männer bezieht, aber lesbische und bisexuelle Frauen, sowie deren Thematiken, scheinbar in den Hintergrund geraten. Wenn über queere Themen berichtet wird, sind es fast immer "Schwulenparties", "Schwulenbars", der "Männer betreffende Paragraf 175" und die Situation von queeren Männern im Allgemeinen, die in den Vordergrund geschoben werden. Lesben hingegen werden in den Hintergrund gedrückt. So wie es sich scheinbar in patriarchaler Manier gehört. Widerlich.

"Queere Sichtbarkeit darf kein männliches Privileg sein!"

Und genau da muss ich mir selbst eine Ohrfeige verpassen… auch wenn das mein perfektes Make-up ruinieren könnte. Queere Sichtbarkeit darf kein männliches Privileg sein!

Viele Argumente sind zu einfach

Es wäre mehr als einfach zu argumentieren, dass lesbische Frauen eben nicht politisch aktiv, eher ruhiger, zurückhaltender oder schlichtweg nicht so interessant sind. Und genau das stimmt einfach nicht. Solche Argumente sind, wenn wir ehrlich mit uns ins Gericht gehen, nur fadenscheinige Ausreden. Ausreden aus einer ignoranten und unreflektierten Perspektive. Das ganze hat – nach meiner bescheidenen Meinung – System.

Frauen aller Herkunft, sexueller Orientierung, Klasse und Ethnie kämpfen nach wie vor um Anerkennung, Stimmgewalt und Gleichberechtigung. Dieser Kampf macht klar: Systeme, Strukturen und Verhaltensweisen, welche die männliche Position stärken, machen auch nicht vor queeren Menschen halt. Wenn ich den Diskurs um queere Themen betrachte wird mir bewusst: Der "Standard"-queere Mensch ist scheinbar ein Mann.

Es fehlt uns in den Medien, und im öffentlichen Diskurs nicht nur an lesbischer Sichtbarkeit, sondern auch an Vielfalt lesbischer Positionen, Lebensweisen, Thematiken, Problemen, und Identitäten. Wenn schwule oder bisexuelle Jungs nach Identifikation suchen, finden sie in den Medien sicherlich Persönlichkeiten, welche ihnen Hoffnung und Kraft geben können. Wenn ich aber an lesbische Personen denke, die Identifikation für junge queere Frauen oder Mädchen bieten, ist meine Liste recht kurz. Tahnee, Hella von Sinnen und… jetzt wird es ohne googeln schon schwer für mich. Alice Weidel möchte ich nicht als Vorbild nennen. Mir persönlich ist es schleierhaft, eine Person, die politische und soziale Ideen vertritt, welche sich gegen die eigene Lebensweise richten, als Vorbild zu sehen.
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Liebe Medien, liebe Menschen aber vor allem liebe Schwule: Es liegt an uns Lesben nicht nur als "Nebenbei" mitzudenken. Es kann nicht sein, dass queere Männer sich im Scheinwerferlicht des Interesses wissen und Lesben hinter dem Vorhang der Diskriminierung zurück bleiben.

Fakt ist: Mit der scheinbar rückgestellten Sichtbarkeit von Lesben und lesbischen Themen fehlen nicht nur Identifikationspersonen, sondern auch eine wahrnehmbare Plattform für lesbischen Aktivismus, eine Vielfalt an lesbischen Lebensweisen und schlussendlich auch ein differenziertes Bild von queeren Frauen im Allgemeinen.

Was wir brauchen, ist nicht eine kleine Riege an lesbischen und bisexuellen Frauen die sich stellvertretend den Arsch aufreißt, um Sichtbarkeit für lesbische Themen zu schaffen, sondern ein Umdenken.

Liebe Schwule: Beschäftigt euch ein bisschen mit lesbischem Leben. Das sind auch eure Schwestern.

Liebe Medien: Differenziert eure Berichterstattung! Lesben sind vielfältig und genau so interessant wie Schwule!

Und, liebe Lesben: Nehmt euch mehr Raum, fordert eine faire Repräsentation und seid versichert: Eure Lebensweisen sind wichtig!
Dita Whip

Dita Whip – die Freiburger Drag Queen, Burlesque Showgirl und One "Woman" Sensation hat prinzipiell eine Meinung zu allem. Vor allem aber zu Themen welche die queere Community betreffen. Und dabei bleibt die schwarze Witwe gern dem Motto "Hauptsache Unfreundlich" treu. Für fudder schreibt Dita Whip seit Januar 2019 monatlich eine Kolumne, in der es um Themen gehen soll, die die LGBTQI-Szene umtreiben. Da Dita von sich selbst sagt, dass Aufregen ihr Hobby ist, ist das auch das Stichwort der Kolumne.

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