Lena Petermann - der Mario Götze des Frauenfußballs spielt beim SC Freiburg

Tamara Keller

Jüngst schoss Lena Petermann das entscheidende Tor bei der U20-WM, davor wurde sie in Amerika zum "Rookie of the year" gekürt und jetzt ist die Spielerin des SC-Freiburg in die A-Nationalelf berufen worden. Auf einem Spaziergang durch Freiburg verriet sie fudder-Autorin Tamara Keller, was ihre nächsten Ziele sind:



Stell dir vor, du spielst in einem WM-Finale. Es steht 0:0. Es geht in die Verlängerung. Die 98. Minute: Du stehst vor dem Tor, bekommst den Ball und entscheidest dich für die richtige Ecke. Nein, wir sprechen nicht von Mario Götze. Es geht um Lena Petermann vom SC Freiburg.


Kariertes Hemd, Jeans, Sneakers und eine dünne Jacke drüber: Mit einem breiten Lächeln im Gesicht kommt Lena Petermann an diesem sonnigen Herbsttag auf mich zu. Eigentlich hatte ich sie in Sportklamotten erwartet, denn wir haben nur eine Stunde Zeit, bevor sie weiter zum Training muss. Vom Schwabentor aus machen wir uns auf den Weg in Richtung Hauptbahnhof.

Erst vor wenigen Wochen wechselte Lena Petermann zum SC Freiburg in die Frauen-Bundesliga. In der neuen Stadt kennt sich die gebürtige Niedersächsin noch nicht gut aus. Die letzten Wochen war die 20-Jährige mit Umziehen und Trainieren beschäftigt. Einen ersten Lieblingsort in ihrer neuen Heimat hat sie trotzdem schon gefunden: "Ich mag den Schlossberg, da hat man so eine schöne Aussicht." Auch die Altstadt und das schöne Wetter gefallen ihr.

"Rookie of the year" in den USA

Auf dem Weg durch die Stadt erzählt Petermann von ihren Erfahrungen in den USA. Zwei Jahre hat sie in Orlando im US-Bundesstaat Florida gelebt, an der University of Central Florida studiert und für die Collegemannschaft UFC Knights gespielt. "In Orlando war dauernd gutes Wetter. Da war ich kein einziges Mal erkältet", sagt sie. An das mitteleuropäische Klima in ihrer neuen Heimat muss sie sich erst wieder gewöhnen.  "Gerade kämpfe ich mit einer kleinen Erkältung."

Geschadet hat die Florida-Hitze ihrer fußballerischen Ausbildung nicht: Bereits nach einem Jahr erhielt sie die Auszeichnung "Rookie of the year" - ein Preis, der jedes Jahr an die beste Newcomerin im Land vergeben wird. "Ich hatte in Orlando einfach eine super Saison", gibt sich Petermann bescheiden, denn College-Frauenfußball sei in den USA nach wie vor nicht annähernd so beliebt, wie Baseball, Basektball und Co. "American-Football in Amerika ist wie Fußball in Deutschland: Es wird so richtig gehypt - da kann Soccer nicht mithalten, noch nicht."

Wir nähern uns der Wiwilíbrücke und setzen uns auf eine Mauer. Im Sekundentakt rollen Fahrräder an uns vorbei. "Hast du eigentlich ein Fahrrad?", will ich wissen, schließlich ist das in der Fahrradstadt Freiburg ein Muss. "Momentan habe ich mein Fahrrad bei meinen Eltern zu Hause - für hier muss ich mir aber bald mal ein neues besorgen", sagt Petermann.

Die Entscheidung nach Amerika zu gehen, war für die 20-Jährige rückblickend eine sehr wichtige: Nach einer Patellasehnenentzündung am Knie 2011, musste sie ein Jahr pausieren und schied   automatisch aus der DFB-Auswahl aus. "Als ich dann wieder fit war, hatte ich gerade mein Abi in der Tasche." Dann kam das Angebot aus Orlando: "Da dachte ich mir: Wieso nicht? Es gibt nichts mehr, was mich groß in Deutschland hält." Nachdem sie dort eine sehr gute Saison gespielt hatte, rief ihre Trainerin Tiffany Roberts Sahaydak, eine ehemalige US-Nationalspielerin die Trainerin der deutschen U20-Frauen-Nationalelf an und schlug Petermann für den WM-Kader vor. "Über die Sommerferien war ich dann zu Hause und konnte auch am WM-Trainingslager teilnehmen. Am Ende hat's dann sogar für die Startelf gereicht."

Jetzt spielt Petermann für die A-Nationalmannschaft

Auf dem Weg zurück zum Schwabentor laufen wir an einem Plakat vorbei. Darauf ist ein jung aussehender Spieler im Deutschlandtrikot abgebildet, der mit dem Weltpokal in der Hand jubelt.  "Wie ist es eigentlich jetzt der Mario Götze des Frauenfußballs zu sein?", frage ich.  "Das ist schon sehr cool. Ich kann mir ja das Tor immer wieder im Internet ansehen. Sowas passiert nur einmal im Leben", sagt Petermann.

Klare Ziele hat die WM-Torschützin trotzdem noch. Ganz oben auf ihrer Liste: Erst einmal in Freiburg Fuß fassen. Zu meiner Überraschung gibt sie offen und ehrlich zu, was danach folgt: "Meine Weiterentwicklung ist dann der nächste Schritt und jetzt dann auch die A-Nationalmannschaft." In Deutschland habe man viel bessere Entwicklungsmöglichkeiten und das Fußballniveau sei höher, als in den USA, erklärt Petermann.

Kein süßer junger Typ, kein kreischender kleiner Fan kommt auf uns zu, während wir zurück zum Schwabentor laufen. Bei Mario Götze wäre das sicher anders - klar liegt das an dem allgemeinen geringem Interesse am Frauenfußball. Trotzdem hat Lena schon die beachtliche Zahl von 2000 Facebook-Likes. Vor der WM hatte sich noch ihre Managerin um die Facebookseite gekümmert. Danach wollte Petermann dann doch selbst die Zugangsdaten haben. "Die Seite ist fast explodiert und man hat gemerkt, dass doch einige mehr das ganze verfolgen, als ich gedacht habe."

Im Sommersemester plant Lena ihr Studium in Sport und Englisch in Freiburg zu beginnen. Auf Lehramt höchstwahrscheinlich. Bis es soweit ist, sucht sie sich noch Praktika oder Übergangsjobs neben dem Training. Ein Karriereberater des SC Freiburg hilft ihr außerdem, das Passende zu finden. Ob sie später mal vom Profifußball leben könnte? "Ich glaub da nicht dran. Da liegt dann doch noch eine kleine Welt zwischen Mario Götze und mir."