Leistungskurs Kicken (1): Die Freiburger Fußballschule

Christian Heigel

In diesem Jahr läuft es rund beim SC Freiburg. Erst die sensationelle Rückrunde und der knapp verpasste Aufstieg unter Volker Finke. Dann der erfreulich gute Saisonstart unter Robin Dutt. Und das mit zwei fast komplett verschiedenen Mannschaften. Der Erfolg hat viele Gesichter. Doch seine Wurzeln liegen tiefer. In der Freiburger Fußballschule wird der Grundstein für attraktiven und erfolgreichen Fußball in Freiburg gelegt. Fudder stellt in dieser Woche jeden Tag die Konstrukteure der Fußball-Kaderschmiede vor. Heute gibt's erstmal eine Einführung.


Es war am 3. September 2007. Der SC Freiburg bestritt das zweite Heimspiel der Saison gegen 1899 Hoffenheim.


Die Freiburger gewannen mit 3:2 gegen einen starken Gegner. Die eigentliche Sensation des Abends war jedoch in der Aufstellung des Gastgebers zu finden. In der Freiburger Startformation stand ein Spieler, dessen Name selbst gestandenen SC-Fans ein unbeschriebenes Blatt war: Eke Uzoma, gerade mal 18 Jahre alt und bis zu diesem denkwürdigen Abend noch für die A-Jugend des SC Freiburg aktiv. Das Spiel, das er ablieferte, war jedoch absolut profireif.



Gelernt hat er seine Fußballkunst nur wenige Kilometer Luftlinie vom Badenovastadion entfernt. Dort, unweit des Waldsees, befindet sich das Möslestadion, und daran angelehnt die Freiburger Fußballschule, das Nachwuchszentrum des SC Freiburg.

Als die Schule 2002 gegründet wurde, war sie ein Pionierprojekt im deutschen Profifußball. Heute lernen dort 130 Jugendliche das Kicken. 14 von ihnen wohnen im hauseigenen Internat.

Das Internat der Fußballschule ist für diejenigen, für die der Weg von ihrem Heimatort nach Freiburg zu weit ist. Der Rest pendelt bis zu vier Mal in der Woche. Von Rastatt bis in die Nähe des Bodensees reicht das Einzugsgebiet der Freiburger Fußballschule. Ein hauseigener Shuttleservice mit fünf Kleinbussen sorgt dafür, dass die Fußballschüler sicher von A nach B kommen. Klemens Hartenbach, zusammen mit Christian Streich sportlicher Leiter der Schule, sagt: „Wir müssen der Gefahr entgehen, dass im Stressgeflecht aus Schule, Fußball und Fahrtzeiten Talente verloren gehen.“



Zentraler Bestandteil des Konzepts sind deshalb auch eine Kooperation mit drei Freiburger Schulen, dem Rotteck-Gymnasium, der Max-Weber-Schule und der Staudinger Gesamtschule, und die Arbeit von zwei Pädagogen in der Freiburger Fußballschule.

Wie findet man als junger Spieler überhaupt den Weg in die Freiburger Fußballschule? Eine Möglichkeit ist es, von Klemens Hartenbach entdeckt zu werden. Er ist, zusammen mit Christian Streich, der sportliche Leiter der Fußballschule. Und er hält in Süddeutschland, im Elsass und in der Schweiz Ausschau nach jungen, talentierten Spielern.

Dabei hat er Vereine mit besonders guten Jugendmannschaften und regionale Auswahlmannschaften im Blick. Auf der anderen Seite sind auch alle Trainer in der Region aufgefordert, außergewöhnliche Talente im Blick zu behalten. Wer als junger Spieler den Sprung in die Fußballschule schafft, muss jedoch nicht nur sein Talent mitbringen. Auch der Wille ist wichtig. „Wir müssen das Funkeln in den Augen der Spieler sehen“, sagt Klemens Hartenbach.



Die Suche nach Talenten wird im modernen Profifußball immer wichtiger. Dem SC Freiburg ist es jedoch sehr daran gelegen, die Jugendarbeit nicht mit den Mechanismen des Profigeschäfts zu verwechseln. Jochen Saier (Bild oben), der Geschäftsführer der Freiburger Fußballschule, kümmert sich unter anderem um die vertragliche Bindung der Spieler.

Wer dabei jedoch einen heißen Vertragspoker erwartet, den muss Saier enttäuschen. „Wir gehen im Jugendbereich sehr transparent mit unseren Vertragsinhalten um, die je nach Mannschaftszugehörigkeit standardisiert sind.“ Das Geld sollte laut Saier in diesem Altersbereichen aber nicht im Vordergrund stehen. „Vielmehr bieten wir talentierten Jugendspielern Rahmenbedingungen, in denen sie sich fußballerisch und schulisch optimal entwickeln können – diese duale Ausbildung sollte als Investition in die eigene Zukunft ansehen werden“. Da nur wenige Spieler den Sprung in den bezahlten Fußball schaffen, betont Jochen Saier: „Für uns ist es ganz wichtig, dass die Spieler ein zweites Standbein haben“. Und das heißt in der Freiburger Fußballschule: die schulische Ausbildung.



Übrigens: Eke Uzoma ist nicht der einzige, der die erfolgreiche Arbeit der Freiburger Fußballschule belegt. Auch viele andere aus dem aktuellen Profikader haben ihren Anfang in der Freiburger Fußballschule genommen: Ali Günes, Dennis Aogo, Daniel Schwaab, Dennis Bührer, Karim Matmour, Manuel Konrad, Maximilin Mehring, Josip Solic, Owusu Ampomah, Maik Schutzbach und Ömer Toprak.

Klemens Hartenbach ist darauf schon ein bisschen stolz: „Diese Quote haben nicht viele anderen Bundesligisten.“ Daniel Schwaab und Dennis Bührer haben gar alle Jugendmannschaften des SC durchlaufen. Und so kann Jochen Saier mit Recht behaupten: „Wir sind ein echter Ausbildungsverein“.

Mehr dazu:

  • Freiburger Fußballschule: Website