Legal sprayen in Freiburg

Christoph Müller-Stoffels

Die einen halten es für Kunst, andere sprechen von Sachbeschädigung. Otto Schily, bis vor Jahresfrist noch Bundesinnenminister, wollte die Verursacher mit dem Hubschrauber jagen lassen. Immer weniger Menschen sehen Graffitis wirklich gerne an Hauswänden und in Unterführungen, an S-Bahnen und Zügen. Das Freiburger Jugendinternetportal Jump on! hat nun mit Hilfe von Google Earth eine Karte für das Stadtgebiet erstellt, in der alle Spots zum legalen Sprühen eingezeichnet sind.



Freigegeben wurden die Flächen vom Freiburger Tiefbauamt. Bei den meisten handelt es sich um Unterführungen, wie etwa Mosswaldallee/ Diakonie oder Schwarzwaldstraße/Talstraße. Aber auch die Umkleidekabine der Sportanlage Marienmattenweg darf bemalt werden. Die insgesamt 14 Flächen bieten den Sprayern die Möglichkeit, sich für ihre Bilder Zeit zu lassen, meint Thomas Bartl von Jump on!. Der künstlerische Wert werde so erhöht. Dadurch könnte auch der fehlende Reiz des Verbotenen ausgeglichen werden, der sonst für die Motivation eine nicht unwichtige Rolle spielt.


Es gäbe inzwischen regelrechte Revierkämpfe zwischen verschiedenen Crews. Hat heute eine Gruppe eine Fläche bemalt, kann morgen schon die Konkurrenz da sein und alles wieder übersprühen. Jump on! hat auch eine Galerie von Bildern von den verschiedenen legalen Graffiti-Spots angelegt. Das Alter der Sprüher liegt zwischen 16 und 25 Jahren.

Am Ende wartet Bartl noch mit einer überraschenden Erkenntnis auf. Graffitis seien auch ein soziales Phänomen. Kids aus der Mittel- und Oberschicht könnten sich öfter und bessere Farben leisten, weshalb sie auch öfter sprühen könnten. Geld regiert auch die Graffiti-Welt.

Das illegale Sprühen werden aber die freigegebenen Flächen nicht beenden können. Auch weiterhin werden Unsummen zur Entfernung illegaler Graffiti aufgewendet werden müssen. Laut Angaben des des Zentralverbandes der Deutschen Haus- und Grundeigentümer belaufen sich die Kosten pro Jahr auf bis zu 250 Millionen Euro.