Leerstehender Wohnraum in Freiburg: Fünf Antworten der Besetzer

David Weigend

In den vergangenen Wochen haben Mitglieder des Anarchistischen Netzwerks (Anne) Freiburg zwei leerstehende Wohnungen in der Günterstalstraße symbolisch besetzt. Was soll das? Wird es weitere derartige Aktionen geben? Die Besetzer haben uns fünf Fragen via E-Mail beantwortet.



In der Nacht vom 6. zum 7. März habt ihr für einige Stunden das leerstehende Haus Günterstalstraße 30 besetzt. Woher wisst ihr, welche Häuser in Freiburg leerstehen und wie kommt ihr da rein?

Durch Internetrecherchen und Erkundungstouren durch die Stadt lässt sich eigentlich recht schnell herausfinden, welche Häuser in Freiburg nicht mehr genutzt werden und leerstehen. Auf die Art und Weise, wie wir uns Zugang zu einem Haus verschaffen, möchten wir nicht näher eingehen. Jedoch lassen sich in dem Reader "Besetzen von Häusern und Plätzen" vielseitige Infos zum Thema finden.

Wie lief die Besetzung an der Günterstalstraße ab?

Es war eine sehr schöne Party ohne Polizei. Mit Transparenten, die vom Dach und vom Balkon des Hauses gehängt wurden, haben wir auf die Aktion aufmerksam gemacht. Auf der Party selbst wurden Getränke auf Spendenbasis zur Verfügung gestellt und es kam zu musikalischen Höhepunkten. Am Ende gab es sogar noch ein schönes Feuerwerk.



Wie reagierten die Nachbarn auf eure Besetzung?

Natürlich gab es Nachbarn, die sich über die Lautstärke aufregten und sich verunsichert fühlten, weil sie nichts von Aktion gewusst hatten. Jedoch konnten  wir durch Gespräche Vorurteile und Befürchtungen abbauen und die Nachbarn beruhigen, sogar Interesse wecken.

Welche Ziele verfolgt ihr mit euren Aktionen?

Wir wollen mit unserem Protest nicht nur auf Leerstand und zu hohe Mieten aufmerksam machen: Rund 900 Wohnungen stehen in Freiburg leer! Dieser Missstand ist für uns ein Ausdruck vom kapitalistischen Normalzustand, der unser gesamtes Zusammenleben maßgeblich beeinflusst. Mit unseren Aktionen wollen wir auf diese Zusammenhänge aufmerksam machen und unserer Kritik an diesen Verhältnissen Ausdruck verleihen.

Das Besetzen von Häusern, Fabriken, Universitäten, Straßenbahnen etc ist eine Aktionsform der kollektiven Aneignung von Dingen, die eigentlich allen gehören und allen frei zugänglich sein sollten. Dies stellt für uns eine Möglichkeit dar, Räume zu schaffen, die den Anspruch haben, mit Herrschafts- und Unterdrückungsmechanismen zu brechen und dem ein angst- und diskriminierungsfreies, solidarisches Miteinander entgegenzustellen.



Plant ihr weitere Besetzungen in Freiburg?

Haltet Augen und Ohren offen. Natürlich könnt ihr auch einfach mal auf unserer Website vorbeischauen und uns kontaktieren. Es ist immer erfreulich, wenn Menschen selbst kreativ werden und sich eigene Aktionsformen überlegen. Dies darf natürlich auch im Namen der Kampagne geschehen.

Anmerkung der Redaktion: Die Polizei äußert sich zu diesem Thema nicht. Sie wird aktiv, sobald sich ein Wohnungseigentümer oder Hausbesitzer bei ihr meldet und die Räumung seines Eigentums fordert.

[Fotos: indymedia]