Lecker Wurst und ab in die Bahn

Kristina Bieda

Seit heute ist es verboten, in Freiburger Straßenbahnen und Bussen zu essen und zu trinken. Ach, wirklich? Wir konnten es nicht lassen. Kristina und Manuel sind mit Kaffee, Eis und Münsterwurst Tram gefahren.



Verschmutzung und Gerüche

Die VAG und der Fahrgastbeirat haben beschlossen, dass ab sofort Essen und Trinken in der Straßenbahn und im Bus verboten ist. "Weil es immer wieder Beschwerden von Fahrgästen gab, die sich durch Verschmutzung oder auch Gerüche belästigt fühlten", sagt Andreas Hildebrandt von der VAG. Ein anderer Grund: "Wir haben eine stärkere Alkoholzunahme in den Abendstunden und am Wochenede in den Fahrzeugen festgestellt. Das hat uns dazu bewogen, deutlich zu machen, keine Speisen und Getränke mehr in den Bussen und Straßenbahnen zu konsumieren."

Doch was passiert, wenn man in der Straßenbahn mit einer feinen Roten vom Münsterplatz erwischt wird? "Natürlich haben wir nicht vor, mit dem großen Knüppel zuzuschlagen," sagt Hildebrandt, "es wird lediglich darum gebeten, beim nächsten Mal doch das Verbot zu beherzigen." Man wird also nicht gezwungen, bei der nächsten Haltestelle auszusteigen. "Fahrgäste, die sich belästigt fühlen, haben natürlich die Möglichkeit, den Fahrgast auf das Piktogramm hinzuweisen und ihn zu bitten, sein Verhalten zu ändern."

Niemandem auf den Wecker gehen

Besteht nicht die Gefahr, dass es dann zu Streitigkeiten kommt? "Wir sehen das Piktogramm als Bitte, sich entsprechend zu verhalten. Schließlich sollte jeder sein Verhalten so ausrichten, dass er niemanden auf den Wecker geht."

Aber es gibt noch viel mehr Sachen, die einem in der Straßenbahn auf den Wecker gehen, zum Beispiel laute Musik durch Kopfhörer oder Handy. Dagegen könnte man doch auch mal was unternehmen. "Das ist eben wieder eine Frage der Durchsetzbarkeit. Wenn dann das Piktogramm mit dem Handyverbot in der Bahn hängt, heißt das dann, man muss sein Handy ausschalten, bevor man in die Bahn steigt? Das macht doch kein Mensch. Da kann man nur an das gute Benehmen und die Rücksichtnahme auf die anderen Fahrgäste appellieren ", sagt Hildebrandt. "Es wird auch nicht aktiv kontrolliert, sondern das Verbot ist eine Aufforderung, mehr Rücksicht auf seine Mitmenschen zu nehmen. Es wird keinen geben, der durch die Bahn geht und nach Flaschen und Essen sucht."

Machen Fahrgäste überhaupt von ihrem Recht Gebrauch, auf das Verbot hinzuweisen? Wir haben es getestet.



Kaffee und Schokoweckle

Mit einem frisch gebrühten Mitnehmkaffee in der Hand steigen wir am Stadttheater in die Linie 1 Richtung Landwasser ein. Natürlich direkt beim Fahrer. Doch nichts passiert. Der Fahrer registriert uns gar nicht. Wir setzen uns hin und packen unsere Schokoweckle aus. Keine Reaktion. Wir laufen durch die ganze Bahn. Keiner der Fahrgäste bemängelt unser Verhalten.

Dann steigen wir in die Linie 5 Richtung Hornusstraße. Erneut kommen wir mit unserem Kaffee ungehindert am Fahrer vorbei. Wieder setzen wir uns zwischen die Fahrgäste und verzehren unsere Schokobrötchen. Keine Reaktion. Wieder laufen wir durch die ganze Bahn. Niemand sieht oder sagt etwas. Im Gegenteil: im hinteren Wagenteil sitzt ein Mann, der fröhlich an einem Schokokeks knabbert.

In der dritten Bahn (Linie 5, Richtung Rieselfeld) sprechen wir den Fahrer direkt an und fragen ihn, ob wir unseren Kaffee in die Bahn nehmen dürfen. Schließlich sei das ja seit heute verboten. Der Fahrer weiß das und sagt: „Ja, normalerweise schon. Aber passen Sie eben auf, dass Sie nichts verschütten.“ Aufgepasst habe wir.



"Knipsen Sie das Verbotsschild!"

Level 2: mit Münsterwurst und Knöpfle steigen wir in die Linie 2 Richtung Zähringen. Weder Geruch noch Anblick stören den Fahrer oder die Fahrgäste. Als wir Fotos machen, weist uns ein Fahrgast sogar darauf hin, doch auch das neue Verbotsschild zu fotografieren. Klar, machen wir.

Wieder am Bertoldsbrunnen, kaufen wir uns Eis und steigen in die Linie 5 Richtung Rieselfeld. Aber auch unser Eisschlecken wird nicht wahrgenommen. Fazit: ungestört konnten wir heute Kaffee, Wurst und Eis in der Bahn genießen.

Abschließend ist zu sagen, dass wir nicht dazu animieren wollen, weiterhin in öffentlichen Verkehrsmitteln zu essen und dort Dreck zu hinterlassen. Unser Test zeigt lediglich, dass sich unsere Mitfahrer nicht gestört fühlten von unserem Verhalten. Das Verbot gilt erst seit heute. Vielleicht haben es viele noch nicht registriert. Es ist ein Gebot der Rücksicht. Man sollte es ernstnehmen.